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Ökolandbaus 2014 – die wichtigsten Entwicklungen und Kennzahlen

26. April 2015

Wie jedes Jahr werden viele Kennzahlen des Ökolandbaus in den Monaten Februar und März veröffentlicht: Der BÖLW veröffentlicht zur Biofach im Februar die Broschüre „Zahlen Daten Fakten – der Bio-Branche 2015“, in der Flächen- und Marktwachstum des Biolandbaus dargestellt sind. Die Internationale Entwicklung beschreiben IFOAM und FiBL in ihrem Buch „World of Organic Agriculture 2015“, und im März legte die AMI ihre kostenpflichtige (196 €) „Marktbilanz Ökolandbau 2015“ vor. Des weiteren veröffentlichte Dr. Jürn Sanders vom Thünen Institut im Laufe des März die detaillierte Auswertung der Buchführungsabschlüsse der Ökobetriebe innerhalb der BMEL-Testbetriebsnetzes („Analyse der wirtschaftlichen Lage ökologisch wirtschaftender Betriebe im Wirtschaftsjahr 2013/14“). In dieser Auswertung ist unter anderem die Gewinnentwicklung im Ökolandbau dargestellt.

Kontinuierliches Marktwachstum des Ökosektors

Der Markt für ökologische Lebensmittel ist erneut um 4,8% auf 7,91 Mrd. EUR gewachsen. Auch in diesem Jahr liegt das Marktwachstum über dem Wachstum der Betriebe. Gleichwohl liegt der Marktanteil der Ökolebensmittel immer noch etwas unterhalb 4%, während die Ökoproduktion flächenmäßig bei 6.5% und nach Anzahl der Betriebe sogar bei 8,4% liegt.

In 2014 verfestigt sich auch das Bild, dass der Naturkostsektor vor allem Motor dieser Entwicklung ist, denn bereits im dritten Jahr hintereinander ist das größte Wachstum hier zu verzeichnen, während der Lebensmitteleinzelhandel kaum gewachsen ist. Allerdings verdeutlicht der Bericht des BÖLW bzw. die Zahlen der Ami, dass dieses Wachstum auch mit einem deutlichen Strukturwandel im Naturkostsektor einhergeht: Vor allem bei Ladengrößen über 100 qm gab es mehr Neueröffnungen als Schließungen, während unter 100 qm die Schließungen überwogen. Der langjährige Trend zu größeren Ladenflächen, bzw. auch das Wachstum der Biosupermärkte hält 2014 an. Insgesamt wurden 2014 101 Läden neu eröffnet, während 49 geschlossen wurden. Der Bericht des BÖLW berichtet auch von einem verstärkten Stadt-Land-Gefälle, da viele Läden auf dem Land schließen, während die neu eröffneten Läden eher in der Stadt zu finden sind. Die folgende Grafik zeigt die längerfristige Entwicklung der verschiedenen Absatzkanäle im Ökolandbau:

Absatzkanäle Biolandbau 1997-2015

Abb. 1: Entwicklung der Absatzkanäle Biolandbau 1997-2015 (Quelle: eigene Darstellung nach Daten von IÖW 2007, Rippin & Hamm 2007, AMI 2010-2015)

Wachstum der Produktion in 2014 auch angestiegen

Die Ökologisch bewirtschaftete Fläche wuchs 2014 erneut um 2,7% auf 1.09 Mio. ha. Auch die Zahl der Ökobetriebe nahm in 2014 deutlich um 2,9% auf 23.937 zu. In Deutschland werden aktuell 6,5% der Fläche ökologisch bewirtschaftet und 8,4% der landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften ökologisch. Die folgende Abbildung 2 zeigt die Zuwachsraten bei Markt und Produktion in Deutschland von 1994-2013:

Markt und Produktion 2014

Abb. 2: Entwicklung des Ökolandbaus (Markt und Produktion) 1995- 2014 (Quelle: Eigene Darstellung nach Daten von ZMP, AMI und BÖLW)

Gewinne der Ökobetriebe leicht angestiegen

Im Wirtschaftsjahr 2013/14 sind die Gewinne auf Ökobetrieben im Durchschnitt erneut um ca. 1.700 EUR/AK angestiegen. Allerdings ist dieser Anstieg erneut geringer ausgefallen als in der konventionellen Vergleichsgruppe, deren Gewinn um 3.250 EUR/AK. Für das Wirtschaftsjahr 2013/14 etabliert sich die Situation, dass ökologische Betriebe bereits im 2 Jahr hintereinander leicht niedrigere Gewinne erzielen als die Betriebe der konventionellen Vergleichsgruppe (Abbildung 3):

Gewinnentwicklung im Ökolandbau 1995-2013

Abb. 3: Gewinnentwicklung im Ökolandbau 1995-2013 (Quelle: Thünen Institut, basierend auf Daten des Testbetriebsnetzes)

Im Bericht des Thünen-Institutes wird darauf hingewiesen, dass die Gewinnsituation innerhalb des Sektors heterogen ist: 16% der Betriebe erzielen einen Gewinn der doppelt so hoch ist, wie der der konventionellen Vergleichsbetriebe, jedoch erzielen 25% jedoch nur einen Gewinn, der nur halb so hoch ist wie bei konventionellen Vergleichsbetrieben. Unter den Betriebsformen erzielen die Milchviehbetriebe einen Gewinnsprung, der die etwas höheren Ökomilchpreise reflektiert, während die Ackerbaubetriebe etwas niedrigere Betriebe erzielen. Insgesamt kann die Einkommenssituation im Ökosektor als stabil bezeichnet werden.

Marktpreise: Öko mit leicht höheren Aufschlägen

Der Bericht des BÖLW belegt auch, dass im Ökolandbau 2014 der Preisabstand zwischen ökologischen und konventionellen Produkten größer geworden ist. Beim Getreidepreis war diese Entwicklung nach der Ernte zu beobachten, allerdings stellte sich gegen Jahresende wieder der alte Preisabstand ein. Auf dem Milchmarkt fielen 2014 die konventionellen Preise, was mit dem Auslaufen der Milchquote im März 2015 zusammenhängt. Dieser Preistrend wurde am Ökomarkt nicht im gleichen Maße nachvollzogen, so dass die Preise nur leicht fielen und der Preisabstand hier für einen sehr viel längeren Zeitraum größer wurde. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich der Preis nach Auslaufen der Quote sowohl im konventionellen als auch auf dem Ökomarkt entwickelt. Die folgende Abbildung zeigt die Entwicklungen Milchpreise seit 2012:

Entwicklung Preises für ökologische und konventionelle Milch 2012-2015

Abb. 4: Entwicklung Preises für ökologische und konventionelle Milch 2012-2015 (Quelle: eigene Darstellung basierend auf Preisen der AMI)

Die Preisentwicklung im Jahr 2014 belegt auch die These, dass die Ertrags- und Preissituation auf dem Ökomarkt in manchen Jahren von der Marktsituation auf den Märkten für konventionelle Produkte deutlich abweicht. Die Bestimmungsfaktoren können voneinander abweichen, so dass es zu einer asymmetrischen Preisanpassung kommt, so belegt in einem Artikel von uns, der letztes Jahr in Agricultural Economics erschienen ist: Würriehausen, N., R. Ihle and S. Lakner (2014): Price relationships between qualitatively differentiated agricultural products: organic and conventional wheat in Germany, Agricultural Economics 24, 2, S.195–209.

2014 als Jahr des „Krisengeredes“

Wie bereits 2009 war das Jahr 2014 gekennzeichnet von „Krisengerede“: In zahlreichen Artikeln in der Tagespresse wurde über eine angebliche Krise der ökologischen Landwirtschaft berichtet. Viele Berichte und Artikel stellen sich im Nachhinein als übertrieben heraus. Den Auftakt bildeten die Taz, und die Welt mit Artikeln zur Biofach, die stark die angebliche Krise des Ökolandbaus in den Vordergrund stellten. Die Süddeutsche und die FAZ zogen im April und Juni nach. Der Spiegel legte am 3.November 2014 eine schippe drauf und titelte „Bio Betrug“. Der Artikel konnte allerdings nichts Substanzielles zu angeblichen Betrugsfällen im Ökolandbau beitragen. Auch hier kam der Ökolandbau nicht besonders gut weg. Zugespitzt könnte man sagen, dass in den Artikeln folgende Thesen vertreten wurde:

  • Der Ökolandbau ist nicht mehr wirtschaftlich
  • Der Ökolandbau ist auf den Pachtmärkten nicht mehr wettbewerbsfähig und
  • Viele Betriebe stehen vor der Rückumstellung
  • Die Marktentwicklung ist für den Ökolandbau ungünstig, was sich an ungünstigen Preisen zeigt.

Wie oben gezeigt treffen die Thesen nicht zu, da sie entweder auf falschen oder unvollständigen Fakten beruhen oder aber an Stellen stark zuspitzten, an denen eine umfassende Betrachtung notwendig gewesen wäre. Die „Krise 2014“ war kurz gesagt eine Ente! Die tatsächliche Entwicklung auf dem Markt für Ökoprodukte war in 2014 erneut insgesamt stabil bis positiv und auch für die Betriebe stellt sich die Einkommenssituation stabil dar. Mir ist im Moment noch etwas unklar, womit die seit 2 Jahren etwas niedrigeren Gewinne auf Ökobetrieben zusammenhängen. Allerdings muss auch hier wieder betont werden, dass die Gewinne auf Ökobetrieben angestiegen sind, nur eben nicht so stark wie auf den konventionellen Vergleichsbetrieben.

Ausblick auf 2015

Für 2015 wäre meine Erwartung (bei aller Vorsicht) zunächst positiv: Alle Bundesländer haben in den Jahren 2013 und 2014 ihre Programme für ländliche Entwicklung neu gestaltet und hierbei die Prämien für den Ökolandbau leicht bis deutlich erhöht. Eine detailliertere Übersicht über die neuen Prämien bietet eine Publikation des Thünen-Institut: Bericht über die flächenbezogene Förderung der ökologischen Wirtschaftsweise 2015. Die Erhöhung der Ökoprämien in vielen Bundesländern wird sich mit Sicherheit positiv auf die Einkommen vieler Betriebe auswirken. Des weiteren würde ich eine leicht höhere Umstellungsrate erwarten, da jetzt die Programme für Ländlichen Raum in den Bundesländern fertig gestellt wurden und jetzt klar ist, wie der Förderrahmen bis 2020 aussieht. Des weiteren müssen die konventionellen Betriebe aufgrund der GAP-Reform 2013 ggf. sogar leichte Einbußen in der 1.Säule hinnehmen, können Ökobetriebe diese Einbußen durch höhere Ökoprämien evtl. ausgleichen.

In 2015 könnte auch die Neufassung der EU-Rahmenverordnung für den Ökolandbau beschlossen werden. Im Moment bezieht das EU-Parlament Stellung zu dem Entwurf, der vor allem in Deutschland auf Kritik der Anbauverbände getroffen ist. Vermutlich werden viele Vorschläge der Kommission kassiert werden und es wird uz einer moderaten Überarbeitung kommen, aber dies ist zum jetzigen Zeitpunkt nur Spekulation. Insgesamt stellt sich immer wieder die Frage, wie sich das Anbausystem Ökolandbau weiterentwickelt. Vor wenigen Wochen fand in Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (FNE) die 13. Wissenschaftstagung ökologische Landwirtschaft statt, auf der die Weiterentwicklung des Systems Ökolandbau von Wissenschaftlern und Beratern diskutiert wurde. Eine eher qualitative Einschätzung zur Weiterentwicklung des Systems Ökolandbau folgt demnächst auf diesem Blog.

Fragen, Kritik und Anregung jederzeit gerne!

Welternährung und Ökolandbau

27. Mai 2013

In Berlin wurde am Mittwoch, den 15.Mai 2013 beim Rentenbank-Symposium „Sicherung der Welternährung bei knappen Ressourcen“ die Studie „Ökologische Landwirtschaft als ein Baustein zur Sicherung der Welternährung? – Eine kritische Bestandsaufnahme und ökonometrische Analyse“ vorgestellt. Die Studie steht in einer Reihe anderer Studien, die sich mit den Auswirkungen von Europäischer Landwirtschaft und europäischem Konsum auf die Welternährungs-Situation, die von der landwirtschaftlichen Rentenbank im Jahr 2012 gezielt gefördert wurden. Die Prognosen zum weltweiten Bevölkerungswachstum und zu veränderten Konsummustern in Schwellenländern legen nahe, dass auch die weltweite Produktion von Nahrungsmitteln gesteigert werden muss. So geht der Bericht „How to feed the world 2050“ der Food and Agricultural Organization der UN (FAO) von einer Steigerung der Lebensmittelproduktion bis 2050 um 70% aus. Die Anzahl in extremer Armut lebender Menschen liegt laut FAO schon heute bei 1,4 Mrd., die Anzahl der chronisch unterernährten Menschen beziffert die FAO auf ca. 870 Mio., d.h. etwa jeder achte Mensch weltweit. Andererseits gibt es weltweit dramatische Umweltprobleme wie Verschmutzung von Wasser, Erosion und Verlust von landwirtschaftlich nutzbaren Böden oder Verlust von Biodiversität. Gesucht wird daher eine Landbau-Methode, die einerseits Erträge sicherstellt und den Landwirten in Entwicklungsländern eine Marktperspektive bietet und andererseits auch den Herausforderungen im Bereich Umwelt begegnet. Eine Landbau-Methode muss gleichzeitig auch von Kleinbauern ohne Bildungshintergrund adaptiert werden können, da der größte Anteil von Landwirten in kleinen Substanz- oder Teilsubsistenz-Betrieben wirtschaftet. Die Frage, ob der Ökolandbau eine solche Methode ist, wird jedoch sehr kontrovers diskutiert, da es v.a. in der Politik wenig Einigkeit über die Wirkungen dieses Systems gibt.

Bauernmarkt in Südniedersachsen

Bauernmarkt in Südniedersachsen

Die Studie unternimmt im ersten Teil eine Literatursichtung zu Ertragsvergleichen von ökologischen und konventionellen Systemen. Es zeigt sich, dass die Literatur zu Ertragsvergleichen kein ganz eindeutiges Bild ergibt. So sorgte eine Studie von Badgley et al. (2007) für Aufruhr, da die Autoren mit Hilfe einer Meta-Analyse zeigen, dass Erträge in Entwicklungsländern von ökologischen Anbausystemen höher sind als in konventionellen Systemen. Allerdings stellt sich die Frage, ob „konventionell“ hier im Sinne einer Landwirtschaft basierend auf chemischen Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln definiert ist, oder einfach nur bedeutet, dass keine besonderen Betriebsmittel eingesetzt werden. Die Studie wurde in der Folge von dem Autoren-Team de Ponti et al. (2012) für die Auswahl der Studien kritisiert. Die Studie von de Ponti et al. zeigt, dass der Ökolandbau im Durchschnitt niedrigere Erträge erzielt, zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch Seufert et al. (2012). Insofern kann die Frage nicht als vollständig beantwortet gelten, ein methodisches Problem einer solchen Meta-Analyse besteht zweifellos in der Auswahl der Einzelvergleiche, die für die Analyse herangezogen werden. Es erscheint daneben interessant, die Wirkung des Ökolandbaus im Hinblick auf eine möglicherweise erhöhte Wassereffizienz zu untersuchen. Diese Frage wäre v.a. von den Pflanzenbauwissenschaften und den Bodenwissenschaften zu beantworten.

Für die vorliegende Studie liegt der Fokus auf der Frage, welche Einflussfaktoren die Ausbreitung des Ökolandbaus beeinflussen. Basierend auf den Daten von FiBL und IFOAM (World of Organic Agriculture 2013, sowie vorherige Bände) wird untersucht, was die Ausbreitung des Ökolandbaus auf nationaler Ebene beeinflusst. Gewählt wird ein ökonometrisches Modell mit einer Optimierung mit Hilfe der Kleinsquadratmethode (OLS).

Die Modellierung zeigt, dass es deutliche Unterschiede zw. Industrie- und Entwicklungsländern bei der Verbreitung und Wirkung des Ökolandbaus gibt. Insgesamt ist der Ökolandbau sehr stark durch die Märkte in der EU und den USA getrieben. Die EU und die USA haben weltweit einen Marktanteil von 96% am Weltmarkt, während jedoch 80% der ökologischen Landwirte in Entwicklungsländern wirtschaften. Ein großer Teil der weltweiten Ökoproduktion wird somit gehandelt. Der Ökolandbau bereitet sich in Staaten mit einer besonders guten Handelsinfrastruktur aus. Dies zeigt die enge Marktanbindung des ökologischen Anbaus, was aus entwicklungspolitischer Perspektive ein großer Vorteil sein kann. Die Modell-Indikatoren deuten auch darauf hin, dass der Ökolandbau sich in politisch stabilen Staaten besser entwickelt.

Daneben nimmt der Ökofläche in Industrieländern mit einer hohen Intensität der konventionellen Landwirtschaft ab, was die Erkenntnisse anderer Studien bestätigt und mit den Opportunitätskosten der Umstellung begründet werden kann. Der Ökolandbau sich in Staaten mit einem hohen Anteil von Entwicklungshilfe in der Landwirtschaft ausbreitet. Dies zeigt, dass der Ökolandbau auch als Methode zur Entwicklungshilfe genutzt wird.

Schließlich zeigt die Studie, dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen dem Wachstum der Ökofläche und der Produktivitätswachstum der landwirtschaftlichen Sektoren weltweit gibt. Der Vorwurf, dass Ökolandbau schädlich für die Welternährung und die Produktivität der Landwirtschaft ist, kann somit nicht belegt werden. Schließlich beeinflussen die gesetzlichen Regulierungen die Ausbreitung des Ökolandbaus in Entwicklungsländern deutlich positiv. D.h. wenn es einen gesetzlichen Standard zum System Ökolandbau sowie gesetzlich geregelte Kontrollen gibt, so wächst der Ökolandbau.

Es gibt weiterhin viele offene Frage, die den Beitrag des Ökolandbaus zur Welternährung betreffen:

1.) Ertrag: Es erscheint zunächst plausibel anzunehmen, dass auf Ökobetrieben etwas niedrigere Erträge erzielt werden als auf konventionellen Betrieben, die chemische Düngemittel einsetzen. Allerdings zeigt die Studie von Bagdley et al, (2007), dass dies im Einzelfall auch anders sein kann. Ein Grund könnte darin liegen, dass „konventionell“ in manchen Entwicklungsländern und Regionen bedeutet, dass überhaupt keine Betriebsmitteln eingekauft werden. In so einem Fall kann der Ökolandbau definitiv eine Chance und eine Verbesserung gegenüber einem Low-Input-Systems sein. Daneben erscheint es sinnvoll, die mögliche Wassereffizienz des Ökolandbaus zu untersuchen. Gerade diese Frage kann jedoch kompetent von Experten der Pflanzenbauwissenschaften beantwortet werden.

2.) Ökologische Wirkung: Auf die weltweiten Umweltprobleme wurde hingewiesen. Für eine volkswirtschaftliche Bilanz ist es wichtig, den Umweltnutzen des Ökolandbau mit einzubeziehen bzw. die Umweltschäden der konventionellen Landwirtschaft „in Rechnung“ zu stellen, erst dann wäre ein volkswirtschaftlicher Vergleich von Systemen angemessen.

3.) Adaptionsfähigkeit eines Systems: Wenn möglichst viele Landwirtinnen und Landwirte in Entwicklungsländern von entwicklungspolitischen Maßnahmen profitieren sollen, so müssen Beratung und Entwicklungshilfeprojekte so gestaltet sein, dass Landwirtinnen/Landwirte diese Anbausysteme anwenden können. Der Ökolandbau dürfte diesbezüglich anspruchsvoll sein, da man sich mit Dingen wie Fruchtfolge, Nützlingen oder Kompost beschäftigen muss. Andererseits sind dies Inputs, die hauptsächlich Wissen erfordern und nicht den Einkauf von Betriebsmitteln. Dies kann ein Vorteil sein. Es besteht insgesamt ein großer Konsens darüber, dass Bildung für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern die effektivste Maßnahmen gegen Hunger sein können.

4.) Die Rolle der Märkte: Die Studie zeigt, dass der Ökolandbau eine gute Marktanbindung hat. Dies kann für Betriebe in Entwicklungsländern eine Chance sein. Es birgt jedoch gleichzeitig Risiken, da „exportierende“ Betriebe vom Weltmarktgeschehen abhängig sind. Viele Entwicklungsökonomen weisen darauf hin, dass Märkte zunächst als Chance zu betrachten sind. Insofern könnte auch dies ein Vorteil des Ökolandbaus sein. Es erscheint dabei jedoch wichtig, auch auf eine Entwicklung lokaler und nationaler Märkte hinzuwirken, da dies einem Betrieb verschiedene Absatzmärkte ermöglicht. Im Moment wird das Geschehen stark von den Industrieländern dominiert, allerdings gibt es immer wieder einzelne gelungene Beispiele, für lokale Ökovermarktung.

An der Studie arbeiteten B. Heinrich, N. Würriehausen, K. Hernández Villafuerte, S. Lakner und S. von Cramon-Taubadel mit.

Literatur:

Badgley, C., J. Moghtader, E. Quintero, E. Zakem, M.J. Chappell, K. Avilés-Vázquez, A. Samulon & I. Perfecto (2007): Organic agriculture and the global food supply, Renewable Agriculture and Food Systems, Band 22, Nr. 2; S. 86–108

De Ponti, T., B. Rijk, & M.K. van Ittersum (2012): The crop yield gap between organic and conventional agriculture, Agricultural Systems, Band 108, S. 1-9

Food and Agricultural Organization (FAO) (2009): How to feed the world in 2050, Report, Food and Agricultural Organization (FAO), Rom, Italien