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The role of location economics in organic grassland farming

13. Oktober 2016

Durchschnittliche Technische Effizienz in 15 Produktionsclustern von ökologischen Futterbau-Betrieben in Deutschland (Quelle: eigene Berechnung)

Average technical efficiency in 15 production clusters of organic grassland farms in Germany (source: own calculations)

We analyze the efficiency of organic pasture farming in Germany using data from 1994/95 to 2005/06. Five inputs and one output are analyzed by means of a stochastic frontier production function, allowing for heteroscedasticity and technical effects. Five sets of possible determinants of technical efficiency are considered in the model. These include: (1) farm structure and resources; (2) human capital and management capacities; (3) institutional choice; and (4) subsidies. To these factors that are commonly included in technical effects models, we add (5) a set of variables that capture localization and urbanization economies such as the share of organic farms in a region and the regional share of votes for the Green Party in recent elections.

These regional effects are found to have a significant impact on the technical efficiency of organic farms. We have identified 15 production clusters in Germany with different levels of efficiency. Interestingly, especially the southern clusters perform extremely well. In contrast to this, farms in northern and eastern Germany show lower efficiency level. There might be some shortcomings: Hessen, Mecklenburg-Vorpommern and Schleswig-Holstein are not represented in the data-set and in Eastern Germany has only few observations. In the context of Stochastic Frontier Analysis, we might also conclude, that the production frontier is mainly defined by rather small farms which can be found in Southern Germany. However, to our best knowledge, this is the first formal approach to investigate the relation of regional clusters and efficiency levels by a admittedly simple approach.

In our study we also investigate the evolution of efficiency on farms that are converting from conventional to organic farming. According to this result, the conversion period is longer than the usual 2 or 5 years, in which the federal states provide support for converting farms. After 6-11 years the average technical efficiency is substantially increasing almost reaching the average level of established farms. A conclusion might be, that farmers need to calculate with a longer adaptation period and from a political point of view, it might be appropriate to support 5 and not 2 years. But this has of course some trade-offs. And the literature also shows, that market-integration of converted farms is crucial for a successful conversion to organic farms.

Source: Technical efficiency of organic pasture farming in Germany: The role of location economics and of specific knowledge | Renewable Agriculture and Food Systems | Cambridge Core

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Ökolandbau 2015: Weiterhin konstantes Wachstum der Biobranche

10. Februar 2016

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat wie jedes Jahr zur Biofach die neuesten Zahlen zur ökologischen Landwirtschaft in der Broschüre „Zahlen Daten Fakten – Die Biobranche 2016“ veröffentlicht und in einer Pressemitteilung zur Biofach 2016 diese Zahlen besprochen. Nach diesen Zahlen wächst der Umsatz mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln weiter stärker als die ökologisch bewirtschaftete Fläche und die Zahl der Ökobetriebe.

Die Marktdaten in dieser Broschüre werden üblicherweise vom „Arbeitskreis Biomarkt“ und der Agrarmarkt Information mbH in Bonn beigesteuert: Beim Umsatz liegen wir inzwischen bei 8,62 Mrd. EUR, was ein Zuwachs von 2014 auf 2015 von ca. 11% bedeutet. Der Lebensmitteleinzelhandel (Supermärkte/Discounter) halten weiterhin einen Anteil von 55% an diesem Umsatz, Naturkostläden haben einen Anteil von 31%, während der Anteil der sonstigen Vermarktungswege bei 13% liegt. Der Zuwachs fand vor allem im Lebensmitteleinzelhandel statt, der in den Jahren zuvor weniger gewachsen war. Die Entwicklung ist eher von größeren abgesetzten Mengen als von der Preisentwicklung geprägt, da für viele Produkte die Preise nur geringfügig stiegen. Mehr details zur Entwicklung des Biomarktes finden sich in einer Pressemitteilung der AMI vom 10.02.2016.

BIO-Marktentwicklung_2015.jpg

Fläche und Betriebe nehmen wieder etwas stärker zu als in den Jahren zuvor, allerdings weiterhin nur einstellig. Im Moment wirtschaften 24.343 ökologische Betriebe (+4% gegenüber 2014) auf 1.047.633 Hektaren (+2,9%). Insgesamt wirtschaften in Deutschland 8,7% der Betriebe ökologisch und 6,4% der Flächen wird ökologisch bewirtschaftet.

Zuwachslücke 2015.png

Das geringer Wachstum der letzten zwei Jahre 2013 u.2014 kann mit den unklaren Förderbedingungen erklärt werden: Zu Beginn einer neuen EU-Förderperiode müssen die Programme der ländlichen Entwicklung von den Bundesländern bei der EU-Kommission neu beantragt werden. Dies geht üblicherweise auch mit neuen Fördersätzen einher. Der Genehmigungsprozess dieser Programme durch die EU-Kommission dauerte bis in der Jahr 2015, allerdings war bereits 2014 klar, welche Fördersätze für den Ökolandbau in der neuen Förderperiode angewandt werden. Wenn man bedenkt, dass WJ 2015 das erste Wirtschaftsjahr war, in dem die Rahmenbedingungen für die neue Periode der Ökoförderung 2014-2020 fest standen, so erscheint ein Flächenzuwachs von 3% und ein Betriebszuwachs von 4% eher moderat. Allerdings ist EU Bioverordnung immer noch im Entscheidungsprozess und mir ist nicht ganz klar, ob die Neufassung evtl. auch bei potenziellen Umstellern Unsicherheit erzeugt. Insofern wird es interessant sein, die weitere Entwicklung zu verfolgen.

Ein höheres Marktwachstum kann auch zu steigenden Importen auf dem Biomarkt führen. Die Schlussfolgerung von Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen) 2015 auf der Biofach (Interessanterweise ist Hofreiters PM von der Seite der BT-Fraktion verschwunden…), dass mangelnde deutsche Produktion und Bio-Importe für den Ökolandbau insgesamt ein Problem seien, kann ich weiterhin nicht ganz teilen: Wenn Anbieter im Ausland günstig anbieten können, so ist dies zunächst für Verbraucher vorteilhaft. Auch gesamtwirtschaftlich ist dies vorteilhaft, weil z.B. in Rumänien oder im Baltikum Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. Landwirte in Deutschland stellen nicht blind um, sondern überlegen zu Recht, ob Ökolandbau eine wirtschaftliche Alternative ist, denn eine Umstellung erfordert für einen Betrieb große Anstrengungen. Kritik an Bio-Importen verbietet sich aus meiner Sicht auch, weil die Bio-Branche auch gleichzeitig exportiert. Es dürfte schwer vermittelbar sein, warum die Produktion von Rohstoffen in Deutschland erfolgen soll, die hier hergestellten Lebensmittel aber munter gehandelt werden dürfen. Ich bin gespannt, ob und wie Hofreiter sich dieses Jahr zur Entwicklung der Biobranche äußert.

Auch die ersten Zahlen zur Gewinnsituation von Ökobetrieben im Wirtschaftsjahr 2014/15 wurden zur Biofach von Dr. Jürn Sanders vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft vorgelegt:

Gewinnvergleich bis 2014.pngAuch hier zeigt sich gegenüber den Vorjahren eine Umkehrung des Trends: Während in den Wirtschaftsjahren 2012/13 und 2013/14 die Gewinne in der konventionellen Landwirtschaft die Gewinne von Biobetrieben im Durchschnitt überstiegen, gab es bei den konventionellen Betrieben im WJ 2014/15 einen drastischen Gewinneinbruch (so Pressemitteilung des BMEL 25.01.2016), der auf EU-Ebene bereits von Eurostat am 15.12.2015 in einer Pressmitteilung gemeldet wurde. Die Entwicklung bei den Biobetrieben war dagegen positiv, sie konnten ihren Gewinn in einem schwierigen Umfeld wie in den Vorjahren leicht (+2%) steigern. Die mit Biobetrieben vergleichbaren konventionellen Betriebe hatte einen Gewinneinbruch von -13%, nimmt man den gesamten konventionellen Sektor, so fällt der Gewinneinbruch mit -25% noch stärker aus.

Diese für den Ökolandbau eher freundliche Entwicklung hängt sehr eng mit der Entwicklung landwirtschaftlicher Preise zusammen. 2015 war festzustellen, dass die konventionellen Preise v.a. für Fleisch und Milch stark einbrachen. Auch die Preise für konventionelles Getreide fielen in der zweiten Jahreshälfte 2015 leicht, was mit den international gut ausgefallenen Ernten zusammenhing.

Weizenpreise_ÖkoKonv2015.png

Diese Preisentwicklung wurde im Ökolandbau so nicht nachvollzogen, was zunächst ein wenig überraschen mag, sind doch Ökopreise (so unsere Analyse in Agricultural Economics) wie auch Preise für konventionelle Ware auch von internationalen Entwicklungen abhängen. Bei Getreide fiel die Ernte 2015 mengenmäßig geringer aus, allerdings bei gleichzeitig hohen Qualitäten. Diese Entwicklung war gegenüber dem konventionellen Getreidemarkt gegenläufig, was dazu führte, dass die Preisrelation zwischen ökologischem und ökologischem Backweizen von ca. 150% auf 250-270% anstieg. Gleiches lässt sich auf dem Milchmarkt beobachten:

Milchpreis_Milchpreis2015.png

Im Milchbereich zeigt sich die Preisdifferenz noch deutlicher als bei Getreide: Hier blieb der Milchpreis im Bundesdurchschnitt konstant oberhalb 47 ct/kg und stieg gegen Ende des Jahres sogar etwas an, während der Preis für konventionelle Milch unter 30 ct/kg fiel. Dies spiegelt sich auch in der Gewinnsituation der Milchbetriebe wieder: So war der Gewinnabstand 2015 bei den Milchvieh-Betrieben mit +33% am deutlichsten, während der Gewinnabstand bei den anderen Betriebstypen moderater ausfiel.

Auch in der medialen Wahrnehmung zeigt sich 2015 ein anders Bild als in den Jahren davor. Während diverse Tageszeitungen 2013 und 2014 über die angebliche Krise am Biomarkt berichteten (eine These, die durch Zahlen eigentlich kaum zu belegen ist…), waren die Berichte z.B. des Spiegel am 17.01.2016 zur Grünen Woche über die gestiegenen Flächenzahlen und Gewinne ausnahmsweise mal recht positiv. Insgesamt scheint die Entwicklung im Ökolandbau sehr viel konstanter, was zunächst aus betriebswirtschaftlicher Sicht positiv zu bewerten ist. Für die Betriebe mag es sehr viel günstiger sein, in drei Jahren moderate Gewinnanstiege zu verzeichnen, als (wie in der konventionellen Landwirtschaft) in zwei Jahren starke Ansteige zu erleben um im dritten Jahr einen Einbruch verkraften zu müssen. Interessant erscheint auch die Tatsache, dass der Anteil der Betriebe, die nach EU-Bioverordnung zertifiziert werden, leicht rückläufig ist: Seit 2010 ist der Anteil dieser Betriebe von 47,7% auf 46,6% gesunken. Verbandsbetriebe2015.jpg

Vielleicht bestätigen die Daten die These von Dr. Ika Darnhofer (Universität für Bodenkultur Wien), dass der Ökobetriebe fehlerfreundlicher (resilienter) sind als konventionelle Betriebe. Die These ist vielleicht gewagt, aber so könnte man die Preis- und Gewinnentwicklungen der letzten drei Jahre lesen.

Offen ist 2016 weiterhin das Thema der EU-Ökoverordnung: Hier muss sich noch zeigen, welche Lösungen auf EU-Ebene gefunden werden und wie sich dies auf die Entwicklung der Branche auswirkt. In einem Briefing von MdEP Martin Häusling (Bündnis 90/Die Grünen) vom Oktober 2015 kann man den aktuellen Stand der Verhandlungen nachlesen: Im Moment finden die Verhandlungen zwischen Parlament und Rat statt (Trilog), allerdings gibt es noch keine Ergebnisse.

Ein weiteres Thema für die Biobranche für die nächsten Jahre könnten die schleppenden Ertragszuwächse im Ökolandbau sein. Hier hatte Dr. Steffen Noleppa auf der Grünen Woche für den Industrieverband Agrar eine (methodisch umstrittene) Studie vorgelegt, deren Ertragsdaten einem jedoch Kopfzerbrechen bereiten kann. Der BÖLW hatte hierzu zwar kritisch Stellung bezogen, allerdings sollte man sich die Ergebnisse genau ansehen. (Hierzu demnächst mehr auf diesem Blog: https://slakner.wordpress.com/2016/03/06/organic-vs-conventional-yields-critical-remarks-on-a-germany-study/ ). Ich könnte mir vorstellen, dass das Thema Saatgut eine immer größere Bedeutung im Ökolandbau erlangen könnten (sofern es nicht schon wichtig ist…). Der BÖLW hatte schon vor einigen Jahren zu Recht gefragt, ob der Ökolandbau eine eigene Züchtung braucht: Wer züchtet neue Sorten für den Ökolandbau, die an das System angepasst sind und Erträge steigern und die gleichzeitig auf fragwürdige Züchtungsmethdoen (CMS-Hybriden) verzichtet? Hier gibt es weiterhin einiges zu tun.

Und sonst: Ergänzungen und Kommentare gerne jederzeit!

Ökolandbaus 2014 – die wichtigsten Entwicklungen und Kennzahlen

26. April 2015

Wie jedes Jahr werden viele Kennzahlen des Ökolandbaus in den Monaten Februar und März veröffentlicht: Der BÖLW veröffentlicht zur Biofach im Februar die Broschüre „Zahlen Daten Fakten – der Bio-Branche 2015“, in der Flächen- und Marktwachstum des Biolandbaus dargestellt sind. Die Internationale Entwicklung beschreiben IFOAM und FiBL in ihrem Buch „World of Organic Agriculture 2015“, und im März legte die AMI ihre kostenpflichtige (196 €) „Marktbilanz Ökolandbau 2015“ vor. Des weiteren veröffentlichte Dr. Jürn Sanders vom Thünen Institut im Laufe des März die detaillierte Auswertung der Buchführungsabschlüsse der Ökobetriebe innerhalb der BMEL-Testbetriebsnetzes („Analyse der wirtschaftlichen Lage ökologisch wirtschaftender Betriebe im Wirtschaftsjahr 2013/14“). In dieser Auswertung ist unter anderem die Gewinnentwicklung im Ökolandbau dargestellt.

Kontinuierliches Marktwachstum des Ökosektors

Der Markt für ökologische Lebensmittel ist erneut um 4,8% auf 7,91 Mrd. EUR gewachsen. Auch in diesem Jahr liegt das Marktwachstum über dem Wachstum der Betriebe. Gleichwohl liegt der Marktanteil der Ökolebensmittel immer noch etwas unterhalb 4%, während die Ökoproduktion flächenmäßig bei 6.5% und nach Anzahl der Betriebe sogar bei 8,4% liegt.

In 2014 verfestigt sich auch das Bild, dass der Naturkostsektor vor allem Motor dieser Entwicklung ist, denn bereits im dritten Jahr hintereinander ist das größte Wachstum hier zu verzeichnen, während der Lebensmitteleinzelhandel kaum gewachsen ist. Allerdings verdeutlicht der Bericht des BÖLW bzw. die Zahlen der Ami, dass dieses Wachstum auch mit einem deutlichen Strukturwandel im Naturkostsektor einhergeht: Vor allem bei Ladengrößen über 100 qm gab es mehr Neueröffnungen als Schließungen, während unter 100 qm die Schließungen überwogen. Der langjährige Trend zu größeren Ladenflächen, bzw. auch das Wachstum der Biosupermärkte hält 2014 an. Insgesamt wurden 2014 101 Läden neu eröffnet, während 49 geschlossen wurden. Der Bericht des BÖLW berichtet auch von einem verstärkten Stadt-Land-Gefälle, da viele Läden auf dem Land schließen, während die neu eröffneten Läden eher in der Stadt zu finden sind. Die folgende Grafik zeigt die längerfristige Entwicklung der verschiedenen Absatzkanäle im Ökolandbau:

Absatzkanäle Biolandbau 1997-2015

Abb. 1: Entwicklung der Absatzkanäle Biolandbau 1997-2015 (Quelle: eigene Darstellung nach Daten von IÖW 2007, Rippin & Hamm 2007, AMI 2010-2015)

Wachstum der Produktion in 2014 auch angestiegen

Die Ökologisch bewirtschaftete Fläche wuchs 2014 erneut um 2,7% auf 1.09 Mio. ha. Auch die Zahl der Ökobetriebe nahm in 2014 deutlich um 2,9% auf 23.937 zu. In Deutschland werden aktuell 6,5% der Fläche ökologisch bewirtschaftet und 8,4% der landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften ökologisch. Die folgende Abbildung 2 zeigt die Zuwachsraten bei Markt und Produktion in Deutschland von 1994-2013:

Markt und Produktion 2014

Abb. 2: Entwicklung des Ökolandbaus (Markt und Produktion) 1995- 2014 (Quelle: Eigene Darstellung nach Daten von ZMP, AMI und BÖLW)

Gewinne der Ökobetriebe leicht angestiegen

Im Wirtschaftsjahr 2013/14 sind die Gewinne auf Ökobetrieben im Durchschnitt erneut um ca. 1.700 EUR/AK angestiegen. Allerdings ist dieser Anstieg erneut geringer ausgefallen als in der konventionellen Vergleichsgruppe, deren Gewinn um 3.250 EUR/AK. Für das Wirtschaftsjahr 2013/14 etabliert sich die Situation, dass ökologische Betriebe bereits im 2 Jahr hintereinander leicht niedrigere Gewinne erzielen als die Betriebe der konventionellen Vergleichsgruppe (Abbildung 3):

Gewinnentwicklung im Ökolandbau 1995-2013

Abb. 3: Gewinnentwicklung im Ökolandbau 1995-2013 (Quelle: Thünen Institut, basierend auf Daten des Testbetriebsnetzes)

Im Bericht des Thünen-Institutes wird darauf hingewiesen, dass die Gewinnsituation innerhalb des Sektors heterogen ist: 16% der Betriebe erzielen einen Gewinn der doppelt so hoch ist, wie der der konventionellen Vergleichsbetriebe, jedoch erzielen 25% jedoch nur einen Gewinn, der nur halb so hoch ist wie bei konventionellen Vergleichsbetrieben. Unter den Betriebsformen erzielen die Milchviehbetriebe einen Gewinnsprung, der die etwas höheren Ökomilchpreise reflektiert, während die Ackerbaubetriebe etwas niedrigere Betriebe erzielen. Insgesamt kann die Einkommenssituation im Ökosektor als stabil bezeichnet werden.

Marktpreise: Öko mit leicht höheren Aufschlägen

Der Bericht des BÖLW belegt auch, dass im Ökolandbau 2014 der Preisabstand zwischen ökologischen und konventionellen Produkten größer geworden ist. Beim Getreidepreis war diese Entwicklung nach der Ernte zu beobachten, allerdings stellte sich gegen Jahresende wieder der alte Preisabstand ein. Auf dem Milchmarkt fielen 2014 die konventionellen Preise, was mit dem Auslaufen der Milchquote im März 2015 zusammenhängt. Dieser Preistrend wurde am Ökomarkt nicht im gleichen Maße nachvollzogen, so dass die Preise nur leicht fielen und der Preisabstand hier für einen sehr viel längeren Zeitraum größer wurde. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich der Preis nach Auslaufen der Quote sowohl im konventionellen als auch auf dem Ökomarkt entwickelt. Die folgende Abbildung zeigt die Entwicklungen Milchpreise seit 2012:

Entwicklung Preises für ökologische und konventionelle Milch 2012-2015

Abb. 4: Entwicklung Preises für ökologische und konventionelle Milch 2012-2015 (Quelle: eigene Darstellung basierend auf Preisen der AMI)

Die Preisentwicklung im Jahr 2014 belegt auch die These, dass die Ertrags- und Preissituation auf dem Ökomarkt in manchen Jahren von der Marktsituation auf den Märkten für konventionelle Produkte deutlich abweicht. Die Bestimmungsfaktoren können voneinander abweichen, so dass es zu einer asymmetrischen Preisanpassung kommt, so belegt in einem Artikel von uns, der letztes Jahr in Agricultural Economics erschienen ist: Würriehausen, N., R. Ihle and S. Lakner (2014): Price relationships between qualitatively differentiated agricultural products: organic and conventional wheat in Germany, Agricultural Economics 24, 2, S.195–209.

2014 als Jahr des „Krisengeredes“

Wie bereits 2009 war das Jahr 2014 gekennzeichnet von „Krisengerede“: In zahlreichen Artikeln in der Tagespresse wurde über eine angebliche Krise der ökologischen Landwirtschaft berichtet. Viele Berichte und Artikel stellen sich im Nachhinein als übertrieben heraus. Den Auftakt bildeten die Taz, und die Welt mit Artikeln zur Biofach, die stark die angebliche Krise des Ökolandbaus in den Vordergrund stellten. Die Süddeutsche und die FAZ zogen im April und Juni nach. Der Spiegel legte am 3.November 2014 eine schippe drauf und titelte „Bio Betrug“. Der Artikel konnte allerdings nichts Substanzielles zu angeblichen Betrugsfällen im Ökolandbau beitragen. Auch hier kam der Ökolandbau nicht besonders gut weg. Zugespitzt könnte man sagen, dass in den Artikeln folgende Thesen vertreten wurde:

  • Der Ökolandbau ist nicht mehr wirtschaftlich
  • Der Ökolandbau ist auf den Pachtmärkten nicht mehr wettbewerbsfähig und
  • Viele Betriebe stehen vor der Rückumstellung
  • Die Marktentwicklung ist für den Ökolandbau ungünstig, was sich an ungünstigen Preisen zeigt.

Wie oben gezeigt treffen die Thesen nicht zu, da sie entweder auf falschen oder unvollständigen Fakten beruhen oder aber an Stellen stark zuspitzten, an denen eine umfassende Betrachtung notwendig gewesen wäre. Die „Krise 2014“ war kurz gesagt eine Ente! Die tatsächliche Entwicklung auf dem Markt für Ökoprodukte war in 2014 erneut insgesamt stabil bis positiv und auch für die Betriebe stellt sich die Einkommenssituation stabil dar. Mir ist im Moment noch etwas unklar, womit die seit 2 Jahren etwas niedrigeren Gewinne auf Ökobetrieben zusammenhängen. Allerdings muss auch hier wieder betont werden, dass die Gewinne auf Ökobetrieben angestiegen sind, nur eben nicht so stark wie auf den konventionellen Vergleichsbetrieben.

Ausblick auf 2015

Für 2015 wäre meine Erwartung (bei aller Vorsicht) zunächst positiv: Alle Bundesländer haben in den Jahren 2013 und 2014 ihre Programme für ländliche Entwicklung neu gestaltet und hierbei die Prämien für den Ökolandbau leicht bis deutlich erhöht. Eine detailliertere Übersicht über die neuen Prämien bietet eine Publikation des Thünen-Institut: Bericht über die flächenbezogene Förderung der ökologischen Wirtschaftsweise 2015. Die Erhöhung der Ökoprämien in vielen Bundesländern wird sich mit Sicherheit positiv auf die Einkommen vieler Betriebe auswirken. Des weiteren würde ich eine leicht höhere Umstellungsrate erwarten, da jetzt die Programme für Ländlichen Raum in den Bundesländern fertig gestellt wurden und jetzt klar ist, wie der Förderrahmen bis 2020 aussieht. Des weiteren müssen die konventionellen Betriebe aufgrund der GAP-Reform 2013 ggf. sogar leichte Einbußen in der 1.Säule hinnehmen, können Ökobetriebe diese Einbußen durch höhere Ökoprämien evtl. ausgleichen.

In 2015 könnte auch die Neufassung der EU-Rahmenverordnung für den Ökolandbau beschlossen werden. Im Moment bezieht das EU-Parlament Stellung zu dem Entwurf, der vor allem in Deutschland auf Kritik der Anbauverbände getroffen ist. Vermutlich werden viele Vorschläge der Kommission kassiert werden und es wird uz einer moderaten Überarbeitung kommen, aber dies ist zum jetzigen Zeitpunkt nur Spekulation. Insgesamt stellt sich immer wieder die Frage, wie sich das Anbausystem Ökolandbau weiterentwickelt. Vor wenigen Wochen fand in Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (FNE) die 13. Wissenschaftstagung ökologische Landwirtschaft statt, auf der die Weiterentwicklung des Systems Ökolandbau von Wissenschaftlern und Beratern diskutiert wurde. Eine eher qualitative Einschätzung zur Weiterentwicklung des Systems Ökolandbau folgt demnächst auf diesem Blog.

Fragen, Kritik und Anregung jederzeit gerne!

Der Spiegel zeichnet Zerrbild des Ökolandbaus

22. November 2014

Ach ja, und jetzt versucht sich also der Spiegel am Thema Ökolandbau: „Der Bio-Betrug – Wie Konzerne die Öko-Idee missbrauchen“, so war die Ausgabe vom 03.11.2014 betitelt, abgebildet war ein Bio-Apfel mit einem Luftventil. „Die Ökoproduzenten stecken in der Krise“, so heißt es im Artikel: Aus einer sympathischen Idee wird die Luft herausgelassen, und zwar von bösen, profit-orientierten Konzernen, die eine gute Idee missbrauchen. So wäre eine naheliegende Interpretation dieses Titelblattes. Liebe Freunde, dieser Artikel war schwere Kost und eine Kommentierung ist nicht ganz trivial, aber dringend notwendig. Die Spiegel-Autoren haben sich bemüht, aber es fehlt leider an Präzision.

Worum geht es?

Grundsätzlich spricht der Artikel viele Probleme der Landwirtschaft an und skizziert die Lage des Ökolandbaus. Vier Hauptargumente halte ich für nicht präzise genug dargestellt:

  • Im Biolandbau gibt es Betrug gegen die Richtlinien,
  • Die Anbau-Verbände spielen eigentlich kaum noch eine Rolle,
  • Durch hohe Pachten müssen massenhaft Bio-Betriebe aufgeben und
  • Die Bio-Importe steigen massiv an.

Insgesamt legt der Artikel nahe, dass der Ökolandbau selbst unter Druck steht und angeblich an Glaubwürdigkeit verloren hat. Am Ende des Artikels wird der Präsident von Bioland als „Kronzeuge“ zitiert [Zitat wörtlich]: „Damit die Biobranche als globale Alternative taugt, muss sie Ihre Glaubwürdigkeit zurück gewinnen. ‚Wir müssen zurück zum Leitbild des bäuerlichen Betriebs’, sagt Bioland-Chef Jan Plagge.“ [Zitat Ende]. Wir lernen: Der Ökolandbau hat (angeblich) an Glaubwürdigkeit verloren. Die Spiegel-Redakteure zitieren Plagge so, aber es ist kaum denkbar, dass dieser Satz von Plagge ohne jeden Zusammenhang gefallen ist.

Schilf in Schweden

See nahe Mellerud, in Schweden

Das Thema Glaubwürdigkeit müssen wir noch ansprechen, denn es können keine relevanten Fakten vorgetragen, die diesen Glaubwürdigkeitsverlust wirklich begründen. Jan Plagge, seit 2011 Präsident von Bioland, muss sich an der Stelle fragen lassen, ob er vorher nachgedacht hat, wie ein solches Zitat in einem Spiegel-Artikel auf potenzielle Bio-Kunden wirken muss. Indirekt unterstützt er ein Bild des Ökolandbaus, das auch für Bioland-Betriebe nicht wirklich vorteilhaft ist. Insofern wird er an dieser Stelle vorgeführt – etwas, was bereits seinem Vorgänger Thomas Dosch 2009 mit den Redakteuren von ARD-Panorama passierte. Der Umgang mit der Presse, und speziell mit dem Spiegel scheint mitunter tückisch!

Zum Begriff Betrug

Der Begriff „Bio-Betrug“ erscheint im Titel und nur zur Erinnerung: Betrug ist ein Straftatbestand, der mit Gefängnis bestraft wird. Im Zusammenhang mit dem Ökolandbau ist der Begriff „Bio-Betrug“ allerdings dick aufgetragen: Es gibt Hinweise darauf, dass die Firma Bio-Sol in Spanien – eine Firma, die Bio-Tomaten produziert – die Mitarbeiter nicht gut bezahlt. Das ist nicht schön, aber Bio-Sol ist bestimmt nicht das einige Unternehmen in Europa, das Mitarbeiter schlecht bezahlt. Und es ist eben kein „Betrug“. Des weiteren wird darüber berichtet, dass es gegen 330 Landwirte Vorermittlungen wegen zu hoher Belegung von Geflügel-Ställen gibt. Es ist unklar, ob dies Bio-Betriebe sind oder konventionelle und was diese Vorermittlungen ergeben haben. Es wird Betrug suggeriert, ohne dass einer dieser Fälle wirklich justiziabel wäre. Der Artikel bringt nur einen einzigen Fall eines Betrugs. Ein weitere Fall war der Betrug im Verband Naturland 2013, insofern könnte man diesen Betrugsfall dazu addieren.

Ein Forschungsprojekt der Universität Hohenheim EcoCert beschäftigte sich mit den Bio-Kontrollen. Eine aktuelle Publikation von Gambelli et al. (2014) in Food Policy zeigt, dass bei den untersuchten Kontrollen in Deutschland und Italien in den Jahren 2007 bis 2009 97 %-98 % der Fälle ohne schwere Verstöße abliefen. Lediglich in 9 (neun) Fällen kam es in Deutschland zu einem Vermarktungsverbot. Eine weiteres Workingpaper von Gambelli et al. (2012: S.12) zeigt, dass auch in anderen europäischen Staaten weniger als 3 % aller Kontrollen „schwere Verstöße“ gegen die Richtlinie feststellen konnte. Dies belegt, dass die Öko-Kontrollen eigentlich insgesamt doch ganz gut funktionieren. Es wäre sinnvoll gewesen, in einem Artikel, in dem es um angeblichen Betrug im Ökolandbau geht, diese Studie zu erwähnen. Das hätte allerdings die Luft aus dem Artikel herausgelassen. Wir halten fest, dass das Magazin mit dem Begriff „Betrug“ titelt auf der Basis eines einzigen Betrugsfalles. Man muss der Spiegel-Redaktion schon sehr wohl gesonnen sein, um diesen Titel nicht für Stimmungsmache zu halten.

Zur Rolle der Anbauverbände

Auch andere Fakten sind nicht gut recherchiert: Laut Spiegel hat die Bedeutung der Bio-Anbauverbände abgenommen, weil „die Zahl der Betriebe, die keinem Verband angeschlossen sind“ angestiegen ist. Richtig, nur die Verbandsbetriebe sind eben auch angestiegen, was die Autoren nicht wissen oder nicht erwähnen. Die folgende Abbildung zeigt den Anteil von Verbandsbetrieben und EU-Biobetrieben seit 1994:

Anteil der Verbandsbetriebe 1994 - 2013

Anteil der Verbandsbetriebe 1994 – 2013 in %

Aus der Abbildung wird deutlich, dass seit 2008 der Anteil der EU-Biobetriebe konstant bei 47% liegt. Die Darstellung im Spiegel ist somit falsch.

Nun kann man das Thema sehr viel langfristiger betrachten: Daher befragte Spiegel zusätzlich eine der ausgewiesenen Bio-Expertinnen, Ruth Bartel-Kratochvil, eine Wissenschaftlerin und Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Wien, Österreich, die sich mit dem Thema seit Jahren beschäftigt. Sie sagt „Die Bedeutung der Anbauverbände als Träger der ideellen Basis droht zu schwinden.“ Richtig ist: Mit Einführung der EU-Ökoverordnung 1992 haben die Anbauverbände die Deutungshoheit über das Konzept Ökolandbau teilweise an die EU abgegeben.

Allerdings sind die Verbände weiterhin deutlich sichtbar. So zeigt eine repräsentative Studie von Forsa von 2014, dass Demeter bei vielen Deutschen Verbrauchern als Marke bekannt und beliebt ist. Auch Bioland gehört laut einer Studie von Emnid von 2012 zu den bekanntesten Umwelt- und Soziallabeln in Deutschland. Zumindest was Marketing angeht stehen die Bioverbände sehr gut da.

Aber auch der Einfluss der Verbände auf politische Entscheidungen ist weiterhin gegeben: So arbeitet die EU-Kommission bereits seit ca. 2 Jahren an einer Totalrevision der EU-Ökoverordnung. Eine Entwurfsversion der Verordnunung wurde im März 2014 veröffentlicht und stieß bereits vorab auf Ablehnung der Anbauverbände, die stattdessen für eine moderate Überarbeitung plädierten (vgl. Kritik des BÖLW 2014). Im Laufe des Jahres schlossen sich immer mehr Landesminister und am Ende auch Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt dieser Kritik an (vgl. PM des BMEL vom 16.10.2014). Insofern kann man nicht sagen, dass die Anbauverbände keinen Einfluss als Träger der Idee mehr hätten. Der vom Spiegel erweckte Eindruck ist meines Erachtens nicht zutreffend.

Und wieder die Bio-Importe…

Und es sind auch hier wieder die Bio-Importe, die als „Krisensymptom“ herhalten müssen: So seien die Bioimporte bei Getreide „um 37 % angestiegen“. Leider sind die aktuellen Bio-Importzahlen der Agrarmarkt Information mbH in Bonn (abgesehen von einer Pressemitteilung vom 13.05.2014), nicht frei verfügbar, sonst würde schon ein Blick in die Details diese Zahl relativieren. Der Anteil der Getreide-Importe lag 2009 bei 15 %. Angesichts der guten Ernte 2009 ist dieser eher niedrige Wert nicht erstaunlich. Bei der nächsten Erhebung der Agrarmarkt Informiert mbH Bonn stieg dieser Wert im Jahr 2012 auf 17 % an. Dies wäre ein Anstieg um 2 %-Punkte. Berücksichtigt man die Rekordernte von 2009, so ist dieser Anstieg nicht ungewöhnlich. Man könnte auch an der Stelle erwähnen, dass die Importe z.B. bei Eiern und Fleisch im selben Zeitraum zurückgegangen sind , aber das soll hier nicht der Hauptkritikpunkt sein.

Für mich stellt sich zunächst die Frage, was ist die Konsequenz aus dieser Erkenntnis sein soll. Sollen wir den Landwirten in Rumänien verbieten, Ökogetreide anzubauen? Sollen wir aus der EU austreten und uns wieder zu 100 % selbst mit Biogetreide beliefern? Meinetwegen, aber woher bekommen wir dann unsere Kleidung, wer liefert unsere Möbel wenn nicht IKEA, wer stellt in Deutschland unsere Smartphones her und vor allem wie teuer werden all diese Produkte dann sein? Und wohin sollen wir unsere Autos, Traktoren und Maschinen liefern? Handel ist die Ursache für unserem Wohlstand, aber wir können dann nicht einen Wirtschaftsbereich aussparen, weil wir in diesem Bereich Netto-Importeur sind. Im übrigen werden Öko-Lebensmittel auch exportiert, was in Deutschland Arbeitsplätze in der Biobranche schafft und erhält. Auch dies erwähnt der Artikel nicht.

Importe sind auch im ökologischen Landbau erlaubt und für manche Produkte auch notwendig. Die Umweltwirkung entfaltet die ökologische Wirtschaftsweise auch in Rumänien, des weiteren gibt es gut etablierte Vermarktungsstrukturen, bei denen genau diese regionale Vermarktung gut funktioniert. Dies ignoriert der Artikel. Es ist grundsätzlich die Frage, ob wir als Konsumenten lieber regionale Produkte kaufen wollen. Im Supermarkt ist die Herkunft auch von Ökolebensmitteln gekennzeichnet und wir können auch Ökoprodukte aus der Region kaufen. Ulrich Hamm empfiehlt zu Recht eine Professionalisierung der Vermarktung in Naturkostläden in Richtung regionaler, qualitativ hochwertiger Produkte, die von kompetenten Verkäuferpersönlichkeiten vermarktet werden. Viele Naturkostläden gehen genau in diese Richtung und ca. 30 % der Bio-Umsätze werden zumindest teilweise in solchen Vermarktungsstrukturen erzielt. Der Artikel ist in diesem Punkt nicht richtig durchdacht und wiederholt nur die Argumente, die bereits in anderen Artikeln von Welt, Süddeutsche und FAZ von Anfang 2014 auch schon nicht richtig waren.

Und nochmal die Pachtdiskussion…

Einige Probleme des Ökolandbaus wie die durch Biogas-Förderung verursachten steigenden Pachtpreise sind zwar teilweise richtig dargestellt, aber nicht besonders neu. Einzelschicksale wie das von Paul Nennecke – der Bio-Landwirt aus Schleswig-Holstein, der aufgrund von verlorenem Pachtland aufgeben muss – lassen auch mich nicht kalt. Das ist schlimm und zeigt die politische Fehlsteuerung im Biogas-Sektor. Leider versäumen es die Redakteure, darzustellen, dass die Ökoprämie nicht nur in Bundesländern mit Grüner Regierungsbeteiligung, sondern in fast allen Bundesländern in den letzten Jahren angehoben wurden und werden. Dies sollte Nachteile am Pachtmarkt zumindest in einigen Regionen etwas ausgleichen.

Allerdings ist der Pachtpreis nicht nur von der Nachfrage durch Biogas-Betriebe bestimmt, sondern auch durch andere Faktoren wie Bodenfruchtbarkeit. Eine Studie von De Ponti et al. (2012) in Agricultural Systems zeigt, dass auf besonders fruchtbaren Böden, der Ertragsabstand von öko zu konventionell besonders hoch ist. D.h. wenn die Pacht hoch ist, ist eine ökologische Bewirtschaftung sehr teuer und Landwirte, die ökologisch wirtschaften stehen vor besonderen Herausforderungen. Besonders hohe Pachtpreise in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen korrespondieren mit guten Ackerstandorten und in diesen landwirtschaftlichen Gunstregionen wirtschaften auch weniger Ökobetriebe. Es ist insofern etwas komplexer als der Spiegel es darstellt. Gleichzeitig ist der Druck auf dem Pachtmarkt nicht überall gleich hoch, d.h. es gibt Regionen, wo diese Probleme nicht ganz so drastisch sind.

Zum Thema Glaubwürdigkeit: Markt und Ökolandbau

Die interessante Frage ist, wer sich beim Lesen dieses Artikels genüsslich zurück gelehnt hat, um sich zu sagen, „jaja, der Ökolandbau! Ich habe es ja schon immer gewusst: Die Idee taugt nichts und es wird nur gelogen und betrogen“. Es gibt mit Sicherheit einige Menschen, die das Konzept Ökolandbau nicht mögen und es gibt auch Leute, die halten Ökoprodukte für Luxus. Richtig ist, dass Ökoprodukte teurer sind, da mit Ihnen externe Effekte vermieden werden. Niemand ist gezwungen, Öko-Produkte zu kaufen, aber es liegen nur sehr wenige Fälle von Betrug vor, insofern ist der Titel „Bio-Betrug“ irreführend und keine Begründung für einen Glaubwürdigkeitsverlust. Der Ökolandbau unterliegt ähnlichen Marktmechanismen wie die konventionelle Landwirtschaft, das wissen die Betriebsleiter und Akteure am Markt. Haben die Redakteure des Spiegel geglaubt, man könnte mit einer Landbau-Methode die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus schnell mal aushebeln? Bei jedem anderen politischen Thema zeigt sich der Spiegel in Wortwahl und Analyse zynisch und bissig, nur hier argumentiert die Autoren wie Alice im Wunderland?

Im Spiegel klingt dies so: „Die Ökobranche, einst Hoffnungsträger für eine ressourcenschonende Landwirtschaft, lief mit Volldampf in die Konventionalisierungs-Falle“. Was genau Konventionalisierung ist, wird nicht definiert (interessantes Thema!). Im Spiegel-Artikel wird dagegen als Beleg für diese Entwicklung die Aktiengesellschaft KTG Agrar angeführt, die in Ostdeutschland und Litauen 39.000 ha bewirtschaftete und davon 20.000 ökologisch. Aber verliert der Ökolandbau deshalb an Glaubwürdigkeit? Man sollte mal die Zahl der Aktiengesellschaften in Deutschland durchzählen und dann schauen, wer ansonsten noch so alles mit „bösen Heuschrecken-Strukturen“ arbeitet. Das Thema große Agrarinvestoren in Ostdeutschland, v.a. in Mecklenburg-Vorpommern, die am Bodenmarkt tätig sind, ist kontrovers (vgl. Bodenpolitik in Ostdeutschland). Große Betriebe sind insofern kein exklusives Problem des Ökolandbaus. Eine vernünftige Darstellung des Themas Konventionalisierung wäre eigentlich interessant und sinnvoll, in dem Artikel misslingt dies leider vollkommen. Und wer über den Kapitalismus im Allgemeinen diskutieren will, sollte dies vielleicht nicht als erstes am Thema Ökolandbau festmachen.

Fazit

Journalismus muss zuspitzen und für ein Thema ist idR. wenig Platz in einer Zeitung. Trotzdem brauchen wir für eine rationale Agrardebatte eine sachlich korrekte und abgewogene Agrarberichterstattung, die weder die Linie des Bauernverbandes glorifiziert, noch irreführende Bilder zum Thema Landwirtschaft und Ökolandbau im Speziellen entwirft. Erst, wenn die Bürger die Realität in der Landwirtschaft verstehen, können sie beurteilen, ob die Politiken in Brüssel, Berlin und den Landeshauptstädten effizient und zielgerichtet sind. Es gibt noch Zeitungen, die einen Fachredakteur für Agrarfragen haben und deren Berichterstattung entsprechend kenntnisreich ist. Hier sind positiv hervorzuheben Carola Böse-Fischer von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) oder Jost Maurin von der Tageszeitung. Es reicht eben nicht, wenn man als Journalist ab und zu aufs Land fährt und staunt.

Mich ärgert an dieser Art von Artikeln, dass sie vermutlich den einen oder anderen Bio-Landwirt verunsichern, die diese Prozesse nicht kontrollieren können und andererseits gute Arbeit leisten. Diese Art der Berichterstattung stellt die Ziele des Ökolandbaus und die Realität der Betriebe falsch dar und diskreditiert die Idee der ökologischen Landwirtschaft!

Quellen:

Gambelli, D., Zanoli, R., Solfanelli, F., Dabbert, S., Lippert, C. and Zorn, A. 2012. Modelling of Certification Systems – Report on economic modelling results and actions to increase efficiency and costs effectiveness of inspection procedures, Report D 20 of the research project ‘Economic Analysis of Certification Systems in Organic Food and Farming (CERTCOST)’, University Hohenheim.

Gambelli, D., F. Solfanelli, R. Zanoli, A. Zorn, C. Lippert und S. Dabbert (2014): Non-compliance in organic farming: A cross-country comparison of Italy and Germany, Food Policy, 49 (2): pp. 449–458, doi:10.1016/j.foodpol.2014.05.012

Öko-Prämie erhöht in Bayern, Sachsen und Thüringen

16. November 2014

Während wir von 2011-2013 in einigen Bundesländern Erhöhungen der Ökoprämie beobachten konnten, die hauptsächlich durch Wechsel in den Landesregierungen bedingt waren, stellen wir dieses Jahr fest, dass mit der Einführung der Entwicklungsprogramme für Ländliche Entwicklung (EPLR) 2015-2020 andere Bundesländer nachziehen und zwar unabhängig von Parteizugehörigkeit. Unterstützt wird diese Entwicklung von einem Beschluss der Planungskommission für die Gemeinschaftsaufgaben Agrarstruktur und Küstenschutz (Planak) (vgl. Bund und sowie mehrerer Bundesländer kündigen Erhöhung der Öko-Förderung an von 09.09.2014). Die Kommission legt fest, in welcher Höhe der Bund die Länderprogramme kofinanziert. Hierbei wurde eine deutliche Erhöhung der Prämien für den Ökolandbau beschlossen. Dies ist für die Länder wichtig, da der Bund bis zu 60% des nationalen Prämienanteils kofinanziert. Auf dieser Basis haben aktuell drei weitere Bundesländer (BY, SN und TH) die Prämien für ökologische Wirtschaftsweise erhöht. Interessant ist dabei, dass die Erhöhung nicht immer bekannt gegeben wird:

In Bayern gab das Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten per Pressemitteilung am 03.11.2014 bekannt: Brunner verbessert Bio-Förderung deutlich. Die Anhebung der Prämie soll lt. Minister Helmut Brunner (CSU) „der Ökoproduktion im Freistaat neuen Schwung verleihen“. Wie in anderen Bundesländern ist die Prämienerhöhung mit einer Reihe andere Maßnahmen verbunden, hierbei wäre vor allem die Einführung von einer zweiten Fachschule für ökologischer Landwirtschaft in Weilheim zu nennen, sowie anderen Bildungs- und Forschungsmaßnahmen wie der Einrichtung eines Öko-Kompetenzzentrums.

In Sachsen ist man im Moment mit Regierung-wechseln beschäftigt: Stanislav Tillich hat mit der SPD einen neuen Koalitionspartner, das Ministerium für Landwirtschaft verbleibt jedoch bei der CDU. Daher vermeldet das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft diese Woche den Ministerwechsel von Frank Kupfer zu Thomas Schmidt (CDU): dieser möchte die erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Die Förderung des Ökolandbaus wird ab 2015 auch erhöht, allerdings muss man lange suchen, bis man der Erhöhung auf die Spur kommt. Mit der Einführung des Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2014-2020 wird die Beibehaltungsprämie im Acker- und Grünland von 204 €/ha auf 230 €/ha erhöht wird. Den Hinweis darauf findet man im Entwicklungsprogramm auf Seite 485. Das Programm wird (wie die Programme andere Länder auch) bei der EU-Kommission geprüft.

Das Bundesland Thüringen hat ebenfalls ein Programm zur Weiterentwicklung und Stärkung des Ökologischen Landbaus (ÖLB) in Thüringen angekündigt (ÖkoKomPakt). Im aktuellen KULAP 2015 findet man auf S.52 die Erhöhung der Beibehaltungsprämie auf 210 €/ha, die Erhöhung der Umstellungsprämie war bereits Anfang des Jahres angekündigt worden.

Fehlt noch das Saarland, wo sich in den letzten 3 Jahren bisher nichts geändert hatte. Hier habe ich bisher nichts gefunden, ich rechne allerdings auch mit einer Erhöhung. Auf der Seite des Ministeriums  für Umwelt und Verbraucherschutz (auch zuständig für Landwirtschaft) kann man in einer Pressemitteilung vom 14.11.2014 lesen: „Minister Jost begrüßt das Engagement der SPD-Bundestagsfraktion zur Stärkung des Ökolandbaus. Insofern wäre eine Erhöhung nicht vollkommen überraschend, vermutlich wird das Saarland in den nächsten Monaten nachziehen. Hier ist eine aktualisierte Tabelle der Prämien-Änderungen, die beispielhaft an der Beibehaltungsprämie im Ackerbau dargestellt ist. (Die Prämien für Dauerkultur, Gemüsebau und Obstbau weichen davon teilweise deutlich ab!)

Tabelle: Übersicht über die Änderung der Beibehaltungsprämien in den Bundesländern 2012-2014

Bundesland Prämie für  Ackerland €/ha Anlass der Änderung
vor 2011 Erhöhung
Bayern 200 € 273 € Erhöhung ab 2014 mit Einführung des Programms für ländliche Entwicklung 2015-2020.
Sachsen 204 € 230 € Erhöhung ab 2014 mit Einführung des Programms für ländliche Entwicklung 2015-2014.
Thüringen 170 € 210 € Erhöhung der Beibehaltungsprämie mit KULAP 2015
Baden-Württemberg 190 € 230 € Erhöhung ab 2014 mit Einführung des Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) 2015-2020.
Niedersachsen 137 € 200 € Mai 2013, Amtsantritt Rot-Grün, C. Meyer (Grüne) kündigt weitere Erhöhung für 2014 an.
Schleswig-Holstein 137 € 180 € Juni 2012, Amtsantritt Rot-Grün
Nordrhein-Westfalen 180 € 180 € Umstellungsprämie erhöht ab 2011, Amtsantritt Rot-Grün
Rheinland-Pfalz 140 € 175 € Umstellungsprämie höher ab 2011, Amtsantritt Rot-Grün
Hamburg 137 € 170 € 2012, Amtsantritt SPD
Sachsen-Anhalt 200 € 230 € Hermann Onko Aeikens (CDU) kündigt im Febr. 2014 kündigt Erhöhung der Prämie an.
Meck-Pomm 150 € 180 € Till Backhaus (SPD) kündigt 2014 Erhöhung an, geänderte politische Priorität.
Brandenburg 137 € 210 € Vogelsänger (SPD) kündigt 178 Mio. € für den Ökolandbau ab 2015 an.
Hessen 170 € 260 € Priska Hinz (Grüne) kündigt 2014 Ökoaktionsplan an.
Saarland 145 € 145 € Immer noch keine Änderung bekannt…

Quelle: Eigene Erhebung, Kenntnisstand 16.November 2014

(Die letzte vollständige Übersicht habe ich im Juli und September 2014 erstellt, die aktuellen Prämienänderungen von Juli bis November 2014 stehen oben in der Tabelle. Wenn jemand neue Informationen hat, gerne melden!)

Bund und sowie mehrerer Bundesländer kündigen Erhöhung der Öko-Förderung an

9. September 2014

Auf einer gemeinsamen Sitzung der Agrarminister der Länder und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) wurde am 21.08.2014 eine Erhöhung des GAK-Förderrahmens für den Ökolandbau und verschiedene Agrar-Umweltmaßnahmen beschlossen. Der Rahmenplan sieht eine Anhebung der Beibehaltungsprämie für Acker- und Grünland von 170 €/ha (2013) auf 210 €/ha ab 2015 vor. Die Bundesländer können mit besonderer Begründung von diesen Prämienvorgaben 20% nach oben und 30% nach unten abweichen. Ganz allgemein ist die Agrarpolitik zunächst Aufgabe der EU sowie der Bundesländer, allerdings beteiligt sich der Bund im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) nach ART 91a Grundgesetz an den Kosten und legt daher auch gemeinsam mit den Ländern die Richtlinien für die Förderung in der II. Säule fest. Die EU legt den Förderrahmen der II.Säule über die Programme für Ländliche Entwicklung (ELER) 2014-2020 fest, die Bundesländer müssen diese Programme ausgestalten und gleichzeitig die Kofinanzierung des Bundes über die GAK nutzen. Daher arbeiten die meisten Landesministerien bereits seit 2013 an den Programmen.

Stoppelfeld bei 'Gut Papenhausen' Bad Salzuflen, Kreis Lippe \\(Foto von Wolfgang Meier)

Stoppelfeld bei ‚Gut Papenhausen‘ Bad Salzuflen, Kreis Lippe (Foto von Wolfgang Meier)

Von dem Beschluss ist auch der Ökolandbau positiv betroffen, der bei der letzten Neuausrichtung von ELER in 2006/07 starke Kürzungen hinnehmen musst und in dieser Runde aus verschiedenen Gründen wohl besser gestellt wird. So wurde beschlossen, dass die Fördersätze (bei Förderung durch den Bund) um bis zu 45% angehoben werden dürfen. In 2013 wurden 368,5 Millionen Euro EU-Mittel an Ökobetriebe gezahlt, ab 2015 soll die finanzielle Grundlage der Ökoförderung laut BMEL um 24% insgesamt erhöht werden, die konkrete Ausgestaltung wird dabei von den Landesministerien vorgenommen und einige Ministerien hatten bereits in der ersten Jahreshälfte eine Erhöhung der Ökoprämien angekündigt.  Auch der Landwirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) hat Ende August 2014 (nach 2011) eine erneute Erhöhung der Flächenprämien ab 2015 für den Ökolandbau in NRW angekündigt. Die Prämien liegen bei einer Beibehaltung der ökologischen Bewirtschaftung im Ackerland bei 260 €/ha (statt bisher 180 €/ha) und bei Beibehaltung der ökologischen Grünland-Bewirtschaftung bei 220 €/ha (statt 170 €/ha).

Auch das Land Baden-Württemberg hat in der Zwischenzeit einen neuen „Aktionsplan Ökolandbau“ angekündigt und die Prämien im Rahmen des „Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) 2015-2020“ die Beibehaltungsprämien für ökologische Bewirtschaftung auf Ackerland und Grünland von 190 €/ha auf 230 €/ha erhöht. Eine Kurzübersicht über alle Maßnahmen von FAKT findet sich hier: Kurzübersicht Maßnahmen im FAKT. Das Land Rheinland-Pfalz hat in einer Pressemitteilung am 07.07.2014 eine Erhöhung der Prämien in Acker- und Grünland von 175 €/ha auf 200 €/ha angekündigt. Und auch Niedersachsen hat in seinem neuen Agrarumweltprogramm 2015-2020 die Beibehaltungsprämien erneut von 200 auf 234 €/ha erhöht und das Land Sachsen-Anhalt hat die Prämien auf Acker- und Grünland-Flächen auf 230 €/ha erhöht. Der Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens (CDU) hatte diese Erhöhung bereits im Februar 2014 angekündigt. Der Minister für Umwelt in Schleswig-Holstein, Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) hat eine Erhöhung in einer Pressemitteilung vom 08.07.2014 die Erhöhung der Öko-Prämien in Ackerland und Grünland von auf 180 €/ha auf 234 €/ha angekündigt. In Mecklenburg-Vorpommern steigen die Prämien von 135 €/ha auf 180 €/ha, in Hessen auf 260 €/ha.

Über die Ausgestaltung der Förderung nach 2015 liegen aktuell nur noch aus Bayern, Sachsen, Thüringen und dem Saarland keine konkreten Informationen zu Förderprämien vor.

2007 waren die Prämien in allen Bundesländern insgesamt um ca. 12%  gesenkt worden (eigene Berechnung).  Ein Grund für die aktuelle Erhöhung dürften unter anderem die seit 2007 deutlich gestiegenen Pachtpreise sein, die von Landkäufen und der Förderung durch das EEG getrieben sind. Die Biogas-Förderung durch das EEG kommt Ökobetrieben selten zu gute, da nur auf 120 Ökobetrieben in 2012 eine Biogas-Anlage steht, was ca. 2% aller Biogas-Anlagen ist. Daher ziehen Ökobetriebe häufig bei Vertragsverlängerungen und Neupachten den kürzeren, so eine Studie von Katja Rudow und Hans Kögl von der Universität Rostock:  So berichteten ein Drittel von 400 befragten Ökobetrieben von Problemen bei Pachtverlängerung und Neuverpachtung aufgrund von gestiegenem Wettbewerb am Bodenmarkt. Weiterhin spielen bei der Verpachtung immer noch sog. Vorbehalte der Verpächter gegenüber dem Anbausystem Ökolandbau eine Rolle, was die Situation der Ökobetriebe erschwert. Und die Probleme sind regional unterschiedlich (siehe S.70 der Studie). Insofern ist zu erwarten, dass auch die Bundesländer, die noch keine Erhöhung angekündigt haben, nachziehen. Wir bleiben dran!

Erneut aktualisiert am 11.09.2014, S.L.

 

Brandenburg vollzieht Kehrtwende bei Öko-Förderung

9. Juli 2014

Die Fehlentwicklung bei der Ökoförderung seit 2007 wird nun teilweise auch in einigen Bundesländern weiter korrigiert: Mit der Neu-Konzeption der Programme der II. Säule (Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums ELER) für die Periode 2014-2020 haben fast alle Landesministerien für den Ökolandbau Prämienerhöhungen angekündigt, allerdings fällt die Änderung für den Ökolandbau nicht immer überzeugend aus.

Storch in Brandenburg

Storch in Brandenburg 2011

Der Landwirtschaftsminister von Brandenburg, Jörg Vogelsänger (SPD) hat im Mai angekündigt, in der ELER-Förderperiode 2014-2020 den Ökolandbau mit 178 Mio. EUR fördern zu wollen. Dies bedeutet eine Steigerung von 63 Mio. € gegenüber der vorherigen Periode 07-13 (Vgl. Agra-Europe vom 19.Mai 2014). Es soll eine einheitliche Prämie für Ackerland und Grünland von 210 €/ha geben, für Gemüse und Dauerkultur sind höhere Fördersätze vorgesehen. Dies stellt eine Kehrtwende der Brandenburger Agrarpolitik dar, die bisher bei der Förderung des Ökolandbaus (wie auch in anderen Bereichen wie FFH) bisher extrem zögerlich agierte. So wurden in den letzten Jahren die Neuverträge für die Ökoförderung ausgesetzt. Mit dem angekündigten Schritt würde Brandenburg die höchste Flächenprämie in Ostdeutschland zahlen, was angesichts der besseren Standortbedingungen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt erstaunlich ist. In Brandenburg werden 10,9% der Landesfläche ökologisch bewirtschaftet, Brandenburg liegt seit den 1990er Jahren an der Spitze der Flächenausdehnung des Ökolandbaus, allerdings mit stagnierender Tendenz in den letzten Jahren.

Die Hessische Ministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) hat Anfang Juli einen Aktionsplan Ökolandbau vorgestellt und eine deutliche Anhebung der Öko-Prämie von 170 €/ha auf 260 €/ha für Ackerbau und von 170 €/ha auf 190 €/ha im Grünland angekündigt. Auch Prämien für Gemüsebau und Dauerkulturen werden erhöht, daneben umfasst der Aktionsplan Vermarktungshilfe für Ökobetriebe und eine Ausrichtung der Agrarinvestitionsprogramme an Tierwohl.

Fehlt noch Thüringen: Hier arbeitete die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft seit 2011 an der Neu-Konzeption von ELER.  Thüringens Agrar- und Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) kündigte am 27.06.2014 an, die Umstellungsprämien um immerhin 30 €/ha zu erhöhen. Die Beibehaltungsprämie bleibt nach dieser Information jedoch auf dem bisherigen Niveau von 170 €/ha. Ziel des Ministeriums ist es, den Anteil des Ökolandbaus von derzeit 4,6% auf 10% zu steigern (!). Es ist allerdings unklar, worin nach Abschluss der Umstellungsphase die neue Anreizkomponente bestehen soll, zumal die Kosten für die Betriebe etwa auf dem Pachtmarkt (wie bereits auf dieser Seite geschildert) seit vielen Jahren ansteigen und Ökobetriebe auf dem Pachtmarkt Probleme haben. Eine an Kosten orientierte Prämie müsste somit (theoretisch!) erhöht werden. Dass Thüringen mit dieser Maßnahme seine ehrgeizigen Ziele damit erreichen wird, erscheint wohl fragwürdig.

Übersicht über die Änderung der Prämien in den Bundesländern 2012-2014

Bundesland Prämie für Beibehaltung Ackerflächen Anlass der Änderung
Prämie vor 2011
(EUR/ha)
Erhöhte Prämie
(EUR/ha)
Niedersachsen 137 € 200 € Mai 2013, Amtsantritt Rot-Grün, Christian Meyer (Grüne) kündigt weitere Erhöhung für 2014 an.
Schleswig-Holstein 137 € 180 € Juni 2012, Amtsantritt Rot-Grün
Nordrhein-Westfalen 180 € 180 € Umstellungsprämie erhöht ab 2011, Amtsantritt Rot-Grün
Rheinland-Pfalz 140 € 175 € Umstellungsprämie höher ab 2011, Amtsantritt Rot-Grün
Hamburg 137 € 170 € 2012, Amtsantritt SPD
Sachsen-Anhalt 200 € 230 € Hermann Onko Aeikens (CDU) kündigt im Febr. 2014 kündigt Erhöhung der Prämie an.
Meck-Pomm 150 € 180 € Till Backhaus (SPD) kündigt 2014 Erhöhung an, geänderte politische Priorität.
Brandenburg 137 € 210 € Jörg Vogelsänger (SPD) kündigt 178 Mio. € für den Ökolandbau ab 2015 an.
Hessen 170 € 260 € Priska Hinz (Grüne) kündigt 2014 Ökoaktionsplan an.
Bayern 210 € 200 € angehoben in 2009, aktuell abgesenkt, möglicherweise Änderungen 2014.
Baden-Württemberg 190 € 190 € keine Änderung mit Grün-Rot
Saarland 145 € 145 € keine Änderung bekannt
Sachsen 204 € 204 € keine Änderung bekannt
Thüringen 170 € 170 € keine Änderungen bei Beibehaltungspräme, Anhebung Umstellungsprämie um 30€/ha

Quelle: Eigene Erhebung, Kenntnisstand 7.Juli 2014
(ggf. Ergänzungen erwünscht!)

Zur angeblichen Krise im Ökolandbau – ein Kommentar

28. April 2014

Ein Artikel von Jost Maurin von der Taz über die Wirtschaftlichkeit des Ökolandbaus rüttelte diese Woche die Akteure des Ökomarktes auf: Glaubt man dem Artikel, so stagnieren die Biopreise angeblich, der Preisabstand zwischen ökologischen und konventionellen Produkten sei geringer geworden. Andererseits steigen die Landpreise im Moment drastisch, so dass viele Biobetriebe im Moment wirtschaftlich um’s Überleben kämpfen. Daher können man im Moment viele Rückumsteller beobachten, als Beispiel nennt der Artikel einen 1.000 Hektar-Betrieb in Ostdeutschland. In eine ähnliche Richtung argumentierte ein Fernsehbeitrag von ARD Plusminus vom 23.04.2014.

Aus fachlicher Sicht werfen beide Beiträge Fragen auf. Daneben fällt auf, dass an vielen Stellen nicht ausreichend ins Detail gegangen wird. So verweist der Artikel auf die Berechnungen, die der Kollege Dr. Jürn Sanders seit vielen Jahren am Thünen-Institutes für Betriebswirtschaft in Braunschweig dankenswerterweise durchführt (Sanders 2013). Die auf der Basis des landwirtschaftlichen Testbetriebs-Netzes berechneten Durchschnittsgewinne zeigen, dass in 2012/13 die Gewinne der Ökobetriebe im Durchschnitt unter den Gewinnen der konventionellen Vergleichsbetriebe lagen.

Sieht man sich die Rohdaten genau an (Abb.1), fällt zunächst mal auf, dass dies an sprunghaft angestiegenen Gewinnen im konventionellen Landbau liegt.

Entwicklung des Gewinns plus Personalaufwand je AK in ökologischen und vergleichbaren konventionellen Betrieben (mit und c.p. ohne Ökoprämie)

Abb.1: Entwicklung des Gewinns plus Personalaufwand je AK in ökologischen und vergleichbaren konventionellen Betrieben (mit und c.p. ohne Ökoprämie), Sanders 2013

Die Darstellung von Sanders zeigt auch, dass Gewinne variieren und v.a. Milchbetriebe in 2011/12  im Durchschnitt niedrigere Gewinne erzielen, während bei konventionellen und ökologischen Ackerbau-Betrieben ein Gewinnsprung nach oben zu verzeichnen war. Ca. 43% aller ökologischen Ackerbau-Betriebe erzielen mindestens 10% höhere Gewinne als die konventionellen Vergleichsbetriebe, bei Milchviehbetrieben erzielen sogar etwa 49% aller Betriebe um 10% höhere Gewinne. Lediglich die Gemischbetriebe haben nur ca. 38% aller Betriebe um mindestens 10% höhere Gewinne. Dies zeigt zunächst, dass es weiterhin möglich ist, erfolgreich Biolandbau zu betreiben. Es gibt jedoch auch Betriebe, die nur noch ähnlich hohe Gewinne oder sogar deutlich niedrigere Gewinne als die konventionellen Kollegen erzielen. Und der Vergleich zu den konventionellen Kollegen ist dabei nicht unbedingt das Maß aller Dinge, es kommt für den Ökobetrieb zunächst darauf an, dass der eigene Gewinn absolut betrachtet nicht stark einbricht. Erst wenn dies der Fall wäre, wird ein Betrieb über Rückumstellung nachdenken. Die Gewinnkurve geht jedoch auch für Ökobetriebe leicht nach oben.

Fazit: Der beschriebene Trend ist nicht so wahnsinnig neu, denn die beschriebenen Fundamentaldaten (hohe Weltmarktpreise, hohe Pachtpreise) zeichnen sich in der Form bereits seit 2010 ab, aber scheinbar schreiben im Moment viele Journalisten darüber, dass sich Bio nicht lohnt.

Wie wird die angebliche Krise im Ökolandbau üblicherweise begründet? Einige Argumente sowie Erwiderungen:

1.) Der Preisabstand zwischen ökologischen und konventionellen Lebensmitteln sei enger geworden und daher lohne sich Ökolandbau nicht mehr. Dies lässt sich so nicht bestätigen, hier kommt es auf das einzelne Produkt an, sowie auf den Zeitraum den man betrachtet. Die folgende Abb. 2 zeigt beispielhaft die Entwicklung der Erzeugerpreise für konventionelles und ökologisches Backweizen.

Abb.2: Erzeugerpreise für konventionellen und ökologischen Backweizen 2009-2013 (AMI 2014a und 2014b)

Abb.2: Erzeugerpreise für konventionellen und ökologischen Backweizen 2009-2013 (AMI 2014a und 2014b)

Die Zeitreihe zeigt, dass der Preisabstand von 2009 bis 2010 etwas geringer geworden ist, was jedoch eher die „Normalisierung“ einer sehr dynamischen Marktentwicklung in 2009 darstellt. Ansonsten schwankt die Preisrelation saisonal zwischen 170% und 250%. Auch auf anderen Märkten (z.B. Kartoffeln, Milch) lässt sich keine dramatische Annäherung der Preise festzustellen, es sei denn man sieht sich Sonderfälle wie die Markt für Eier Anfang 2014 an, wo es ausgehend von einer Preisaktion von Aldi für konventionelle Eier auch eine preissenkende Wirkung auf den Preis für Bio-Eier gab.

Zum Thema Importe: Eine in dem Taz-Artikel geäußerte Ansicht, die „niedrigen Preise“ (die wir in der Preisgrafik allerdings nicht sehen können) lägen an dem Import von billigen Weizen aus der Ukraine, ist wohl eher als Einzelmeinung einzuordnen. Es ist natürlich eine Tatsache, dass der Import von günstigem Getreide aus der Ukraine, (sowie Osteuropa, Russland und Kasachstan) in Deutschland auf die Preise drückt. Dies trifft jedoch auch auf den konventionellen Anbau zu. Selbst wenn sich Importe verstärkt haben, was wäre die Konsequenz daraus? Und die in diesem Zusammenhang gelegentlich vertretene Meinung, ein stärkerer Außenschutz würde dem Biomarkt helfen, erscheint sehr fragwürdig (Deutschland ist selbst auf Exporte von Industrieprodukte angewiesen) und wäre außerdem im Rahmen der WTO ohnehin nicht durchsetzbar. Und Ökobetriebe haben immerhin die Möglichkeit, ihre Produkte mit dem Argument der Regionalität zu bewerben, da Öko-Kunden gleichzeitig auch auf Regionalität Wert legen. Das löst das Problem nicht, stellt aber zumindest für einige Öko-Betriebe eine mögliche Strategie dar, die auch bereits genutzt wird.

Fazit: Der Markt ist stabiler als in dem Artikel beschrieben, auch wenn sich die Marktsituation im Einzelfall für eine Ökolandwirtin evtl. kritisch darstellt.

2.) Bodenmarkt: Die Pacht und der Kauf von Boden habe sich in den letzten Jahren verteuert, was Ökobetriebe besonders hart trifft. Dies wird tatsächlich bereits seit 2009 so beobachtet. Die folgende Abbildung 3 zeigt exemplarisch die Entwicklung der Pachtpreise in Schleswig-Holstein:

Abb.3: Pachtaufwand in Schleswig-Holstein (Quelle: LWK Schleswig-Holstein, div. Jg.)

Auch diese Grafik zeigt einen sehr kontinuierlichen Anstieg der Pachtpreise, ähnliches lässt sich für andere Regionen sowie für den Bundestrend bei Pacht und Kauf von Boden zeigen. Ein wichtiger Teil der Problems ist hohe Biogas-Förderung im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), die die Landpreise ansteigen lässt. Biogas-Betreiber bekommen für einen langen Zeitraum Preise garantiert und können daher mit Einnahmen planen. Diese setzen diese Einnahmen in Pachten um. Biobetrieben betrieben selten Biogas-Anlagen, daher kommt ihnen die EEG-Umlage idR. nicht zu gute. (Herr Maurin wird mir da vermutlich auch zustimmen…). Daneben wird im Moment auch Investitionstätigkeit auf dem Landmarkt zu beobachten, die die Verlängerung von Pachtverträgen für Biobetriebe schwierig macht.

Fazit: Aber auch die problematische Entwicklung am Bodenmarkt gibt es seit vielen Jahren, Ökobetriebe müssen sich darauf einstellen. Im Einzelfall kann dies das Aus oder eine Rückumstellung für den Ökobetrieb bedeuten. Neu ist diese Entwicklung nicht.

3.) Politische Rahmenbedingungen: Die Probleme von Ökobetrieben sind in den fehlgesteuerten agrarpolitischen Rahmenbedingungen zu suchen, die (trotz Ökoprämien in der II. Säule) den Ökolandbau nicht wirklich bevorzugen. Weiterhin hat die GAP-Reform 2013 nicht dazu beigetragen, dass Fördermittel zielgerecht für umweltfreundliche Betriebe eingesetzt werden. Ein hohes Niveau (Greening hin oder her) führt dazu, dass man in der zweiten Säule dagegen „ansubventionieren“ muss, um überhaupt eine Lenkungswirkung zu erreichen. (Und dies fällt angesichts geringerer Mittel in der zweiten Säule  schwer.) Die regional etwas geringeren Umstellungsraten erklärt jedoch auch die aktuelle Bereitschaft einiger Landes-Agrarminister, dieses Jahr die Prämien für den Ökolandbau anzuheben (siehe dazu auch mein Artikel vom 17.April 2014).

Fazit: Es ist richtig, die politischen Rahmenbedingungen sind unter Umständen nicht so günstig für Ökobetriebe sind, wie dies manchmal dargestellt wird, da das EEG Ökobetriebe benachteiligt. Und die GAP hat weniger Lenkungswirkung für umweltfreundliche Bewirtschaftung, als man sich dies vielleicht wünschen würde. Allerdings kann die Frage, was die optimale und objektive Förderhöhe von Ökobetriebe ist, nicht rundheraus beantwortet werden. In der Förderpraxis orientiert sich dies häufig an den höheren Kosten der ökologischen Produktion, allerdings ist die Förderhöhe häufig auch politisch festgelegt. Die Kosten der ökologischen Produktion hängen natürlich auch mit dem allgemeinen Preisniveau zusammen, d.h. wenn es hohe Preise am Weltmarkt gibt, kosten auch die Inputs tendenziell mehr. Aber neu ist auch dieses Problem nicht!

Gibt es aktuell mehr Rückumsteller? Dazu liegen mir zunächst keine Informationen vor und die Erhebung von Zahlen dazu ist nicht einfach (vgl. Kuhnert et al. 2013). Wäre dies, wenn es so wäre, plausibel? In 2013 lief die alte Förderperiode von ELER aus, es könnte daher sein, dass vor Beginn der neuen Programm-Periode 2014/15 Landwirte verstärkt darüber nachdenken, ob sie die nächste Förderperiode als Ökobetrieb weitermachen, da man sich für mindestens fünf Jahre festlegt. Dies könnte Rückumstellungen erklären. Daneben ist 2013 die Ausnahme bei Anbindehaltung bei tierhaltenden Ökobetrieben ausgelaufen. Aber auch dies erklärt eigentlich keine massive Rückumstellung. Hier bin ich für Ergänzungen und Hinweise dankbar.

Schlussfolgerungen: Die angebliche Krise im Ökolandbau gibt es so zunächst nicht, dies ist mal wieder herbei geschrieben, scheinbar ohne besondere Kenntnis der Situation. Natürliche ist die Situation für einige Öko-Betriebe angespannt, und dies auch schon seit mehreren Jahren. D.h. wenn es mal Goldgräber-Jahre gab, dann sind diese lange vorbei. Für einzelne Betriebe wird es auch in Zukunft sinnvoll (und legitim!) sein, eine Rückumstellung vorzunehmen. Das ist nicht schön, aber das kommt auch in anderen Sektoren vor. Es reicht nicht aus, bei einer Umstellung auf Ökolandbau nur einfach auf Prämien und höhere Preise zu schauen, die Umstellung beinhaltet Lernkosten, das neue Anbausystem muss gelernt werden und ein Ökobetrieb muss sich seine Märkte neu suchen, was idR. nicht einfach ist.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Wirtschaftsunternehmen manchmal schwierige Marktsituationen vorfinden. Es ist zwar verdienstvoll, wenn Journalisten bei Taz und Plusminus auf die Probleme auf dem Biomarkt aufmerksam machen, die Probleme sind jedoch nicht neu, und eine Dramatisierung der Lage ist 2012/2013 nicht festzustellen. Manchmal lohnt eine differenzierte Betrachtung, es gibt nämlich auch weiterhin Öko-Betriebe, die nachhaltig gut verdienen.

Nachtrag am 01.07.2014: Jetzt ist auch die FAZ mit dem Artikel „Ökobauern in Not“ auf den Zug aufgesprungen und auch hier werden im Grunde Stereotypen wiederholt: Die Rückumsteller, die Bio-Importe, Der Pachtmarkt (EEG), der typische Landwirt, der aufgehört hat, die angeblich schlechteren Bio-Preise usw. usf. Diejenigen Entwicklungen auf dem Bio-Makrt, die richtig beschrieben sind, sind nicht besonders neu, und die angeblich neuen Entwicklungen, gibt es nicht oder sie sind nicht korrekt beschrieben. Es ist ärgerlich, wenn man nur reproduziert, was die Kollegen schreiben und den Experten nicht zuhört. Ich weiß auch nicht, ob Prof. Köpfe dem Ökolandbau mit seinem Zitat nicht einen Bärendienst erweist. Aber das muss er selbst wissen.

Quellen:

Maurin, Jost (2014): Biobauer lohnt sich nicht, Taz am 28.04.2014

Sanders, Jürn (2013): Analyse der wirtschaftlichen Lage ökologisch wirtschaftender Betriebe im Wirtschaftsjahr 2012/13. (leider nicht mehr online verfügbar, kann ich auf Nachfrage schicken)

Kuhnert, Heike, Gesine Behrens, Ulrich Hamm, Henriette Müller, Hiltrud Nieberg, Jürn Sanders und Renate Strom (2013): Ausstiege aus dem ökologischen Landbau: Umfang – Gründe – Handlungsoptionen, Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Braunschweig

Entwicklung des Ökolandbaus – Trends und Themen 2014

17. April 2014

Die Berichtssaison im Ökolandbau beginnt üblicherweise zur Biofach in Nürnberg, d.h. im Februar eines Jahres. Auch zur Biofach 2014 konnte wieder ein Zuwachs des Ökolandbaus in Deutschland zu vermeldet werden: Der Markt ist 2013 erneut um 0,5 Mrd. EUR (+7%) gewachsen, so dass jährlich ein Umsatz von etwa 7,55 Mrd. EUR mit ökologischen Lebensmitteln gemacht wird (BÖLW 2014). Damit ist der deutsche Biomarkt in absoluten Zahlen nach den USA (22,5 Mrd. EUR) weiterhin der zweitgrößte Biomarkt weltweit. In Europa werden in Frankreich (4,0 Mrd. EUR), Großbritannien (1,95 Mrd. EUR), Italien (1,84 Mrd. EUR) und der Schweiz (1,5 Mrd. EUR) viele Bioprodukte abgesetzt, wobei die Umsätze in Großbritannien im vierten Jahr in Folge zurück gegangen sind. Da der Gesamtmarkt für Lebensmittel in Deutschland in 2013 ebenfalls gewachsen ist, hat sich der Marktanteil der Biolebensmittel nur leicht erhöht auf ca. 3,9% des Gesamtumsatzes.

Wenn man sich die Details des Marktwachstums ansieht, so unterscheidet sich das Wachstum je nach Warengruppe: Kartoffeln, Obst und Gemüse hatten starke Zuwächse, die auf deutlich höhere Preise zurück zu führen waren. Trinkmilch, Fleischwaren/Wurst erzielten ebenfalls Zuwächse. Bei Fleisch, Eiern, Brot und Käse gingen dagegen sowohl die Preise wie auch abgesetzte Menge etwas stärker zurück. Betrachtet man die Kaufintensität für Bioprodukte, so zeigt sich, dass von den Flächenstaaten die Schweiz (189 EUR/Person), Dänemark (159), Österreich (127) und Schweden (95) europaweit die höchste Kaufintensität haben, während Deutschland mit 86 EUR/Person Europaweit nur den siebten Platz belegt (AMI 2014). Einen sehr detaillierten Überblick über die Marktentwicklung findet sich in der kostenpflichtigen AMI Marktbilanz Ökolandbau 2014, Auszüge davon finden sich jedoch auch in der Broschüre des BÖLW (Zahlen Daten Fakten 2013).

Die Ökologisch bewirtschaftete Fläche wuchs 2013 in einem eher schwierigen Umfeld um weitere 1% auf 1,04 Mio. ha. Auch die Zahl der Ökobetriebe nahm in 2013 um 2% auf 23.484 zu. In Deutschland werden aktuell 6,3% der Fläche ökologisch bewirtschaftet und 8,2% der landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften ökologisch. D.h. es zeichnet sich weiterhin ab, dass der Markt stärker wächst als die Produktion. Die folgende Abbildung zeigt die Zuwachsraten bei Markt und Produktion in Deutschland von 1994-2013:
Entwicklung Ökolandbau 94-2013

 

Der Umsatz mit Ökoprodukten wird erst seit 2000 erfasst. Es zeigt sich, dass mit Ausnahme der Jahre 2003, 2009 und 2010 das Marktwachstum größer war als der Zuwachs an Bioproduktion. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass ein Teil dieses Marktzuwachses durch einen Zuwachs an ökologischen Convenience-Produkten (Tiefkühl-Pizza etc.), d.h. durch einen höheren Verarbeitungsgrad erzielt wird. Andererseits zeigt eine aktuelle Studie der Agrarmarktinformation mbH aus Bonn, dass Bio-Importe in Deutschland eine wichtige Rolle spielt. Dies ist zunächst nicht überraschend, da Produkte wie Bananen oder Kaffee nicht hier produziert werden können. Allerdings liegt auch bei Getreide, einem Produkt das klassischerweise in Deutschland angebaut wird, der Importanteil bei etwa 18% und ist seit 2010 leicht gestiegen (Schaack 2014).

In den letzten Jahren bewegte sich der Ökolandbau in einem „schwierigen Umfeld“: Die starke Förderung von Biogas führte zu einem Preisdruck an den Pachtmärkten, bei dem Biobetriebe häufig nicht mithalten konnten. Auch die hohen Weltmarktpreise machten die Umstellung auf Ökolandbau (aufgrund höherer Opportunitätskosten) schwieriger. Nachdem die Flächen-Prämien für den Ökolandbau nach der sog. Fischler-Reform 2005 und dem Beginn der letzten Förderperiode von ELER 2006/07 teilweise drastisch gesenkt worden waren, wurden sie in den letzten Jahren in einigen Bundesländern wieder erhöht. Häufig war dies verbunden mit einem Regierungswechsel zu Rotgrün, wobei sich in Baden-Württemberg durch den Regierungswechsel keine Änderungen für den Ökolandbau ergaben.

Im Bereich der Förderung könnten sich im Jahr 2014 in einigen Bundesländern zahlreiche Änderungen ergeben, da die ELER-Förderperiode 2007-2013 letztes Jahr zu Ende ging und die Bundesländer aktuell an den neuen Programmen für die ländliche Entwicklung 2014-2020 arbeiten. Im Zuge dessen haben die Minister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) in Niedersachsen (erneut nach 2013), Hermann Onko Aeikens (CDU) in Sachsen-Anhalt und Till Backhaus (SPD) in Mecklenburg-Vorpommern angekündigt die Prämien zur Förderung des Ökolandbaus zu erhöhen. Auch in Hessen und Bayern wurden Änderungen für den Ökosektor sowie Wachstumsziele ausgegeben, allerdings ohne eine konkrete Aussage zur Prämienhöhe. Auch in anderen Bundesländern könnte es Änderungen geben, andererseits wird in Thüringen und Brandenburg seit einigen Jahren regelmäßig über einen Ausstieg aus der Ökoförderung diskutiert, der dann idR. schnell wieder zurückgenommen wird. Dies hat in beiden Ländern zunächst mit Sparauflagen in den Länderhaushalten zu tun, jedoch ein wenig auch mit politischen Prioritäten, die offensichtlich in der Landespolitik so nicht gesehen werden (so auch die Kritik von Frank Augusten, Bündnis 90/Die Grünen).

Übersicht über die Änderung der Prämien in den Bundesländern 2012-2014

Bundesland Prämie für Beibehaltung Ackerflächen Anlass der Änderung
Prämie vor 2011
(EUR/ha)
Erhöhte Prämie
(EUR/ha)
Niedersachsen 137 € 200 € Mai 2013, Amtsantritt Rot-Grün
weitere Erhöhung 2014 angekündigt
Schleswig-Holstein 137 € 180 € Juni 2012, Amtsantritt Rot-Grün
Nordrhein-Westfalen 180 € 180 € Umstellungsprämie erhöht ab 2011, Amtsantritt Rot-Grün
Rheinland-Pfalz 140 € 175 € Umstellungsprämie höher ab 2011, Amtsantritt Rot-Grün
Hamburg 137 € 170 € 2012, Amtsantritt SPD
Sachsen-Anhalt 200 € 230 € Erhöhung der Prämie 2014 angekündigt Geänderte politische Priorität
Meck-Pomm 150 € 180 € Backhaus kündigt Erhöhung an, geänderte politische Priorität
Bayern 210 € 200 € angehoben in 2009, aktuell abgesenkt, möglicherweise Änderungen 2014
Hessen 170 € 170 € Amtsantritt Schwarz-Grün 2014
möglicherweise Änderungen 2014
Baden-Württemberg 190 € 190 € keine Änderung mit Grün-Rot
Saarland 145 € 145 € keine Änderung
Sachsen 204 € 204 € keine Änderung
Thüringen 170 € 170 € im Mai 2013 Diskussion über Fortsetzung?
Brandenburg 150 € –   € Streichung U-Prämie 2011,
ab Juni 2013 keine Neuverträge?

Quelle: Eigene Erhebung, Kenntnisstand 17.April 2014
(ggf. Ergänzungen erwünscht!)

Schließlich wird seit Anfang des Jahres die Revision der EU Ökoverordnung sehr intensiv diskutiert. Die Abschaffung der Teilbetriebs-Umstellung erscheint mir persönlich dabei zunächst extrem sinnvoll, auch das Auslaufen der Ausnahmen bei der Anbinde-Haltung von Kühen erscheint wohl unausweichlich. Wer als Landwirt das Auslaufen dieser Sondergenehmigung als Grund für eine Rückumstellung nennt (wie am 3.März 2014 in der Süddeutschen Zeitung, S.6), muss sich fragen lassen, wie wichtig ihm das Tierwohl ist. In einigen Bereichen sieht die Revision eine strengere Auslegung von Regeln sowie weniger Flexibilität der EU-Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung der Verordnung vor. Teilweise werden die neuen Regeln von Prinz Felix zu Löwenstein vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) kritisiert, da hier neue Hürden geschaffen werden. Andere Vorschläge hält der BÖLW dagegen für sinnvoll. Auch Jan Plagge, Präsident von Bioland äußert sich z.B. zu den neuen Regeln zur Abdrift sehr kritisch, da hier das Verursacherprinzip auf den Kopf gestellt werde.

Auch die Frage, ob nur noch betriebseigenes oder mehr regionales Futter verwendet werden darf, ist eine Wertefrage, die evtl. in einem etwas breiter angelegten politischen Prozess unter Einbeziehung der Ökoverbände entschieden werden sollte. Objektiv ist dies schwer zu bewerten. Andererseits zeigt der aktuelle Betrug um Neuland-Fleisch (auch wenn dies lt. BUND ein Einzelfall ist), dass Kontrollen weiterhin extrem wichtig sind und zur hohen Glaubwürdigkeit des Ökolandbaus beitragen. Statistiken über die Öko-Kontrollen zeigen, dass unangekündigte Kontrollen eine größere Wirkung entfalten, als angekündigte, dass jedoch die Kontrollen in Deutschland insgesamt relativ selten sehr schwere Verstöße finden (vgl. Gambelli et al. 2012).

Insgesamt dürfte 2014 ein interessantes Jahr werden, weil die Programme für Ländliche Entwicklung neu genehmigt werden und im positiven Sinne Änderungen für den Ökolandbau bedeuten können. Andererseits wird das Thema Revision der EU Ökoverordnung eine wichtige Rolle spielen. Und das Thema Gentechnik ist ein weiteres Thema, das die Vertreter des Ökolandbaus 2014 beschäftigen wird.

Zu dem Thema siehe auch: Perspektiven der Förderung des Ökolandbaus nach der GAP- Reform 2013

Nachtrag am 26.04: Ein Interessanter Beitrag von der ARD Plusminus zeigt die schwierige Situation am Ökomarkt: Steigende Kosten einerseits und stagnierende bis rückläufige Preise andererseits machen den Öko-Betrieben zu schaffen. Die im Beitrag beschriebenen Trends sind nicht neu (wie im Beitrag suggeriert), diese grundlegenden Entwicklungen zeichnen sich schon seit längeren ab. Allerdings scheinen sich die Preise gerade dieses Jahr nachteilig zu entwickeln, weshalb Plusminus jetzt darüber berichtet.

Eine Bewertung der Revision der EU-Richtlinie von Martin Häusling (Bündnis 90 / Die Grünen) gibt es hier: http://www.martin-haeusling.eu/images/140402_Briefing_Martin_Häusling_Reform_ÖkoVo_April_14.pdf

Bauernverband diffamiert Ökolandbau und verliert dabei jedes Augenmaß!

18. Dezember 2013

 rebloggt von Ökolandbau – Agrarökologie – Agrarindustrie :

Unmut über Internetseite: Hessische Öko-Bauern in Aufruhr – Rhein-Main – FAZ

via Unmut über Internetseite: Hessische Öko-Bauern in Aufruhr – Rhein-Main – FAZ.

Diese Diskussion in Hessen ist scheinbar das Pendant zur Debatte um den niedersächsischen Landvolk-Präsidenten Werner Hilse (Die merkwürdigen Ansichten des Herrn Hilse zum Ökolandbau): So hatte der Präsident des hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider auf seiner persönlichen Homepage sich zum Thema Ökolandbau ausgelassen und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst (http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/unmut-ueber-internetseite-hessische-oeko-bauern-in-aufruhr-12714582.html). Auf seiner Seite http://www.friedrichshof-gruendau.de/bio/ wurden unter anderem die Aussage getroffen, dass ökologisches Getreide durch den fehlenden Einsatz von Fungiziden einem höheren Pilzbefall ausgesetzt ist. „In Biogetreide sind zwar meist keine Spuren von Pflanzenschutzmitteln enthalten, aber das Getreide ist mit einer Vielzahl von giftigen Pilzsporen und Pilzgiften befallen„, so auf der Internet-Seite wörtlich. Die Seite zum Biolandbau ist inzwischen offline. Weitere Aussagen von Schneider sind, dass Bio nicht besser für den Tierschutz und die Umwelt sei.

Konventionell angebaute Gerste bei Göttingen

Gerste im Frühsommer bei Göttingen

Inhaltlich sind solche Einlassungen verantwortungslos und zeigen, dass es dem Bauernverband nicht um eine seriöse Debatte über Stärken und Schwächen des Ökolandbaus geht: Die Behauptung, dass ökologisches Getreide durch hohen Pilzbefall und durch den daraus folgenden pflanzlichen Stoffwechsel gesundheitsschädlich sei, gab es bereits in den 1980er Jahren, dies konnte allerdings nie wissenschaftlich belegt werden. Interessant ist hierzu eine Publikation Zörb et al. (Metabolite Profiling of Wheat Grains (Triticum aestivum L. from Organic and Conventional Agriculture, im Journal Agricultural Food Chemistry 2006, Vol. 54, S. 8301−8306, toi:10.1021/jf0615451), die zeigt, dass es zwischen ökologischem und konventionellen Weizen keine Unterschiede hinsichtlich der pflanzlichen Inhaltsstoffen bestehen. Prinz Felix zu Löwenstein (siehe unten) weist zu Recht darauf hin, dass der Pilzbefall auf ökologischem Getreide geringer ist, als auf konventionellem Getreide. Auch andere Aussagen von Schneider lassen sich widerlegen.

Die Behauptungen des Präsidenten des hessischen Bauernverbands sind insgesamt fachlich nicht haltbar und im Ton polemisch. Auch hier kann man nur raten, sich mit den Fakten zum Ökolandbau sachlich auseinander zu setzen. Es zeigt sich auch, dass bestimmte regionale Gliederungen des Bauernverbands nicht die Interessen aller Landwirte vertreten. Es gibt jedoch auch andere Akteure im Bauernverband, die sich hierzu weitaus klüger verhalten als die Herren Schneider und Hilse. Langfristig wird der Bauernverband mit einer solchen konfrontativen Strategie weiter an Unterstützung verlieren. Der Präsident des BÖLW, der aktive Landwirte Prinz Felix zu Löwenstein ist aufgrund der Äußerungen von Schneider aus dem Bauernverband ausgetreten. Wer kann es ihm verdenken?

Weitere Quellen:
Pressemitteilung der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen vom 15.12.2013
Offener Brief von Prinz Felix zu Löwenstein an Präsident Schneider
Offener Brief von Prinz Felix zu Löwenstein – Anhang mit wissenschaftlichen Belegen
Screenshot der Website Friedrichshof Gruendau

Langenkämper, G., C. Zörb und T. Betsche (2007): Charakterisierung von Getreide aus ökologischem und konventionellem Anbau – Anwendung von Protein-Profiling- Techniques und Inhaltsstoffanalysen, Projektbericht der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel Institut für Biochemie von Getreide und Kartoffeln, Detmold, url: http://orgprints.org/13501/1/13501-02OE069-mri-bund-langenkaemper-2007-getreidecharakterisierung.pdf