Archive for the ‘Satire’ Category

Was Apple uns zum iPhone 7 wirklich sagen wollte: Die zensierte Pressemitteilung

9. September 2016

Anlässlich der Produktpräsentation des iPhone 7 wurde von der technischen Abteilung eine Pressemitteilung verfasst, die jedoch von der Marketing-Abteilung nachträglich zensiert wurde. Der Originaltext wurde jetzt geleakt und wird hier exklusiv präsentiert:

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Pressemitteilung, Cupertino, 07/07/2016: Neues iPhone 7 ist auch nicht besser

Liebe Kunden,

erstmal Sorry: Das neue iPhone 7 ist leider auch nix geworden! Es ist einfach schwierig, alle zwei Jahre ein tolles, neues Super-Duper-iPhone zu entwickeln. Ständig dieser Erwartungsdruck, J*** hatte seine Scheidung, T** ein Burn-out, es war echt nicht so leicht, inzwischen sind wir alle total genervt! Dann der Baustellen-Lärm und diese komische Steuergeschichte in Irland, die kein Mensch versteht… Aber irgendwas muss man ja machen, Seufz!

Wir haben also ein bisschen an der Kamera rumgeschraubt. Gut, die hat jetzt ein paar mehr Pixel, aber Hey: Fotos macht das alte iPhone SE auch, und die doofe Kamera-Software ist nicht rechtzeitig fertig geworden. Da muss der E** wieder die Wochenende durch programmieren. Den Kopfhörer-Eingang hat P*** blöderweise vergessen, da müssen wir jetzt so tun, als ginge das auch ohne. Da können wir jetzt wieder jede Menge sinnlose Adapter für viel Geld verkaufen. Und diese komischen Air-Pods, die man stundenlang im Rucksack suchen muss. Eine Pest!!! Ok, telefonieren kann man weiterhin mit dem iPhone und es gibt auch zwei neue Farben, die wir aber eigentlich total langweilig finden. Dafür hat Samsung jetzt explodierend Akkus eingeführt, da ist noch richtig Leben in der Bude!

Also Leute, kauft weiterhin das gute, alte iPhone SE, oder eines dieser Samsung-Dinger, oder am besten ein Festnetz-Telefon. Wir arbeiten daran, demnächst mal wieder ein gutes iPhone zu entwickeln, mal gucken, wir melden uns, irgendwann…

Eure Firma Apple Limited

iPhone SE: Macht auch ganz gute Fotos

iPhone SE: Macht auch ganz gute Fotos

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Disclaimer: Es handelt sich hierbei um einen satirischen Text bzw. Kunst. Keine der hier getroffenen Aussagen entspricht der Wahrheit, sie sind frei erfunden. Die Pressemitteilung gibt es so nicht, sie ist frei erfunden.
Für etwaige Kaufentscheidungen übernehme ich keinerlei Verantwortung. Im übrigen halte ich das iPhone 6 und 7 jeweils für technisch hervorragende Weiterentwicklungen. Wer sich informieren will, kann dies hier tun: http://www.apple.com/de/

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SPD-Baden-Württemberg: Jürgen Klopp tritt für den Bundestag an

1. April 2013

Spiegel1

Erst der FC Bayern, jetzt die CDU: Jürgen Klopp liebt die Herausforderung. Nachdem er den BVB zu zwei Meisterschaften und in die Champions-League führte, möchte er jetzt mit der SPD den Sieg bei der Bundestagswahl im September 2013.

Stuttgart – Nach der Pokalpleite gegen Bayern München und dem Verlust der Meisterschaft, sucht der erfolgreiche BVB-Erfolgstrainer offenbar neue Herausforderungen. Im Anschluss an den gewonnenen Bundesliga-Fight kündigte Klopp seine Bundestagskandidatur für die SPD an. „Diejenigen in meinem Umfeld, die mich besser kennen, wissen, dass ich immer sehr starke sozialdemokratische Wurzeln hatte“, so Klopp.

Die Wahl zum Direktkandidaten für den Wahlkreis Stuttgart III war bereits auf dem Landesparteitag am 29.09.2012 in Wiesloch unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt. „Ich habe mich in Absprache mit dem Landesvorstand erst jetzt dazu geäußert, um die Saison beim BVB nicht zu gefährden. Ich bin seit einigen Monaten in sehr engem Kontakt mit der SPD-Bundesspitze“, sagte Klopp vor dem Spiel gegen Stuttgart (2:1) bei NDR-Info: „und ich habe gemerkt, die Jungs, der Sigmar und der Frank-Walter sind richtig heiß auf den Wahlsieg. In Baden-Württemberg wollen wir im September die 20%-Hürde nehmen.“

Klopp zeigt die Richtung an: Wahlsieg 2013

Klopp zeigt die Richtung an: Wahlsieg 2013

Klopp möchte nach Angaben von BVB-Chef Hans-Joachim Watzke seinen Erstwohnsitz wieder nach Stuttgart-Degerloch verlegen, er will seine Trainertätigkeit für den aktuellen Bundesliga-Zweiten jedoch weiter führen. Watzke dazu: „Wir haben das mit dem Jürgen besprochen und wollen Ihn bei seiner Karriere auch weiter unterstützen.“

Der Union sagte Klopp bereits jetzt den Kampf an: „Wir werden der Union in den nächsten Jahren das Leben so richtig schwer machen“, sagte der Trainer dem TV-Sender Sky. Neben der Sportpolitik interessiert sich Klopp nach eigenen Angaben auch für die EU-Außenbeziehungen und für die Landwirtschaft.

Ein langes Interview mit dem Erfolgscoach folgt demnächst auf Spiegel-Online.

sel/dpa

01.04.2013

URL: http://www.spiegel.de/sport/fussball/ Jürgen Klopp tritt für den Bundestag an-a-886546.html

Autsch! Buddy Hollys Brille jetzt auch in Kreuth

4. Januar 2012

Nachdem 2011 auch Westerwelle und Röttgen sich in der Imitation von Buddy Holly versuchten, sich eine Brille aufsetzten und es ihnen keinerlei Sympathiepunkte eingetragen hat, hat es nun offenbar CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt nötig, sich pünktlich zur Tagung in Kreuth einen intellektuellen Anstrich zu geben.

Der Buddy Holly von Kreuth, auch die CSU hat einen Clown

Der Buddy Holly von Kreuth, auch die CSU hat einen lustigen Clown, der viele intellektuelle Bücher gelesen hat und auch Rock'n Roll kann

Kraftvoll-schwarz kommt sie daher, ein Kontrapunkt im Gesicht, der auf Charakter hindeutet. Ihre Fassung ist am Übergang zum Seitenbügel leicht geschwungen, sie atmet Kunst, Rock’n Roll, 60er Jahre und viele gelesene Bücher der Frankfurter Schule (Adorno, Horkheimer, Yeboah…). Während man Dobrindt vorher die Rolle des CSU-Wadenbeißers abnahm, so sieht er nun wie der Clown von der CSU aus, etwas, was vorher nur Ronald Pofalla geschafft hat. Heute keine Rente mit 67 und mehr innere Sicherheit, morgen das Ätzen gegen die verfassungsfeindliche Linkspartei oder ausländischen Asylanten. Aber das ist jetzt Vergangenheit, es folgt die „neue Nachdenklichkeit“, ein Stil, den Bundespräsident Wulff gerade erst heute Abend neu erfunden hat. Und lustig ist Dobrindt mit seiner neuen Brille auch.

Ach ja, und die Süddeutsche Zeitung hat inzwischen auch gemerkt, dass Politiker gerne schwarze Buddy-Holly Brillen aufsetzen (=>SZ). Die Redaktion der SZ hat nur noch nicht gemerkt, dass Woody Allen nicht Stilikone ist, sondern seit Anfang der 1970er Jahre ihr erster Kopist.

„Viele Schurken waren deshalb hinter ihr her, doch von denen trägt die Brille garantiert keiner mehr…“ (Die Ärzte, 1987)

Großes Kino über Homosexuelle, Christen und Präsidentschaftskandidaten

11. Dezember 2011

Da tritt Rick Perry, Gouverneur von Texas und bekennender Christ auf einer Wiese vor die Kamera und beklagt bedeutungsschwer und kulturpessimistisch die „verrückte Welt“, in der Homosexuelle offen im Militär dienen dürfen und seine Kinder sich dafür schämen müssen, Weihnachten offen zu feiern (http://www.youtube.com/watch?v=V78ReJbjdxohttp://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,802974,00.html). Und man hat das Gefühl, dass es in den Vereinigten Staaten tatsächlich Menschen gibt, die einer solchen Aussage zustimmen würden. Naja, ist ja auch schlimm, wenn die Homosexuellen in Afghanistan im Kugelhagel der Taliban Weihnachten offen feiern dürfen, während die Kinder in Texas… Ja, was eigentlich?

Rick Perry's verrückte Welt

Auf jeden Fall will er als Präsident den „crazy war“ der Demokraten gegen die Religion beenden, die eine versteht sich. Welchen Krieg? Barack Obama ist seit 2009 eigentlich nur damit beschäftigt, die Kriege von George W. Bush in Irak und Afghanistan zu beenden und das beschädigte Bild der USA in der Welt etwas zu korrigieren. Schwer genug! Dieser Tage denkt man in Europa zuweilen, dass die Briten schwer zu verstehen sind, aber Perry’s Spot ist nun wirklich weit entfernt von jeder Art der Zivilisation.

Und auch für die sonst so Fox-lastige US-Öffentlichkeit war das dann wohl doch zu dick aufgetragen von Perry. Das schönste an diesem Perry-Werbespot sind die Persiflagen auf Youtube. Wenn die Republikaner solche Kandidaten ins Rennen schicken, hilft dies nur Obama bei seiner Wiederwahl, denn angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Probleme hat er nur eine durchwachsene Bilanz. Aber die Republikaner können daraus kein Kapital schlagen: Herman Cain weiß nicht so genau, was in Libyen passiert ist und was er an Obamas Handeln kritisieren will. Nach Vorwürfen der sexuellen Nötigung kam vor ein paar Wochen sein Rückzug. Und Perry kann in einer Talkshow die drei Ministerien, die er abschaffen wollte, nicht benennen. Und jetzt versucht er mit Weihnachten zu punkten, das ist ganz großes Kino, aber so wird man nicht Präsident. Michele Bachmann und Sarah Palin von der Tea-Party haben schon im Vorfeld nicht gepunktet, bleiben als ernst zu nehmende Kandidaten Mitt Romney und Newt Gingrich. Romney kommt seriös rüber, ist aber bei der Basis unbeliebt und konnte sich bisher weder bei einer Wahl zum Senat 1994, noch bei den letzten Primaries der Republikaner 2008 durchsetzen. Aber er hat bisher wenigstens keine Fehlleistung produziert, gleiches gilt bedingt für Gingrich. Gingrich war nach 1994 Hauptgegenspieler von Bill Clinton, hat jedoch einige Angriffspunkte in seiner Karriere. Aber er ist ein politisches Tier, d.h. er übersteht selbst für ihn brenzliche Debatten. Dies scheint auch der Grund, warum er die Umfragen anführt, denn bei den Republikanern scheint inzwischen jeder Tag ohne rhetorische Fehlleistung und Skandal ein guter Tag.

Und aus europäischer und internationaler Perspektive hofft man auf Obamas Wiederwahl 2012, denn die Satiriker hatten bereits 2001-2009 ihren Präsidenten. Also bitte, liebe Republikaner, weiter so, so zerlegt man sich!

Das Eichsfeld schäumt: Abgeordnete wollen Papst nicht zuhören!

16. September 2011

Es gibt große Aufregung um den Papst-Besuch: Obwohl unsere Heiligkeit vor dem Bundestag sprechen will, wollen einige Abgeordnete offenbar nicht zuhören – nicht jeder Bundestags-Abgeordnete kann wohl fließend lateinisch… Dies sorgt für Aufregung in unserer so glaubensfesten Region (Zitat GT vom 16.09.2011, gemeint ist Göttingen?). Aus diesem Anlass wagt das Göttinger Tageblatt vom 16.09.2011 auf Seite 1 unter der Überschrift „Vatikan verstimmt über Papst-Boykott“ einen scharfen und auch analytischen Blick ins ferne Hauptstadt-Berlin, wo sich die Haufen der wilden Boykotteure zusammengerottet haben:

„[…]Dass erstmals der katholische Oberhirte vor dem Bundestag spricht, ist für CDU- und FDP-Fraktion Grund genug, der Rede geschlossen beizuwohnen. Auch bei SPD und Grünen wollen einige Parlamentarier die Rede Benedikts boykottieren.[…]“ (Zitat, 16.09.2011, S.1)

Weil beim Göttinger Tageblatt nur aufrechte Demokraten arbeiten, wird die so verfassungsfeindliche Linkspartei in dem Artikel nicht erwähnt („boykottiert“). Ansonsten ist die Gemenge-Lage unübersichtlich und auch ein bisschen komplex: Wer in Berlin die Rede von unser aller Oberhirte boykottiert und in welcher Form, bleibt unklar. Vorschläge und Interpretationen dieses journalistischen Geniestreiches sind jederzeit willkommen!

Schwitzen im ICE

6. Juni 2011
Kundenkommunikation bei der Bahn

Kundenkommunikation bei der Bahn

und vor allem kam der Sommer ja so überraschend und unvorhersehbar, also das konnte man nicht wissen, das mit den Klimaanlagen, und mit den Türen (komplizierte Mikroelektronik) und den zusammengebrochenen Fahrgästen, schlimm das, wir bedauern zutiefst. Temperaturen von 25-30 grad sind schon wirklich ungewöhnlich hoch für Deutschland, und das noch im Mai und Juni, das hatten wir wirklich seit Jahren nicht, also das sind wirklich aussergewöhnliche Schwierigkeiten. Das war ja im Winter schon alles so kompliziert, und jetzt noch der Gegenwind, die Wolken und der blaue Himmel, und zu guter Letzt regnet es auch noch. Also da kann man bei der Bahn wirklich niemandem einen Vorwurf machen, die armen Manager, das sind doch auch nur Menschen, die Ihre Arbeit tun. Diese wahnsinnigen Wetterkapriolen, das sind Risiken, die sind einfach nicht beherrschbar, da sollen die Leute froh sein, wenn bei 26 grad überhaupt noch irgendwas fährt.

Saftladen!

Siehe auch unter http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,766952,00.html.

FDP in Australien angekommen – eine Polemik!

23. März 2010

Das ist nicht irgendein Pro-Sieben-RTL-II Krawallfernsehen, das kann man nicht einfach abstellen, diese Partei macht im Moment auf Bundesregierung, also die FDP. Da sitzt der angeblich seriöse Finanzexperte Hermann-Otto Solms bei Anne Will in der Talkshow und erklärt mit Leichenbittermiene, dass die Kritik an der Auswahl der Delegation von Aussenminister Guido Westerwelle „vom Volk“ als Schwulen-feindlich empfunden würde. Die FDP habe viele eMails empfangen und man müsse bedenken, wenn sich schon mal jemand die Mühe macht und an die FDP eine eMail schreibt…. (eMails schreiben ist heutzutage schon sehr mühsam, zumindest beim Volk, und an die FDP.) Er, Solms, würde auch jederzeit zu einer Hoteleröffnung in seinem Wahlkreis gehen.

Linie 62, Wien
Wien, Linie 62 am Kärntner Ring – hier fahren die Strassenbahnen meist oberirdisch

Man wird den Eindruck nicht los, dass Solms diesen Unsinn selbst glaubt. Die FDP weiß, wie das Volk denkt, also die schweigende Mehrheit, wahrscheinlich. Und gegen das linke Meinungskartell – das Kartell, das Schröder bei der Wahl 2005 so sagenhaft unterstützt hat – , das Meinungskartell also, gegen dass Guido Westerwelle seine Kritik an der „spätrömischen Dekadenz“ in Stellung gebracht hat („das muss man sagen dürfen“). Da hat Westerwelle der Regierung mal wieder ordentlich eingeheizt, putzmuntere Opposition. „Arbeit muss sich wieder lohnen“ und „wir vernachlässigen die Mittelschicht“, mutig argumentiert! Die Debatte, die Westerwelle angestossen hat, hat wirklich an Substanz gewonnen und den zivilgesellschaftlichen Diskurs enorm bereichert. Und die zahlreichen programmatischen Vorschläge der FDP…

Ach, und Demokratie-feindlich war die Kritik am Aussenminister auch noch (Generalsekretär Lindner).

Hallo, geht’s noch? Wir fassen zusammen: Gefühlte 98 % der Deutschen sind demokratie-feindliche Schwulen-Hasser, die Hartz-IV empfangen, deren Nicht-Arbeit sich lohnt, und die dem linken Meinungs-Kartell angehören. Naja, und die restlichen 15 % haben die FDP gewählt.

Die FDP-Spitze muss inzwischen in Australien angekommen sein, denn derart  unterirdisch kann man nicht argumentieren. Es schließen sich drei existenzielle Fragen an: Wo ist im Moment Leutheuser-Schnarrenberger, wer gehörte der Reisedelegation von Westerwelle an und wer war bereits in Australien, als die FDP-Spitze ankam?

Stilkritik: Deutschland rockt

23. März 2010
Wo ist Buddy Hollys Brille jetzt…
Buddy Hollys Brille

Deutschland ist Fussball-Europameister und Rotgrün gewinnt Bundestagswahl

23. September 2009

Wenn es nur auf die Schüler ankäme, wäre Deutschland Spitze! Nachdem die U21 im Juni die EM in Schweden gewonnen hat, zeigen die Schüler völlig abweichende Parteipräferenzen und damit politische Selbständigkeit: Verschiedene Befragungen von Schülern bzw. von Unter-18-Jährigen zeigen, dass sowohl die Grünen als auch die Piratenpartei und die Tierschutzpartei bei den Schülern gut ankommen, während CDU und FDP schlecht abschneiden. Allerdings muss man natürlich einräumen, dass der Besuch bzw. die Ergebnisse solcher „Modellwahlen“ auf regionaler Ebene selektiv sein können. Insofern kann man die Göttinger Wahlen zunächst als Hinweis werten, dass es Abweichungen vom prognostizierten Wahl-Verhalten von Karl-Heinz Normalverbraucher gibt und das Prognose-Kartell von Infas, Forsa und Allensbach nach 2005 am Wochenende wahrscheinlich die nächste Schlappe einstecken wird.

Zur Sache: Am Samstag, den 19.09.2009 veranstaltete der Göttinger Stadtjugendring die Diskussion „Talk, Rock & Politics“. Während SPD, Linke und Grünen ihre Spitzekandidaten (Thomas Oppermann, Gerd Nier und Jürgen Trittin) hinschickten, durften bei CDU und FDP die jungen Talente ran (Vera Wucherpfennig und Konstantin Kuhle). Die Diskussion war deutlich lebendiger als die üblichen Fernseh-Talkshows, was sowohl an der engagierten Moderation, den kenntnisreichen und z.T. vorbereiteten Nachfragen der Schüler als auch an der abwechslungsreichen Debatte der Kandidaten auf dem Podium lag. Wichtigstes Thema war hierbei die Afghanistan-Politik und es verwundert wenig, dass Jürgen Trittin bei seinem Spezialthema (er ist aussenpolitischer Sprecher der Fraktion in Berlin) punkten konnte. Auch Oppermann wusste zu überzeugen, allerdings musste er den abnehmenden Anteil von zivilem Engagement erklären, was ihm nicht leicht viel. Auch CDU und FDP gaben sich staatstragend, wobei sich Wucherpfenning mit der Argumentation mitunter etwas schwer tat, während Kuhle wort- und kenntnisreich über die Position der FDP plauderte.

Interessant war schließlich der Auftritt von Gerd Nier von der Linkspartei: die Frage, wie sich ein von der Linkspartei geforderte sofortiger Abzug aus Afghanistan auf die Menschenrechtssituation auswirken würde, brachte ihn derart aus dem Konzept, dass er sich unter anderem zu der Aussage versteig, dass eine Burka nicht die schlimmste Menschenrechtsverletzung sei. Ansonsten war hier viel ideologisches zu hören, was nicht unbedingt auf eine differenzierte Betrachtung schließen lies. Und während man am Anfang der Diskussion eine gewisse Sympathie für die Linkspartei im Saal spürte, so wurden seine hilflosen Einwürfe am Ende teilweise mit Gelächter quittiert.

Interessant war die Testwahlen im Umfeld der Diskussion, die vor und nach der Diskussion stattfanden. Der Diskussionsverlauf spiegelt sich hier wieder:

Vor der Diskussion Nach der Diskussion
Bündnisgrüne 49,10 53,30
SPD 11,40 15,00
CDU 10,20 9,00
FDP 9,00 9,60
Linke 10,20 6,60
Sonstige 6,60 4,20
Nicht-Wähler 1,20 0,60

(Quelle: Daten aus Göttinger Tageblatt, 20.09.2009, Göttingens Jugend wählt grün, http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Goettingen/Uebersicht/Goettingens-Jugendliche-waehlen-gruen ):

Andere Wahlergebnisse in Göttingen, Niedersachsen und auf Bundesebene zeigen einen ähnlichen Trend: Schüler haben eine eigene Meinung und folgen eigenen Präferenzen:

Christoph Lichtenberg Gesamtschule (IGS) Göttingen Niedersachsen U18-Wahlen Bundeweite U-18 Wahlen
Bündnisgrüne 39,6 21,3 19,9
SPD 17,1 22,0 20,4
CDU 4,2 19,1 19,3
FDP 3,0 7,5 7,6
Linke 9,9 7,2 10,4
Piratenpartei 14,5 10,2 8,7
Tierschutzpartei 9,2 8,2 k.A.
Sonstige 2,6 4,5 13,7

Das Ergebnis an der IGS Göttingen darf hierbei getrost als Abfuhr an die Schulpolitik der CDU-FDP-Regierung in Niedersachsen gewertet werden. Die faktische Abschaffung der „Integrierten Gesamtschule“ und der „vollen Halbtagsschule“  durch das Wulffs Schulgesetz von diesem Jahr dürfte die Schüler kaum von CDU und FDP überzeugt haben, die Abfuhr darf getrost als verdiente Niederlage bezeichnet werden. Das Niedersächsische Schulgesetz ist ein Skandal, wenn die Schüler wählen dürften, würden die CDU-FDP-Landesregierung aus dem Parlament gewählt! Richtig so, die Schüler der IGS wissen genau, was sie tun.

Auf Bundesebene nahmen 125.000 Minderjährige teil, insofern dürfte auch das Ergebnis recht aussagekräftig sein. Hier spielt die Linkspartei eine wichtigere Rolle, gleichwohl weicht auch dieses Ergebnis von dem üblichen Muster ab und zeigt eigene Präferenzen der U-18. Eine weitere Erkenntnis: Die Piratenpartei hat offenbar ein für Schüler wichtiges Themenfeld besetzt.

Insgesamt zeigt die Diskussion von letztem Samstag, dass die Schüler einerseits an inhaltlichen und programmatischen Fragen interessiert waren und andererseits auch die Glaubwürdigkeit der Kandidaten bewerteten. Die Schüler wirkten dabei keineswegs frustriert und politikverdrossen, sondern sehr interessiert, lernfähig und wahlwillig, was auch im Hinblick auf die Wahlbeteiligung am Sonntag Mut macht.

Also, machen wir es genauso gut, gehen wir am Sonntag wählen!

================   Nachtrag  =================

Ministerpräsident Wulff hatte im Vorfeld verboten, dass die Diskussion des Stadtjugendringes in einer Göttinger Schule stattfinden darf. Man fragt sich, wo die „deutlich liberale Handschrift der FDP“ in der Landesregierung geblieben ist und warum sich Wulff sich vor politischen Diskussion der Schüler in Landesgebäuden so fürchtet.