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Jamaika-Koalitionsverhandlungen zum Thema Landwirtschaft: Das Gute, das Schlechte und die Unklarheiten

6. November 2017

CSU/CSU, FDP und Grüne haben zwei Wochen lang eine Koalition sondiert und haben im Bereich Agrarpolitik ein erstes kurzes Papier ausgehandelt. Der folgende Beitrag geht der Frage nach, wie dieses Ergebnis politisch zu bewerten ist. Die vorläufige Analyse zeigt, dass an einigen Punkten schon eine mögliche Linie erkennbar ist, dass es jedoch viele kleine Details gibt, die enttäuschend oder unklar sind. Alle Partner müssen in den nächsten zwei Wochen noch nachlegen, damit aus diesem Papier ein Programm wird, das für vier Jahre Regierungsarbeit durchträgt.

Ausgangslage

Das Ergebnis der Bundestagswahl vom 24.September 2017 brachte eine Zusammensetzung des Bundestages mit sieben Parteien, das in der bundesdeutschen Geschichte in vielfältiger Hinsicht außergewöhnlich ist. Mit der AfD ist erstmals eine in Teilen rechtsextreme Partei in den Bundestag eingezogen, was in den nächsten vier Jahren eine Herausforderung für die Parteien des demokratischen Spektrums darstellt.

Warum sollten vier Parteien miteinander eine Koalition eingehen, die so verschieden sind? Die Große Koalition hat dramatisch verloren (-13,8%) (vgl. Tagesschau.de). Die SPD musste einen Verlust von 5,2% verkraften und hat daher eine Fortsetzung des Bündnisses abgelehnt. Auch die CDU hat 8.5% verloren, so dass einfache Zweierbündnisse nicht mehr möglich sind. Mit der rechtsextremen AfD will zu Recht keiner koalieren. Die einfachen Zweikonstellationen  (GroKo ausgenommen) fehlen, auch ein linkes Bündnis oder ein einfaches schwarzgrünes Bündnis sind anders als 2013 nicht mehr möglich. Die sog. Jamaika-Koalition von CDU/CSU, Grünen und FDP bleibt als einzige mögliche Option, die einigermaßen realisierbar erscheint.

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Jamaika-Verhandlungen in Berlin: Eine neue Politik für den Ländlichen Raum?

Es gibt viele Konfliktfelder zwischen den vier Parteien, eines davon ist das Thema Landwirtschaft. Der Agrar-Blogger, Bernhard Barkmann hatte bereits einen Tag nach der Wahl, am 25.09.2017 unter der krachenden Überschrift „Droht uns ein Bauernopfer“ aus Sicht des Berufsstandes vor einem solchen Bündnis gewarnt. Sein Argument war, dass landwirtschaftliche Interessen von CDU/CSU und FDP zu Gunsten von Kompromissen mit den Grünen auf anderen Feldern geopfert werden könnten und man den Grünen das Feld der Agrarpolitik überlässt. Diese pessimistische Sichtweise auf ein Jamaika-Bündnis basiert jedoch auch auf der Sichtweise, dass die Grünen per se gegen landwirtschaftliche Interessen Politik machen. Dies ist jedoch nicht von vorne herein zutreffend, sondern drückt hauptsächlich die Vorbehalte konventioneller Landwirte gegenüber Grünen und Umweltverbänden aus. Es besteht ein tiefer Graben zwischen Teilen der Landwirtschaft und Umwelt und Verbraucherschützern und genau diesen Konflikt könnte eine Jamaika Koalition im besten Fall befrieden.

Die Aufgabe

Die Aufgabe besteht darin, dass am Ende der Verhandlungen mehr herauskommt als nur eine Reihe von Formelkompromissen. Der Schleswig-Holsteiner Grüne Robert Habeck hatte am 02.Oktober 2017 bei Anne Will davon gesprochen, dass die neue Koalition eine gemeinsame Idee formulieren müsse, mit der die neuen Regierung ihre Politik erklärt kann. Die neue Koalition muss neben den Inhalten auch ein gemeinsames Narrativ finden, mit dem sie positiv für ihre eigene Politik wirbt. Gerade dies scheint jedoch besonders schwierig, da die einzelnen Parteien im Wahlkampf mit sehr unterschiedlichen Erzählungen für sich geworben hatten.

Das Potenzial

CDU/CSU sind im Bereich Agrarpolitik hauptsächlich Besitzstandswahrer und haben einen engen Draht zum Deutschen Bauernverband. Den Christdemokraten geht es um die Förderung einer „bäuerlich-unternehmerischen Landwirtschaft“, was ein verquerer Begriff für eine Förderung von Familienbetrieben ist. Häufig bestehen die Positionen der Union allerdings in einem „Weiter-so“ für den Sektor, was angesichts der Kritik von Verbrauchern und Umweltschützern an bestimmten landwirtschaftlichen Praktiken kaum hinreichend erscheint.

Die liberale FDP vertritt in ihrem agrarpolitischen Programm eher konservative Positionen. Es geht lt. FDP darum, landwirtschaftliche Einkommen zu sichern. Die FDP ist allerdings Technologie-affin und spricht sich z.B. für die grüne Gentechnik aus, bei der CDU/CSU eher zurückhaltend sind.

Die Grünen wollen die Agrarpolitik reformieren. Hierbei werden die Förderpolitik und die Ordnungspolitik den Ziele im Bereich Umwelt und Tierwohl untergeordnet, was viele Landwirte allerdings fachlich kritisieren. Die politischen Schwerpunkte der Flügel sind jedoch etwas unterschiedlich: Der pragmatische Flügel spricht sich z.B. für eine deutliche Reformen der EU Agrarpolitik aus und fordert z.B. eine Abschaffung der Direktzahlungen (Siehe Habeck / Häusling-Papier). Die Landesminister des pragmatischen Flügels treten auch verbal eher moderat auf. Der linke Flügel möchte dagegen die EU-Direktzahlungen beibehalten und stellt eher die Umverteilung dieser Einkommensbeihilfen in das Zentrum. Beim linken Flügel stehen ordnungspolitische Überlegungen stark im Vordergrund.

Wenn es gut läuft, kann der Landwirtschaft nichts Besseres passieren als ein Jamaika-Bündnis:

  • Die Grünen bringen ihre Reformideen im Agrarbereich in eine Koalition ein und sorgen dafür, dass die Landwirtschaft wieder mehr Anerkennung bei kritischen Verbrauchern bekommen.
  • Die FDP achtet darauf, dass die Politikmaßnahmen auch marktkonform sind und dass ordnungspolitisch keine Fehlsteuerungen vorgenommen werden.
  • Die CDU/CSU achten darauf, dass Reformen als moderate Übergänge gestaltet werden und man dem Berufsstand auf dem Reformpfad mitnimmt.

Am Ende kommt ein Kompromiss heraus, der dem Sektor bei seiner Erneuerung hilft: Eine Versöhnung von Ökologie und Markt, bei der der Berufsstand mitgenommen wird. Das ist zugegeben eine optimistische Sichtweise, es ist klar, dass auch über Agrarpolitik gestritten wird. Aber zumindest gäbe es dieses Potenzial.

Das Gute

Das Papier zeigt zunächst, dass die neuen Bündnispartner sich auf einige sinnvolle Reformideen einigen konnten. Der Berliner Agrarökonom Harald Grethe hat den Handlungsbedarf der Agrarpolitik kürzlich bei einem Vortrag am 26.10.2017 in Göttingen auf den einfachen Nenner gebracht: Agrarpolitik sollte sich hauptsächlich an öffentlichen Gütern orientieren. Diese Haltung habe ich mehrfach auch auf diesem Blog vertreten. Und wer das Papier wohlwollend liest, sieht an verschiedenen Stellen Elemente einer solchen Politik:

  • Zum Thema Tierwohl schreiben die Bündnis-Partner: „Wir wollen einen gesellschaftlichen Konsens für die Nutztierhaltung herstellen, den Tierschutz voran bringen und den Tierhaltern dabei einen verlässlichen, planungssicheren und wirtschaftlichen Weg ermöglichen, u. a. durch finanzielle Anreize.“ Es werden eine Reihe möglicher Maßnahmen aufgelistet wie eine „staatliches (verpflichtendes/ freiwilliges) Tierwohllabel“, ein Investitionsprogramme in tierwohlgerechte Ställe, die Überprüfung des Baurechtes, die Überarbeitung der Nutzierhaltungs-VO und eine Nutztierhaltungsstrategie.
  • Prüfung eines Bundesprogrammes für Gemeinwohlleistungen: Ein solches Programm könnte die Möglichkeiten der Förderung von Gemeinwohlleistungen untersuchen. In beiden Punkten greifen die Bündnispartner u.a. auch die Forderungen des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Landwirtschaft auf, der eine solche Orientierung gefordert hatte.
  • Öffentliche Güter und Umwelt: Das Papier nennt eine Reihe von Technologien, mit denen Umweltverbesserungen erreicht werden können. Hier steht Verfahren wie „Precision Farming“, Digitalisierung, biologische Mittel in einer Reihe mit dem Ökolandbau. Es gibt unterschiedliche Wege zur Nachhaltigkeit, insofern ist das sinnvoll. Es werden als Themen die Überprüfung von besonders toxischen Präparaten und die Lenkungswirkung von Steuern/Abgaben als Themen gelistet. Selbst FDP-Generalsekretärin Nicola Beer sprach sich vor der Presse für das Ziel aus, den Einsatz von Antibiotika „überflüssig zu machen“ und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erheblich zu reduzieren (vgl. Tagesschau vom 01.11.2017).
  • Verbraucherschutz: Auch beim Verbraucherschutz gibt es einige sinnvolle Punkte. Allerdings stand der Verbraucherschutz unter Justizminister Heiko Maass (SPD) eher auf der Habenseite der bisherigen großen Koalition. Aber gut, wenn auch hier Gemeinsamkeiten und neue Prioritäten abzusehen sind.

Alle drei Partner singnalisieren Reformwillen bei Umwelt und Tierwohl, lediglich über die finanziellen Mittel und bei den Instrumenten besteht Uneinigkeit und dies ist zunächst vielversprechend. Man kann erkennen, dass bei den Punkten das oben skizzierte Potenzial erfüllt werden könnte, denn hier kommen Verlässlichkeit, Reformwillen und Wirtschaftlichkeit zusammen.

Das Schlechte

Es gibt Bereiche, die in dem Papier schwach sind: Hier sticht vor allem das Thema EU-Agrarpolitik ins Auge. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) ist das entscheidende Steuerungsinstrument für die Agrarpolitik bis 2021. Die nächste GAP-Reform 2020/21 fällt auch in die Legislatur eines Jamaika-Bündnis. Ich habe auf diesem Blog in den letzten Jahren den Reformbedarf in vielen Bereichen aufgezeigt. Die GAP erfüllt nicht ihre eigenen Ansprüche und verschwendet Steuergelder ohne hinreichende Lenkungswirkung zu erzielen. In diesem Bereich ist das Papier bisher völlig ambitionslos und setzt falsche Schwerpunkte.

Es wird eine „Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik“ gefordert. Allerdings sind die aufgeschriebenen Spiegelstriche, die „geprüft“ werden sollen, merkwürdig unsortiert, da z.B. ein Bundesprogramm für Gemeinwohlleistungen keine Politikmaßnahme aus dem EU-Bereich wäre. Hier zeigt sich offensichtlich die Hektik, mit der teilweise verhandelt wurde. Der einzige konkrete Punkt in der Prüfliste von Maßnahmen ist die „Deckelung“ der Zahlung der ersten Säule. Hier hat sich offensichtlich eher der linke Flügel der Grünen durchgesetzt und fordert etwas, das hochgradig kritikwürdig ist, da hiermit im Grunde die Einkommenspolitik der GAP in anderer Form fortgesetzt würde.

Einer der wichtigsten Kritikpunkte an der GAP ist aus wissenschaftlicher Sicht die Tatsache, dass die EU-Kommission im den letzten 15 Jahren nie formuliert hat, aus welchen Gründen die Landwirte Einkommensunterstützung erhalten sollen. Die Fortsetzung der Zahlungen der ersten Säule ist gesellschafts- und sozialpolitische kaum zu begründen. Umweltpolitisch ist die 1.Säule ein Desaster und daher abzulehnen.

Die EU-Kommission sagt nicht, an welchen Indikatoren sich eine solche Einkommenspolitik orientieren soll. Der einzige dargestellte Indikator, der landwirtschaftliche Betriebsgewinn ist sozialpolitisch nicht hinreichend. Sozialpolitisch ist das Familieneinkommen von landwirtschaftlichen Familien und deren Vermögenssituation, da dies auch in der sonstigen Sozialpolitik entscheidend ist. Des Weiteren muss die EU-Kommission beantworten, warum es hierfür ein Sondersystem geben soll und warum man nicht die normalen sozialpolitischen Instrumente auf nationaler Ebene wie z.B. die Einkommenssteuer nutzt.

Die Direktzahlungen orientieren sich nach Fläche, so dass große Betriebe hohe Zahlungen erhalten, während kleine Betriebe wenig erhalten. Es ist kaum anzunehmen, dass die aktuelle Ungleichverteilung geeignet ist, die einkommenspolitischen Ziele der EU Kommission zu erfüllen. Aktuell wird zwar Geld zu Gunsten kleiner Betriebe umverteilt: In Deutschland bekommen die ersten Hektare höhere Zahlungen, was allerdings an der Ungleichverteilung kaum etwas ändert. Auch eine „Deckelung“ der Direktzahlungen muss sich der Vorwurf gefallen lassen, dass hierfür eine sinnvolle Rechtfertigung fehlt. Hinzu kommt die Gefahr des Umgehungstatbestands, da große Betriebe in Ostdeutschland juristisch geteilt werden können.

Meine Erwartung an eine neue Regierung ist, dass sie eine klare Reformperspektive für die GAP entwickelt. Das hier noch angedeutete Weiter-so bringt nichts und wird auch bei den Verhandlungen zur nächsten GAP-Reform überhaupt nicht durchtragen. Die EU-Kommission muss endlich erklären, warum die Landwirtschaft immer noch Einkommensunterstützung für eine Preissenkung erhält, die bereits 25 Jahre zurückliegt.

Deutschland könnte bei der nächsten Reform innerhalb der EU die liberalen Reformkräfte unterstützen, aber dafür braucht es politisch mehr Mut. Dies erscheint auch deshalb dringend geboten, da die Briten, die traditionell die Reformkräfte vertreten haben, die EU verlassen. In diese Punkt haben sich vor allem die Besitzstandswahrer durchgesetzt. Enttäuschend ist vor allem die FDP, die als liberale Kraft hier eigentlich Flagge zeigen müsste. Dies zeigt auch die Gefahr eines Jamaika-Bündnisses: Als Koalition der Besitzstandswahrer wird dieses Bündnis nicht funktionieren, hier war schon die bisherige große Koalition nicht überzeugend und wurde nach vier Jahren vom Wähler abgestraft.

Unklarheit 1: Exporte sind ab jetzt nur noch „fair“?

Erstaunlich sind einige Aussagen in dem Papier aber auch bei der Pressekonferenz danach. Das Papier listet im Bereich EU-Agrarpolitik einen Prüfauftrag, der sich mit „Agrarexport unter fairen Bedingungen“ beschäftigen soll. Was soll damit bitte gemeint sein?

In diesem Punkt wird die Handschrift der globalisierungskritischen Grünen sichtbar: Handel gilt manchem Grünen als Ursache des globalen Übels – meiner Ansicht nach zu Unrecht. Im Hinblick auf die GAP war dieser Vorwurf viele Jahre lang nicht ganz unberechtigt, da die EU mit Exportsubventionen Produkte billig auf den Weltmarkt exportierten. Das Problem der Exportsubventionen ist jedoch Geschichte, da die Exportsubventionen seit 2013 praktisch nicht mehr gezahlt werden (siehe Abb. 1).

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Eine der wenige Errungenschaften des GAP-Reformprozesses seit 1992 war die Beendigung dieser Exportsubventionen. Was heute exportiert wird, wird unter marktwirtschaftlichen Bedingungen exportiert. Man muss als Politiker schon sehr dicke Bretter bohren, um zu zeigen, dass Handel von Agrarprodukten im Kern „unfair“ ist. Die Frage wäre dann auch, ob unsere Auto-Exporte auch fair sind für die Autoproduzenten in Frankreich, Japan und den USA?

Wie sollte so ein Punkt umgesetzt werden? Viele Entwicklungsländer sind abhängig von Nahrungsmittel-Importen. Der Agrarblogger Bauer Willi, der an den Grünen üblicherweise kein gutes Haar lässt, hat in einem aktuellen Blogbeitrag vom 5.November darauf hingewiesen, dass z.B. kaum noch Hühnerfleisch nach Afrika exportiert wird. Und wenn ein afrikanisches Land (z.B. die Länder Kamerun, Nigeria und Senegal) Importe verbietet, um den heimischen Sektor zu stärken, dann entsteht Knappheit, sodass Lebensmittel teilweise zum Schmuggelgut werden. Die eigene Produktion ist in diesen Ländern allerdings kaum gestärkt worden.

Das Narrativ der „bösen Agrarexporte“ stimmt meiner Ansicht nach nicht. Die Grünen machen es ihren Kritikern mit solchen fragwürdigen Aussagen sehr leicht. Die beschriebene Wirkung von Handelsverboten kann man zwar vielleicht nicht verallgemeinern, aber es müsste schon genau belegt werden, dass es wirklich Probleme mit Agrarexporten gibt. Insofern sehe ich hier sehr viele Fragen.

Es wird deutlich, dass einige Narrative der Grünen veraltet sind. Ich habe in den letzten Jahren (im gegensatz zu den 2000er Jahren) kaum aktuelle Argumente gehört, die wirklich dafür sprechen, dass man Handel beschränkt. Auch die höheren Handelskosten durch den bevorstehenden Brexit zeigen, dass eigentlich alle liberalen Kräfte ein Interesse am Freihandel haben sollten. Auch die Haltung der Grünen zu CETA ist fragwürdig, da viele Kritikpunkte von NGOs und der Zivilgesellschaft in den Verhandlungen mit Kanada in den Verträgen aufgenommen wurden und die Kritik überhaupt nicht mehr zutrifft. Die Haltung der Grünen zum Thema Handel wird aus Sicht der Wissenschaft zu Recht kritisiert: So hat Bettina Rudloff von der Stiftung Politik und Wissenschaft in Berlin in einem Aufsatz die Haltung der Gegner von CETA kritisiert und Teile der Grünen zählen zu den Gegnern von CETA. Hier wäre eine Neuorientierung wohl sinnvoll.

Das Gleiche gilt auch für die Aussage, dass landwirtschaftliche Exporte eine der maßgeblichen Fluchtursachen in der Flüchtlingskrise seien. Die wichtigsten Fluchtursachen sind Bürgerkrieg, fehlende Governance-Strukturen und fehlende ökonomische Perspektiven. Dies hat jedoch kaum etwas mit Handel zu tun. Der Zusammenhang zwischen Handel und Flucht ist in meinen Augen bisher nie vernünftig nachgewiesen worden. (Und falls jemand doch eine Studie dazu kennt: Ich lerne gerne dazu!).

Es zeigt sich, dass die Grünen ihre Vorstellung von Handel dringend hinterfragen müssen. Das Jamaika-Bündnis kann allerdings eine gute Gelegenheit sein, sich von überkommenen Vorstellungen zu verabschieden und pragmatische Reformpolitik umzusetzen, die ohne solche Phrasen auskommt.

Unklarheit 2: Die Grünen haben den Strukturwandel nicht verstanden?

In der Pressekonferenz der Generalsekretäre am 2.11.2017 nach einem langen Verhandlungstag, sagte der Bundesgeschäftsführer Michael Kellner: „Wir wollen dieses Prinzip Wachse oder Weiche, also immer größer werden oder kaputt gehen, durchbrechen.“ (Siehe Tagesschau vom 02.11., Min 4:26).

Diese Aussage ist hochgradig fragwürdig, denn wie soll die Politik die Abwanderung von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft aufhalten? Es war m.E. daher auch kaum erstaunlich, dass der CSU-Generalsekretär, Andreas Scheuer auf diese Aussage reagierte und dies als Ziel der neuen Koalition zurückwies. Auch hier kann man sagen: Der Grüne Kellner, der kein Agrarexperte ist, macht es seinen Gegnern und Kritikern sehr einfach.

Es lässt sich sehr einfach zeigen, dass Strukturwandel ein ökonomischer Prozess ist, der unabhängig von politischem Einfluss stattfindet und politisch auch kaum, und nur unter extrem hohen Folgekosten beeinflussbar ist. Die Ursache für Strukturwandel ist (vereinfacht gesprochen) der technische Fortschritt, der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft ersetzt. Technischen Fortschritt kann man unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht verbieten und er findet übrigens im Ökolandbau statt. Und auch Ökobetriebe wachsen. Ist der technische Fortschritt größer als in den sonstigen Sektoren, so wandern Arbeitskräfte aus den primären Sektoren (Landwirtschaft, Bergbau) in die den Industriesektor und den Dienstleistungssektor ab. Dieser Prozess findet international statt und lässt sich auch in hochsubventionierten Agrarsektoren (Norwegen, Schweiz) beobachten. Und auch in der Ukraine, wo es kaum agrarpolitische Eingriffe gibt, findet er statt (selbst wenn die Datengrundlage hier etwas wackelig ist…). Die folgende Abbildung 2 zeigt die Entwicklung der Arbeitskräfte in Deutschland, Italien, Spanien, Norwegen, der Schweiz und der Ukraine.

Arbeitskräfte2

Es wird deutlich, dass der Anteil der Arbeitskräfte in den dargestellten Ländern über einen langen Zeitraum rückläufig ist, und zwar unabhängig davon, welche Art der Politik angewendet wird. Es ist ein Irrtum, zu glauben, man könne den Prozess von Wachsen und Weichen durchbrechen. Was man schon tun kann, ist Maßnahmen auf den Prüfstand zu stellen, die Strukturwandel beschleunigen. Der Strukturwandel wird auch unter Jamaika weiter gehen. Aber wenn die Inhalte oben Regierungspolitik werden, dann werden Betriebe, die öffentliche Güter produzieren, in diesem Prozess vielleicht nicht mehr ganz so stark benachteiligt.

Fazit

Es bleibt noch einiges zu tun für die möglichen Bündnispartner, um in den nächsten zwei Wochen ein neues Narrativ zu entwickeln, das die Reformpolitik eines Jamaika-Bündnisses erklärt und mehrheitsfähig umsetzt. Inhaltlich ist die Bilanz aus meiner Sicht gemischt. Manches in dem Papier ist vielversprechend, anderes ist dagegen arm an Ambitionen. Viele Details sind noch klärungsbedürftig, was aber auch dem Zwischenstand geschuldet ist. In den nächsten zwei Wochen werden die Verhandlungsteams noch viel arbeiten müssen. Die Grünen sollten ihre Vorbehalte gegen marktwirschaftliche Prozesse etwas in Frage stellen, und CDU/CSU und FDP noch mehr Mut zu Reformen finden.

Trotzdem deuten die Partner an, dass es auch im Bereich Landwirtschaft zusammen gehen könnte. Ich finde diese Konstellation sehr vielversprechend. Im Moment sehe ich deutlich mehr Chancen als Nachteile aus so einem Bündnis, sowohl für Bürger als auch für Landwirte: Wenn es gut läuft, bekommt die Landwirtschaft moderate Reformen, bei denen auch auf Wirtschaftlichkeit und Maß geachtet wird und die Bürger bekommen mehr gesellschaftliche Leitungen, also mehr Umwelt und mehr Tierwohl.

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Entwicklung des Ökolandbaus 2016: Eine Geschichte über Fakten und Narrative

28. August 2017

Wie hat sich der Ökolandbau entwickelt? Normalerweise ziehe ich im Frühjahr Bilanz, allerdings wurden die Zahlen dieses Jahr ausführlich in der Presse diskutiert, insofern bestand kein Anlass, dieses Jahr einen solchen Text zu schreiben. – Das dachte ich bis vor drei Wochen, als neue Berichte aufkamen, die eine sehr eigenwilligen Umgang mit den Fakten zeigten. Daher beschäftigt sich dieser Blogbeitrag etwas verspätet mit der Frage, wie sich der Ökolandbau in den Jahren 2015/16 entwickelt hat. Im Anschluss werde ich auf die fragwürdigen Presseberichte eingehen.

Flächenentwicklung 2016

Im Juli 2017 gab es neue Zahlen zur Flächenentwicklung des Ökolandbaus. Der Ökolandbau konnte 2016 außergewöhnlich hohe Umstellungsrate verzeichnen. Die folgende Tabelle zeigt die ökologisch bewirtschaftete Fläche 2010, 2015 und 2016, sowie die Zuwachsrate in verschiedenen Bundesländern im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2015 und von 2015 auf 2016 (jeweils in Prozent):

Tabelle 1: Flächenwachstum des Ökolandbaus in verschiedenen Bundesländern 2010-2016

Fläche Ökolandbau

Es zeigt sich, dass der Ökolandbau in allen Bundesländern außer Rheinland-Pfalz von 2015 auf 2016 deutlich stärker gewachsen ist. In vielen Bundesländern wächst der Ökolandbau zweistellig, in Sachsen sogar bis zu 28,7%. Noch am 17.07.2017 hatte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft daher in einer Pressemitteilung über „Rekordumstellung“ berichtet, was auch gebracht wurde.

Organic grain production in East Germany (Photo Sebastian Lakner, 2011)

Ökologische Getreideproduktion in Brandenburg 2011

Andererseits hat das Bundesamt für Statistik im August die Pressemitteilung Nr. 286 vom 18.08.2017 veröffentlicht, die vermeldet, dass nur 4% der Ackerfläche ökologisch bewirtschaftet werden. Experten wissen, dass der gesamte Flächenanteil des Ökolandbaus (inklusive Grünland) insgesamt mit ca. 8% deutlich höher liegt. Der größte Teil der Ökofläche ist somit Grünland, während ein geringerer Anteil Ackerland ökologisch bewirtschaftet wird. In der Pressemeldung wird auch auf vergleichsweise niedrige Marktanteile im Bereich Tierhaltung hingewiesen. Interessant ist dabei, dass in der Pressemitteilung davon gesprochen wird, dass der Ökolandbau in der Tierhaltung eine „untergeordnete Rolle“ spiele. (Ob die Statistiker auch definieren können, ab wann etwas keine untergeordnete Rolle mehr spielt?). Diese teilweise etwas wertende Pressemitteilung wurde im August von einigen Zeitungen aufgegriffen und zugespitzt. Leider wurde diese Bewertung durch das Bundesamt nicht hinterfragt. Aber zunächst die Frage, ob diese Sicht durch Fakten gedeckt ist.

Lt. AMI Marktbilanz Ökolandbau 2017 (S.25) macht das Ackerland 2015 an der gesamten Ökofläche einen Anteil von 41% aus. Sieht man sich die Erntemengen an, dann werden z.B. bei Weizen nur ein Anteil von 1,8% der gesamten Erntemenge erzielt. Ackerbau im Ökolandbau bleibt ein schwieriges Geschäft, was allerdings keine sonderlich neue Erkenntnis ist. Osteuropäische Ökobetriebe sind teilweise wettbewerbsfähiger, weshalb lt. AMI-Statistik (Grafik vom 14.03.2017 jedes Jahr Getreide importiert wird. Der Importanteil schwankt etwas, so lagen die Getreideimporte 2017 z.B. 25%, in 2016 waren es dagegen 24%. Das ist allerdings schon seit Jahren bekannt und den Importen stehen auch Exporte der verarbeitenden Unternehmen gegenüber. Der Ackeranteil ist vielleicht ausbaufähig, aber auch das Ackerfläche wächst kontinuierlich.

Der Marktanteil bei Getreide und Fleisch sind ebenfalls unterdurchschnittlich – beides wird vom Statistischen Bundesamt berichtet. Der Marktanteil der Ökoprodukte am Lebensmittelmarkt insgesamt ist 2017 gegenüber dem Vorjahr um ca. 10% gewachsen und liegt bei ca. 4% des gesamten Lebensmittelmarktes. Es gibt allerdings Produkte mit recht hohen Marktanteilen wie z.B. Gemüse (9,5%), Eier (8,9%) und Schaffleisch (12%). Einzelne Gemüsesorten wie Möhren oder Rote Beete halten mit 14,7% und 26% vergleichsweise hohe Marktanteile, vermutlich auch, da diese in der Babybrei-Herstellung eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Auch Äpfel (14%) und Birnen (16%) haben überdurchschnittliche Marktanteile.

Die Preisentwicklung verlieft unterschiedlich: Der Milchmarkt war 2016 geprägt von dem Preisverfall auf dem konventionellen Milchmarkt einerseits und einem erstaunlich stabilem Preis für ökologische Milch andererseits. Die hohen Preise für Ökomilch dürften auch den einen oder anderen Betrieb zur Umstellung bewogen haben. Nach einem leichten Preisrückgang für Biomilch Mitte 2016, bewegen sich die Preise wieder in Richtung 48 cent und bis Mai 2017 ist kein Rückgang zu verzeichnen. Interessant wird es, ob sich die Umstellungsrate noch auf den Preis auswirkt.

 

Entwicklung für ökologischem und konventionellem Milchpreis 2007-16

Abb.1: Entwicklung für ökologischem und konventionellem Milchpreis 2007-16

Auf dem Getreidemarkt war 2016 eine stabile bis leicht steigende Tendenz für ökologisches Backgetreide zu beobachten. Allerdings könnte durch die Ernteausfälle im Sommer 2017 weitere Preisanstiege zu beobachten sein. Hierzu liegen noch keine Informationen vor. Für die Betriebe muss dies nicht ein Vorteil sein, da höhere Preise mit niedrigeren Erntemengen einhergehen. Insofern bleibt zu hoffen, dass der Rest der Ernst 2017 ohne weitere Komplikationen verläuft.

Preise für ökologischem und konventionellem Backgetreide 2009-17

Abb.2: Preise für ökologischem und konventionellem Backgetreide 2009-17

Gewinnsituation der Ökobetriebe:

Die Gewinnermittlung basiert seit vielen Jahren auf den Auswertungen aus dem BMEL-Testbetriebsnetz, die vom Thünen-Institut (Dr. Jürn Sanders und Kollegen) vorgenommen werden. Hierzu lagen bereits in der BÖLW-Broschüre erste Zahlen vor, die Jürn Sanders mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, die jedoch vorläufig, und daher noch nicht veröffentlicht sind. An Hand dieser Daten zeigt sich, dass die Ökobetriebe im Wirtschaftsjahr 2015/16 im Durchschnitt deutlich höhere Gewinne erzielten als konventionelle Vergleichsbetriebe Abb.3:

Gewinnvergleich 2016

Diese Durchschnittsbetrachtung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erfolgskennzahlen im Ökolandbau immer streuen. Insgesamt zeigt die Gewinnauswertung eine sehr gute Situation von Ökobetrieben in Deutschland. Interessant ist hierbei auch, dass die Gewinnsituation zwischen Ackerbau und Tierhaltenden Betrieben durchaus sehr unterschiedlich ist.

Tabelle 2: Einkommen (Gewinn und Personalaufwand) auf ökologischen und konventionellen Vergleichsbetrieben 2015/16 in EUR /AK

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Es zeigt sich, dass der Ökolandbau vor allem im Ackerbau nicht so wettbewerbsfähig ist, wie bei den Milchviehhaltern und den Verbundbetrieben. Der durchschnittliche Gewinnvorteil im Ökolandbau bei dürfte vermutlich mit den enormen Preisunterschieden (ca. +300%) und damit auch mit den deutlichen Gewinnunterschieden (+172%) zwischen ökologischer und konventioneller Milch zusammenhängen. Trotzdem zeigen die Daten, dass der Ökolandbau wirtschaftlich auf vielen Betrieben ein Erfolgsmodell ist.

Fazit: Der Ökolandbau wächst auch 2016 kontinuierlich. Richtig ist auch, dass die Bäume gerade im Ackerbau nicht in den Himmel wachsen. Ökolandwirte müssen sich (wie in allen Branchen) jedes Jahr dem Wettbewerb stellen und können sich hier im Durchschnitt gut behaupten.

Interpretation in den Medien: Fragwürdige Narrative

Es muss wohl am Sommerloch liegen, dass einige Redaktionen die eher pessimistische Darstellung des Bundesamtes für Statistik aufgriffen, sich andererseits aber nicht die Mühe machten, die tatsächlichen Kenndaten zu recherchieren. Meinungsführer ist der Spiegel, der am 18.08.2017 seinen kurzen Bericht mit „Ess O Ess – Anteil der Biolandwirtschaft bleibt gering“ überschreibt. Und es ist scheinbar wie so häufig: Wenn man in Hamburg in der Spiegel-Redaktion eine Branche nicht mag, dann wird sie nicht fair behandelt. Wichtig ist das Narrativ, ob die Fakten stimmen ist zweitrangig. Bereits 2014 hatte der Spiegel von einer massiven Krise berichtet mit einem Artikel, der zahlreiche Fehler und Ungenauigkeiten enthielt. So schreiben die Spiegel-Autoren weiter, dass der Ökolandbau weiterhin in Deutschland eine „untergeordnete Rolle“ spielt – die Wortwahl des Statistischen Bundesamtes wird übernommen und ausgebaut. Die Produktion sei so gering, dass die deutsche Biobranche „die steigende Nachfrage mit heimischen Waren kaum bedienen“ kann – angesichts gut gefüllter Regale in den Bio-Supermärkten eine gewagte These. Dass ein Teil von Agrarprodukten nach Deutschland importiert wird, ist sowohl für den Ökosektor als auch für die konventionelle Lebensmittelverarbeitung bekannt und nicht ungewöhnlich. Trotzdem suggeriert der Spiegel, hier sei ein Markt aus dem Gleichgewicht.

Ein Teil der Hersteller, so der Spiegel weiter, betrüge angeblich – eine Story, die der Spiegel im Mai 2017 berichtet hatte, die jedoch nur einzelne Betrugsfälle aufführt. Der Spiegel legt allerdings mit seiner ungenauen Formulierung nahe, dies sei ein Branchenphänomen, was vielen anderen Herstellern schadet. Aber solche Erwägungen spielen beim Spiegel offenbar keine besondere Rolle. Die Zahlen des Certcost-Projektes der Uni-Hohenheim (vgl. Gambelli et al. 2012) zeigen jedoch, dass die Anzahl der Kontrollen mit deutlichen Verstößen in Deutschland meist unter 5% liegt (aktuellere Zahlen kenne ich leider nicht. Trotzdem suggeriert der Spiegel basierend auf Einzelfällen regelmäßig, dass Betrug im Ökolandbau an der Tagesordnung sei. Empirisch lässt sich das nicht belegen.

Wenn die Redaktion des Spiegels glaubt, das Ende des Ökolandbaus sei nahe, dann ist das vielleicht die sehr exklusive Meinung der zuständigen Redakteure. Allerdings findet man einen ähnlichen Kommentar in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) vom 18.08.2017, und hier wird nun völlig frei argumentiert: Der Autor behauptet, „die politischen Ziele zur Ausweitung der Öko-Produktion in Deutschland sind bislang weitgehend verpufft“. (Ich weiß jetzt zwar nicht, wie ein Ziel „verpuffen“ kann, aber vielleicht gibt es das in Osnabrück. Wobei ich mich mit Spott zurückhalten muss, da meine Blogbeiträge mit Sicherheit auch zahlreiche Formulierungsfehler enthalten.) Vermutlich sind hier die Fördermaßnahmen für den Ökolandbau gemeint und den Punkt könnte man diskutieren, wenn die Fakten stimmen würden. Aber wie ich oben dargestellt habe, geht das Argument völlig an der Realität vorbei.

Des weiteren stellt der NOZ-Autor Dirk Fisser heraus, dass Ökolandbau genauso von Skandalen betroffen sei. So sei Fipronil angeblich in Öko-Eiern gefunden worden und der Ökolandbau folglich vom Fipronil-Skandal betroffen: „Und das Insektizid Fipronil wurde auch in Bio-Eiern nachgewiesen.“ Sprich, Bio-Ware sei genauso Massenware und für Skandale im gleichen Maße anfällig für Skandale. Eine steile These, die nur funktioniert, wenn man alle Ökobetriebe über einen Kamm schert.

*** Nachtrag: In der ersten Version des Artikels gab es einen sachlichen Fehler. Lt. Website der Verbraucherzentrale sind tatsächlich Biobetriebe betroffen, die Kennzeichnung dort weist eine „0“ aus. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat in einer PM am 03.08.2017 darüber ebenfalls informiert. Der Streit zwischen Christian Meyer und der CDU ging darum, ob der erste Betrieb ein Ökobetrieb war, was falsch ist. Die sachliche Berichterstattung war in diesem Punkt richtig und mein ursprünglicher Vorwurf der Fehlinformation ist damit gegenstandslos. Trotzdem wird dies aus dem Artikel der NOZ nicht deutlich und es stellt sich auch die Frage, ob der Vorwurf von Fisser, dies Skandale passierten im Ökolandbau genauso, berechtigt ist. Immerhin handelt es sich um ein Insektizid, das im Ökolandbau verboten ist. Dies dem Ökolandbau vorzuhalten, erscheint für mich weiterhin fragwürdig. ***

Auch die Taz vom 18.08.2017 greift das Thema auf und auch hier wird die ökologische Tierhaltung als ein „Randphänomen“ beschrieben. Auch hier basiert die Faktenrecherche hauptsächlich auf der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes und einem Statement von Friedhelm Mehring vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Seine Äußerung, man brauche eine noch höhere Öko-Prämie, steht allerdings etwas in der Luft, da in den meisten Bundesländern die Prämien gerade seit 2013 erhöht wurden.

Die Berichterstattung der drei genannten Zeitungen ist insgesamt recht dünn und gibt kein korrektes Bild zur Lage im Ökolandbau. Offenbar ist man in den Redaktionen nicht in der Lage, eine Meldung zu Strukturdaten im Ökolandbau vernünftig einzuordnen und zusätzliche Daten zu recherchieren. Wie ist ansonsten zu erklären, dass die Neue Osnabrücker Zeitung noch am 16.07.2017 ein Rekordhoch bei der Umstellung auf Ökolandbau meldet, um dann im 18.08.2017 zu kommentieren, dass im Ökolandbau die Produktion die Nachfrage nicht decke und die Förderung eigentlich „verpufft“ sei. Die Berichterstattung ist sehr meinungsstark, die Kommentare sind jedoch nicht ausreichend durch Fakten gedeckt.

Fazit: Der Ökolandbau als Objekt von Meinungsmachern

Diese Art der fehlerhaften Berichterstattung geht zum Schaden des gesamten Ökolandbaus. Spiegel, Taz und NOZ schreiben eine umweltfreundliche Anbaumethode kaputt, statt sich differenziert mit Vor- und Nachteilen auseinanderzusetzen und alle Fakten zu recherchieren. Und den Verbrauchern und Lesern wird ein falsches Bild des Ökolandbaus vermittelt – wobei die meisten Zeitungsleser vermutlich ohnehin im August im Urlaub sind (zumindest die meisten Spiegel- und Taz-Leser). Die Berichterstattung im Sommerloch macht offenbar auch vor den Agrarthemen nicht halt.

Leider passen diese Artikel insgesamt auch zu einer Agrarberichterstattung in den großen Redaktionen, die qualitativ teilweise sehr heterogen ist. Es gibt viele Journalisten, die nachfragen und die sich in kurzer Zeit einen guten Einblick in Agrarthemen verschaffen. Aber das ersetzt auf lange Sicht nicht die Expertise. Die Zusammenhänge in der Agrarwirtschaft sind nicht ganz einfach und Redakteure müssen Aufwand betreiben. Allerdings ist es eine gute Recherche wichtig, da ansonsten kritische Artikel zu Agrarthemen von den Praktikern nicht mehr ernst genommen werden und Landwirte sich aus den gesellschaftlichen Debatten ausklinken – dieses Phänomen trifft gerade auch auf landwirtschaftskritische Artikel zu. Und Top Agrar und andere Agrar-Portale, die die Akzeptanz der Landwirte haben, werden die gesellschaftlichen Debatten um die Landwirtschaft nicht ausreichend führen können, da hier häufig eine branchendominierte Sichtweise vorherrscht und somit keine Vermittlung von Sichtweisen an eine breite Leserschaft möglich ist.

Der Ökolandbau schneidet in diesem Einzelfall bei den genannten Artikeln schlecht ab und die Kommentierung ist kaum durch die Fakten gedeckt. Bei Taz und NOZ kann man dies zur Not mit mangelnder Recherche entschuldigen. Beim Spiegel passt dieser Bericht jedoch in eine lange Reihe von systematischer Negativ-Berichterstattung, die ich bereits vor 2 Jahren auf meinem Blog kritisiert habe. Insgesamt ist das sehr schade und diese Berichterstattung wird der täglichen Arbeit der Landwirte nicht gerecht.

 

The role of location economics in organic grassland farming

13. Oktober 2016

Durchschnittliche Technische Effizienz in 15 Produktionsclustern von ökologischen Futterbau-Betrieben in Deutschland (Quelle: eigene Berechnung)

Average technical efficiency in 15 production clusters of organic grassland farms in Germany (source: own calculations)

We analyze the efficiency of organic pasture farming in Germany using data from 1994/95 to 2005/06. Five inputs and one output are analyzed by means of a stochastic frontier production function, allowing for heteroscedasticity and technical effects. Five sets of possible determinants of technical efficiency are considered in the model. These include: (1) farm structure and resources; (2) human capital and management capacities; (3) institutional choice; and (4) subsidies. To these factors that are commonly included in technical effects models, we add (5) a set of variables that capture localization and urbanization economies such as the share of organic farms in a region and the regional share of votes for the Green Party in recent elections.

These regional effects are found to have a significant impact on the technical efficiency of organic farms. We have identified 15 production clusters in Germany with different levels of efficiency. Interestingly, especially the southern clusters perform extremely well. In contrast to this, farms in northern and eastern Germany show lower efficiency level. There might be some shortcomings: Hessen, Mecklenburg-Vorpommern and Schleswig-Holstein are not represented in the data-set and in Eastern Germany has only few observations. In the context of Stochastic Frontier Analysis, we might also conclude, that the production frontier is mainly defined by rather small farms which can be found in Southern Germany. However, to our best knowledge, this is the first formal approach to investigate the relation of regional clusters and efficiency levels by a admittedly simple approach.

In our study we also investigate the evolution of efficiency on farms that are converting from conventional to organic farming. According to this result, the conversion period is longer than the usual 2 or 5 years, in which the federal states provide support for converting farms. After 6-11 years the average technical efficiency is substantially increasing almost reaching the average level of established farms. A conclusion might be, that farmers need to calculate with a longer adaptation period and from a political point of view, it might be appropriate to support 5 and not 2 years. But this has of course some trade-offs. And the literature also shows, that market-integration of converted farms is crucial for a successful conversion to organic farms.

Source: Technical efficiency of organic pasture farming in Germany: The role of location economics and of specific knowledge | Renewable Agriculture and Food Systems | Cambridge Core

Ökolandbau 2015: Weiterhin konstantes Wachstum der Biobranche

10. Februar 2016

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat wie jedes Jahr zur Biofach die neuesten Zahlen zur ökologischen Landwirtschaft in der Broschüre „Zahlen Daten Fakten – Die Biobranche 2016“ veröffentlicht und in einer Pressemitteilung zur Biofach 2016 diese Zahlen besprochen. Nach diesen Zahlen wächst der Umsatz mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln weiter stärker als die ökologisch bewirtschaftete Fläche und die Zahl der Ökobetriebe.

Die Marktdaten in dieser Broschüre werden üblicherweise vom „Arbeitskreis Biomarkt“ und der Agrarmarkt Information mbH in Bonn beigesteuert: Beim Umsatz liegen wir inzwischen bei 8,62 Mrd. EUR, was ein Zuwachs von 2014 auf 2015 von ca. 11% bedeutet. Der Lebensmitteleinzelhandel (Supermärkte/Discounter) halten weiterhin einen Anteil von 55% an diesem Umsatz, Naturkostläden haben einen Anteil von 31%, während der Anteil der sonstigen Vermarktungswege bei 13% liegt. Der Zuwachs fand vor allem im Lebensmitteleinzelhandel statt, der in den Jahren zuvor weniger gewachsen war. Die Entwicklung ist eher von größeren abgesetzten Mengen als von der Preisentwicklung geprägt, da für viele Produkte die Preise nur geringfügig stiegen. Mehr details zur Entwicklung des Biomarktes finden sich in einer Pressemitteilung der AMI vom 10.02.2016.

BIO-Marktentwicklung_2015.jpg

Fläche und Betriebe nehmen wieder etwas stärker zu als in den Jahren zuvor, allerdings weiterhin nur einstellig. Im Moment wirtschaften 24.343 ökologische Betriebe (+4% gegenüber 2014) auf 1.047.633 Hektaren (+2,9%). Insgesamt wirtschaften in Deutschland 8,7% der Betriebe ökologisch und 6,4% der Flächen wird ökologisch bewirtschaftet.

Zuwachslücke 2015.png

Das geringer Wachstum der letzten zwei Jahre 2013 u.2014 kann mit den unklaren Förderbedingungen erklärt werden: Zu Beginn einer neuen EU-Förderperiode müssen die Programme der ländlichen Entwicklung von den Bundesländern bei der EU-Kommission neu beantragt werden. Dies geht üblicherweise auch mit neuen Fördersätzen einher. Der Genehmigungsprozess dieser Programme durch die EU-Kommission dauerte bis in der Jahr 2015, allerdings war bereits 2014 klar, welche Fördersätze für den Ökolandbau in der neuen Förderperiode angewandt werden. Wenn man bedenkt, dass WJ 2015 das erste Wirtschaftsjahr war, in dem die Rahmenbedingungen für die neue Periode der Ökoförderung 2014-2020 fest standen, so erscheint ein Flächenzuwachs von 3% und ein Betriebszuwachs von 4% eher moderat. Allerdings ist EU Bioverordnung immer noch im Entscheidungsprozess und mir ist nicht ganz klar, ob die Neufassung evtl. auch bei potenziellen Umstellern Unsicherheit erzeugt. Insofern wird es interessant sein, die weitere Entwicklung zu verfolgen.

Ein höheres Marktwachstum kann auch zu steigenden Importen auf dem Biomarkt führen. Die Schlussfolgerung von Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen) 2015 auf der Biofach (Interessanterweise ist Hofreiters PM von der Seite der BT-Fraktion verschwunden…), dass mangelnde deutsche Produktion und Bio-Importe für den Ökolandbau insgesamt ein Problem seien, kann ich weiterhin nicht ganz teilen: Wenn Anbieter im Ausland günstig anbieten können, so ist dies zunächst für Verbraucher vorteilhaft. Auch gesamtwirtschaftlich ist dies vorteilhaft, weil z.B. in Rumänien oder im Baltikum Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. Landwirte in Deutschland stellen nicht blind um, sondern überlegen zu Recht, ob Ökolandbau eine wirtschaftliche Alternative ist, denn eine Umstellung erfordert für einen Betrieb große Anstrengungen. Kritik an Bio-Importen verbietet sich aus meiner Sicht auch, weil die Bio-Branche auch gleichzeitig exportiert. Es dürfte schwer vermittelbar sein, warum die Produktion von Rohstoffen in Deutschland erfolgen soll, die hier hergestellten Lebensmittel aber munter gehandelt werden dürfen. Ich bin gespannt, ob und wie Hofreiter sich dieses Jahr zur Entwicklung der Biobranche äußert.

Auch die ersten Zahlen zur Gewinnsituation von Ökobetrieben im Wirtschaftsjahr 2014/15 wurden zur Biofach von Dr. Jürn Sanders vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft vorgelegt:

Gewinnvergleich bis 2014.pngAuch hier zeigt sich gegenüber den Vorjahren eine Umkehrung des Trends: Während in den Wirtschaftsjahren 2012/13 und 2013/14 die Gewinne in der konventionellen Landwirtschaft die Gewinne von Biobetrieben im Durchschnitt überstiegen, gab es bei den konventionellen Betrieben im WJ 2014/15 einen drastischen Gewinneinbruch (so Pressemitteilung des BMEL 25.01.2016), der auf EU-Ebene bereits von Eurostat am 15.12.2015 in einer Pressmitteilung gemeldet wurde. Die Entwicklung bei den Biobetrieben war dagegen positiv, sie konnten ihren Gewinn in einem schwierigen Umfeld wie in den Vorjahren leicht (+2%) steigern. Die mit Biobetrieben vergleichbaren konventionellen Betriebe hatte einen Gewinneinbruch von -13%, nimmt man den gesamten konventionellen Sektor, so fällt der Gewinneinbruch mit -25% noch stärker aus.

Diese für den Ökolandbau eher freundliche Entwicklung hängt sehr eng mit der Entwicklung landwirtschaftlicher Preise zusammen. 2015 war festzustellen, dass die konventionellen Preise v.a. für Fleisch und Milch stark einbrachen. Auch die Preise für konventionelles Getreide fielen in der zweiten Jahreshälfte 2015 leicht, was mit den international gut ausgefallenen Ernten zusammenhing.

Weizenpreise_ÖkoKonv2015.png

Diese Preisentwicklung wurde im Ökolandbau so nicht nachvollzogen, was zunächst ein wenig überraschen mag, sind doch Ökopreise (so unsere Analyse in Agricultural Economics) wie auch Preise für konventionelle Ware auch von internationalen Entwicklungen abhängen. Bei Getreide fiel die Ernte 2015 mengenmäßig geringer aus, allerdings bei gleichzeitig hohen Qualitäten. Diese Entwicklung war gegenüber dem konventionellen Getreidemarkt gegenläufig, was dazu führte, dass die Preisrelation zwischen ökologischem und ökologischem Backweizen von ca. 150% auf 250-270% anstieg. Gleiches lässt sich auf dem Milchmarkt beobachten:

Milchpreis_Milchpreis2015.png

Im Milchbereich zeigt sich die Preisdifferenz noch deutlicher als bei Getreide: Hier blieb der Milchpreis im Bundesdurchschnitt konstant oberhalb 47 ct/kg und stieg gegen Ende des Jahres sogar etwas an, während der Preis für konventionelle Milch unter 30 ct/kg fiel. Dies spiegelt sich auch in der Gewinnsituation der Milchbetriebe wieder: So war der Gewinnabstand 2015 bei den Milchvieh-Betrieben mit +33% am deutlichsten, während der Gewinnabstand bei den anderen Betriebstypen moderater ausfiel.

Auch in der medialen Wahrnehmung zeigt sich 2015 ein anders Bild als in den Jahren davor. Während diverse Tageszeitungen 2013 und 2014 über die angebliche Krise am Biomarkt berichteten (eine These, die durch Zahlen eigentlich kaum zu belegen ist…), waren die Berichte z.B. des Spiegel am 17.01.2016 zur Grünen Woche über die gestiegenen Flächenzahlen und Gewinne ausnahmsweise mal recht positiv. Insgesamt scheint die Entwicklung im Ökolandbau sehr viel konstanter, was zunächst aus betriebswirtschaftlicher Sicht positiv zu bewerten ist. Für die Betriebe mag es sehr viel günstiger sein, in drei Jahren moderate Gewinnanstiege zu verzeichnen, als (wie in der konventionellen Landwirtschaft) in zwei Jahren starke Ansteige zu erleben um im dritten Jahr einen Einbruch verkraften zu müssen. Interessant erscheint auch die Tatsache, dass der Anteil der Betriebe, die nach EU-Bioverordnung zertifiziert werden, leicht rückläufig ist: Seit 2010 ist der Anteil dieser Betriebe von 47,7% auf 46,6% gesunken. Verbandsbetriebe2015.jpg

Vielleicht bestätigen die Daten die These von Dr. Ika Darnhofer (Universität für Bodenkultur Wien), dass der Ökobetriebe fehlerfreundlicher (resilienter) sind als konventionelle Betriebe. Die These ist vielleicht gewagt, aber so könnte man die Preis- und Gewinnentwicklungen der letzten drei Jahre lesen.

Offen ist 2016 weiterhin das Thema der EU-Ökoverordnung: Hier muss sich noch zeigen, welche Lösungen auf EU-Ebene gefunden werden und wie sich dies auf die Entwicklung der Branche auswirkt. In einem Briefing von MdEP Martin Häusling (Bündnis 90/Die Grünen) vom Oktober 2015 kann man den aktuellen Stand der Verhandlungen nachlesen: Im Moment finden die Verhandlungen zwischen Parlament und Rat statt (Trilog), allerdings gibt es noch keine Ergebnisse.

Ein weiteres Thema für die Biobranche für die nächsten Jahre könnten die schleppenden Ertragszuwächse im Ökolandbau sein. Hier hatte Dr. Steffen Noleppa auf der Grünen Woche für den Industrieverband Agrar eine (methodisch umstrittene) Studie vorgelegt, deren Ertragsdaten einem jedoch Kopfzerbrechen bereiten kann. Der BÖLW hatte hierzu zwar kritisch Stellung bezogen, allerdings sollte man sich die Ergebnisse genau ansehen. (Hierzu demnächst mehr auf diesem Blog: https://slakner.wordpress.com/2016/03/06/organic-vs-conventional-yields-critical-remarks-on-a-germany-study/ ). Ich könnte mir vorstellen, dass das Thema Saatgut eine immer größere Bedeutung im Ökolandbau erlangen könnten (sofern es nicht schon wichtig ist…). Der BÖLW hatte schon vor einigen Jahren zu Recht gefragt, ob der Ökolandbau eine eigene Züchtung braucht: Wer züchtet neue Sorten für den Ökolandbau, die an das System angepasst sind und Erträge steigern und die gleichzeitig auf fragwürdige Züchtungsmethdoen (CMS-Hybriden) verzichtet? Hier gibt es weiterhin einiges zu tun.

Und sonst: Ergänzungen und Kommentare gerne jederzeit!

Public Debate on Perspectives of sustainable/organic farming for developing countries

25. Januar 2016

Organic farming is a growing sector not only in Europe in North America, but also on the global level. The system of organic agriculture has the objective to protect the environment and achieve a sustainable farming system. It has been shown in many study-cases, that organic farming often provides a number of advantages for the environment like lower levels of nutrient runoff and a higher level of biodiversity. However, in practise we can also observe, that organic farming often comes with lower yields. At the same times, higher prices are necessary to make the system pay economically viable.

Organic berry production in the region Maulé, Central Chile

Organic berry production in the region Maulé, Central Chile

We want to discuss, whether organic farming is a useful instrument to develop agriculture in developing countries in Sub-Saharan Africa, South-East Asia and Latin America. Most of farmers in developing countries are small subsistence and semi-subsistence farmers, therefore organic farming might provide interesting examples to help farmers in those countries to improve their income. Besides this, we can observe that agriculture in ecological sensitive areas can be a challenge. On the other hand, according the report “how to feed the world 2050” from the Food and Agricultural Organization (FAO) we need to increase the food-production by 70% until the year 2050. The share of people living in extreme poverty nowadays is already at 1.4 Billion persons, the number of persons who are suffering from chronic starvation is estimated by FAO at 870 Million people. Therefore we also need farming systems with constantly high yields in order to supply international markets and contribute on the world food situation. In that respect, organic farming has been sometimes criticized due to it’s lower yields. It might also be an interesting debate, if we can combine organic farming with other strategies and approaches to optimize farming systems in developing countries and at the same time improve yields. But poverty, starvation, small farming and farming in ecologically sensitive areas might also be problems, which are interlinked. We will critically investigate and discuss the role of organic farming for agriculture in developing countries.

With us are four experts in the area:

Dr. Marie von Meyer-Höfer has done her dissertation at University Göttingen on “Product Differentiation and Consumer Preferences for Sustainable Food“. Her main research interests are food consumer research, sustainable and organic food consumption in industrialized and emerging countries, sustainability labelling and animal welfare.

Viola von Cramon-Taubadel studied agricultural economics at the University in Bonn. She is politician for the Green Party in Germany and has been member of the Bundestag 2009-2013. She is working on foreign policy and human rights in Eastern Europe (mainly Ukraine), but she also brings a wide expertise on agriculture in Eastern Europe.

Prof. Dr. Matin Qaim has done his PhD in Kiel and Bonn. Since 2007 he is professor for “International Food Economics and Rural Development” at the University Göttingen. Since then he has supervised many PhD-students, he has an outstanding publication record, he has won many scientific awards and he has a wide expertise in developing countries. His main research interests are the economics of biotechnology, issues of food security and sustainable development, nutrition and health economics, agricultural markets of high value products in developing countries and rural development.

Eberhard Prunzel-Ulrich has studied agriculture at Göttingen University. In 1981 he and his wife founded his small farm in Landolfshausen (Käsehof Landolfshausen) some km from Göttingen, which since 1987 he runs under the Bioland-certification. They mainly produce grain, and milk & cheese from sheep and goats, which they sell on the weekly market in Göttingen. Since many years, they are also in involved in education-projects like farm-courses for children or guided tours and open-farm events. Eberhard Prunzel-Ulrich is also involved in activities of the small-farmers association in Lower Saxony.

Jan Fragel: studied law and education science in Göttingen. He is a freelancer journalist working for print media and radio, who also brings many experiences on agricultural and development topics especially in developing countries like e.g. Nicaragua or Thailand.

Time: Do, 04.02.2016, 19:15 Uhr

Location: Tagungszentrum in der Sternwarte, Geismar Landstr. 11, 37083 Göttingen

The discussion is part of the accompanying program of the DAAD-Biofach Winterschool, which takes place in Göttingen and Nuremberg between February 2-14, 2016 and which is organized by the Section for Tropical and Subtropical Agriculture and Forestry (SeTSAF) (Antje Henkelmann) of the Georg-August University Göttingen and which is supported by the German Academic Exchange Service (DAAD).

So hope to see you there!

Efficiency and Productivity in Organic Farming – a Scientific Symposium at the ICAE in Milano

3. August 2015

On August 9th, 2015 starts the International Congress of Agricultural Economists (ICAE) in Milano, Italy. On Thursday, August 13, 11-12:30 o’clock (Malliani Room 70) we will discuss topics of efficiency and productivity of organic farming systems together with some of the most specialized and experienced scientists in the field.

Markets for organic farming have been constantly growing during the last twenty years, however, in some established countries like Germany, Austria or Denmark we can observe, that the number of farmers who convert to organic farming is stagnating or declining. In 2014, for the first time, the organic area in Germany has been slightly decreasing with a lot of press-echo. So journalists have already announced the organic crisis 3.0, which is a bit overdone from my point of view. But the fact is there and it might be interesting to discuss, why this is the case.

The scientific and public debate in Germany about the reasons for farmers being reluctant to become organic has been focused on the question, whether organic farmers are systematically disadvantaged on the land-markets, because their conventional neighbors might receive additional support for their biogas-plant. The debate is just ignoring, that not every conventional farmer has a biogas-plant, that the market for land are quite different among different regions. There is so far no empirical proof that problems on the land-market are a problem for all organic farmers. Also the system of subsidization of organic farms has been questioned. But if this would have been the main issue, the number of new organic farmers must have exploded in 2014, since almost all German federal states announced higher support rates for organic farming.

Organic barley production in Brandenburg

Organic barley production in Brandenburg

How about efficiency and productivity?

Productivity and efficiency is still not in the focus of the public crisis-debate (I don’t see a crisis, but that’s another issue…). Productivity in organic farming is not growing at the same pace like in conventional farming. Just a simple (and maybe even misleading) observation on the development of wheat-yields in organic farming might show what the topic is all about. The following figure shows the long-term development of wheat yields, yearly reported by the German test-farm network:

Yields of soft-wheat in organic and conventional farming 1986-2013 in Germany

Yields of soft-wheat in organic and conventional farming 1986-2013 in Germany (own calculations based on data from the German ministry for agriculture)

There are a few details on these data we need to consider, before we get too critical with organic farming as a system. 1.) Organic farming tend to work on less favorable locations and therefore achieve lower yields. So a part of the difference is a systematic difference. 2.) The data-set on organic farms have changed throughout the years: Especially in the years between 1994 and 2000 the data-set has been extended to East Germany, which substantially changed the sample. 3.) A lot of organic farms are milk- and grassland-farms, whereas in comparison to conventional farming, the share of arable farms is lower. This might explain the difference in wheat and it might also explain, why a similar graph for milk-yields looks much more parallel. But this is not the point here.

What is so striking, is the missing yield-growth of wheat! So if farmers convert to organic farming, they might face limits. Obviously the wheat-varieties do not grow to the same extent that in conventional farming. So one conclusion, without any discussion might be, that there is too little done in adjusting wheat-varieties to the system of organic farming. Breeding varieties is a costly and a very difficult business, therefore firms might sometimes be (too?) reluctant to work 10 years on new breeds for organic farming. So this might be a task for public support in science? According to Felix Prinz zu Löwenstein, chairmen of German Federation of the Organic Food Industry (BÖLW) innovation, research, development and extension is one of the main topics to further develop organic farming. So I hope we can contribute a bit to the topic. On the other hand, the lower yields come together with an good environmental performance. Do farmers have to accept lower yields because society wants environmental sound farming practices? How can we include the environmental dimension of organic farming into classical ag-economics modeling?

A symposium to bring together knowledge on organic farming

Organic farming relies more on natural resources and (as described above) is often less productive than conventional systems. The methods of efficiency and productivity analysis can provide important insights into the potential for improving the performance of organic farms. One main challenge is how we can do an appropriate comparison of the productivity of conventional and organic production systems. The challenge is how we can select data-sets that allow a clear comparison. The symposium gives an introductory overview on the main study-topics and presents three studies in the area: Technical efficiency might be also a driver for conversion, therefore this fact has to be included in the model-setup. Structural differences between conventional and organic farming should be taken in into account while modelling farm comparisons. Modelling-results can also be affected by price-effects. Finally, we want to include one study from Africa, since modelling organic farming in the tropics and subtropics might come with different challenges. At the end, we want to discuss the following five questions:

– What are the main conclusions from efficiency analysis?

– Where is a lack of data for further modelling

– What are methodological challenges.?

– Which are conclusions for agricultural policy?

– Where are links for interdisciplinary cooperation?

We will have the following topics on the schedule:

2) Introduction: Efficiency analysis of organic farming systems
– a short overview of topics, results and conclusions
 (by Sebastian Lakner University Göttingen & Gunnar Breustedt, University Kiel)

The introductory presentation provides an overview on the literature on efficiency and productivity of organic farming. We can distinguish between studies that aim to compare conventional and organic farming systems and studies that concentrate of specific problems of the organic sector. Sample selection issues are a major challenge in farm system-comparisons. The efficiency results are very heterogeneous depending from model set up, data set and background of the study. Some of the studies also show, that the conversion to organic farming is influenced by inefficiency. In three of four studies, organic farms have a lower productivity than conventional farms. The degree of specialization on organic farms is not optimal, however the limits of specialization for organic farms are not discussed. Studies on environmental efficiency show organic farming is more efficient when the environmental dimension is taken into account. Some studies also model the impact of subsidies on farm’s efficiency.

3) Technical efficiency as a determinant of conversion to organic farming
(by Laure Latruffe (INRA, Rennes), Céline Nauges (University Queensland, Australia) & Yann Desjeux (INRA Rennes))

Technical efficiency of farms under conventional agriculture determines whether farms convert to organic or remain in conventional farming. Efficient farms may be more capable of adopting new technologies and therefore convert to organic farming. By contrast, choosing to produce for the organic niche market may be a survival strategy for technically inefficient conventional farms.

A study on French crop farms investigates technical efficiency during the years preceding conversion in order to predict the probability of conversion. The results show an influence of technical efficiency of (conventional) farms on the probability to convert to organic farming, but that the direction depends on farm-size and production-type.

Another study on dairy farms from North West France considers the effect of (past) technological change on the decision to convert. Results show that dairy farms switching to organic farming show a higher efficiency in conventional farming, but experienced a slowdown in efficiency the year before conversion.

 

4) Matching efficiency results of organic farms
(by Jochen Kantelhardt and Stefan Kirchweger (both Natural Resources and Life Science (BOKU), Austria) 

Organic farms work under very heterogeneous natural-site and socio-economic conditions. This heterogeneity is of clear relevance for economic efficiency and for the decision of farms to convert to organic farming. In order to produce proper results efficiency analysis must consider such heterogeneity and self-selection aspects. This applies in particular to data envelopment analysis, since this technique does not calculate error terms, but include heterogeneity into efficiency results. One way to control for such effects is matching. Matching is based on the assumption that under a given vector of observable variables, the outcome of one individual is independent of the adoption of a specific treatment. In our paper we present how to implement matching into efficiency analysis of organic farms. We give a brief overview on literature applying this technique and we discuss which insights the application of matching might contribute to the current discussion on organic farming.

5) Determinants of MD2 Adoption, Production Efficiency and Technology Gaps in the Ghanaian Pineapple Production Sector
(Amos Mensah and Bernhard Brümmer (University Göttingen)

This study examined the response of the Ghanaian pineapple production sector to the 2004/05 crisis where a swift shift of international market demand from the traditional smooth cayenne and sugar loaf variety to MD2 variety almost destroyed the entire fruit industry. Seven years after the crisis, we studied how Ghanaian pineapple farmers have responded to international market demand. We estimated the proportion of our sampled farmers cultivating the MD2 variety and analysed the factors influencing adoption of the MD2 variety using a logistic regression model. We employed metafrontier analytical techniques to assess the current productivity level of organic and conventional pineapple producers using a cross sectional data set gathered from 404 farm-households in three regions where commercial production is most concentrated. The results of our analysis reveal that, the majority of farmers in both organic and conventional production systems was operating quite near their group frontier as well as the industrial frontier.

So if you found that interesting, feel free to visit our Symposium! It’s on Thursday, 13/Aug/2015: 11:00am – 12:30pm, Malliani Room 70.

The following might be interesting for additional reading: Lakner, S. and G. Breustedt (2015): Efficiency analysis of organic farming systems ICAE-paper

Comments always welcomed!

Ökolandbaus 2014 – die wichtigsten Entwicklungen und Kennzahlen

26. April 2015

Wie jedes Jahr werden viele Kennzahlen des Ökolandbaus in den Monaten Februar und März veröffentlicht: Der BÖLW veröffentlicht zur Biofach im Februar die Broschüre „Zahlen Daten Fakten – der Bio-Branche 2015“, in der Flächen- und Marktwachstum des Biolandbaus dargestellt sind. Die Internationale Entwicklung beschreiben IFOAM und FiBL in ihrem Buch „World of Organic Agriculture 2015“, und im März legte die AMI ihre kostenpflichtige (196 €) „Marktbilanz Ökolandbau 2015“ vor. Des weiteren veröffentlichte Dr. Jürn Sanders vom Thünen Institut im Laufe des März die detaillierte Auswertung der Buchführungsabschlüsse der Ökobetriebe innerhalb der BMEL-Testbetriebsnetzes („Analyse der wirtschaftlichen Lage ökologisch wirtschaftender Betriebe im Wirtschaftsjahr 2013/14“). In dieser Auswertung ist unter anderem die Gewinnentwicklung im Ökolandbau dargestellt.

Kontinuierliches Marktwachstum des Ökosektors

Der Markt für ökologische Lebensmittel ist erneut um 4,8% auf 7,91 Mrd. EUR gewachsen. Auch in diesem Jahr liegt das Marktwachstum über dem Wachstum der Betriebe. Gleichwohl liegt der Marktanteil der Ökolebensmittel immer noch etwas unterhalb 4%, während die Ökoproduktion flächenmäßig bei 6.5% und nach Anzahl der Betriebe sogar bei 8,4% liegt.

In 2014 verfestigt sich auch das Bild, dass der Naturkostsektor vor allem Motor dieser Entwicklung ist, denn bereits im dritten Jahr hintereinander ist das größte Wachstum hier zu verzeichnen, während der Lebensmitteleinzelhandel kaum gewachsen ist. Allerdings verdeutlicht der Bericht des BÖLW bzw. die Zahlen der Ami, dass dieses Wachstum auch mit einem deutlichen Strukturwandel im Naturkostsektor einhergeht: Vor allem bei Ladengrößen über 100 qm gab es mehr Neueröffnungen als Schließungen, während unter 100 qm die Schließungen überwogen. Der langjährige Trend zu größeren Ladenflächen, bzw. auch das Wachstum der Biosupermärkte hält 2014 an. Insgesamt wurden 2014 101 Läden neu eröffnet, während 49 geschlossen wurden. Der Bericht des BÖLW berichtet auch von einem verstärkten Stadt-Land-Gefälle, da viele Läden auf dem Land schließen, während die neu eröffneten Läden eher in der Stadt zu finden sind. Die folgende Grafik zeigt die längerfristige Entwicklung der verschiedenen Absatzkanäle im Ökolandbau:

Absatzkanäle Biolandbau 1997-2015

Abb. 1: Entwicklung der Absatzkanäle Biolandbau 1997-2015 (Quelle: eigene Darstellung nach Daten von IÖW 2007, Rippin & Hamm 2007, AMI 2010-2015)

Wachstum der Produktion in 2014 auch angestiegen

Die Ökologisch bewirtschaftete Fläche wuchs 2014 erneut um 2,7% auf 1.09 Mio. ha. Auch die Zahl der Ökobetriebe nahm in 2014 deutlich um 2,9% auf 23.937 zu. In Deutschland werden aktuell 6,5% der Fläche ökologisch bewirtschaftet und 8,4% der landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften ökologisch. Die folgende Abbildung 2 zeigt die Zuwachsraten bei Markt und Produktion in Deutschland von 1994-2013:

Markt und Produktion 2014

Abb. 2: Entwicklung des Ökolandbaus (Markt und Produktion) 1995- 2014 (Quelle: Eigene Darstellung nach Daten von ZMP, AMI und BÖLW)

Gewinne der Ökobetriebe leicht angestiegen

Im Wirtschaftsjahr 2013/14 sind die Gewinne auf Ökobetrieben im Durchschnitt erneut um ca. 1.700 EUR/AK angestiegen. Allerdings ist dieser Anstieg erneut geringer ausgefallen als in der konventionellen Vergleichsgruppe, deren Gewinn um 3.250 EUR/AK. Für das Wirtschaftsjahr 2013/14 etabliert sich die Situation, dass ökologische Betriebe bereits im 2 Jahr hintereinander leicht niedrigere Gewinne erzielen als die Betriebe der konventionellen Vergleichsgruppe (Abbildung 3):

Gewinnentwicklung im Ökolandbau 1995-2013

Abb. 3: Gewinnentwicklung im Ökolandbau 1995-2013 (Quelle: Thünen Institut, basierend auf Daten des Testbetriebsnetzes)

Im Bericht des Thünen-Institutes wird darauf hingewiesen, dass die Gewinnsituation innerhalb des Sektors heterogen ist: 16% der Betriebe erzielen einen Gewinn der doppelt so hoch ist, wie der der konventionellen Vergleichsbetriebe, jedoch erzielen 25% jedoch nur einen Gewinn, der nur halb so hoch ist wie bei konventionellen Vergleichsbetrieben. Unter den Betriebsformen erzielen die Milchviehbetriebe einen Gewinnsprung, der die etwas höheren Ökomilchpreise reflektiert, während die Ackerbaubetriebe etwas niedrigere Betriebe erzielen. Insgesamt kann die Einkommenssituation im Ökosektor als stabil bezeichnet werden.

Marktpreise: Öko mit leicht höheren Aufschlägen

Der Bericht des BÖLW belegt auch, dass im Ökolandbau 2014 der Preisabstand zwischen ökologischen und konventionellen Produkten größer geworden ist. Beim Getreidepreis war diese Entwicklung nach der Ernte zu beobachten, allerdings stellte sich gegen Jahresende wieder der alte Preisabstand ein. Auf dem Milchmarkt fielen 2014 die konventionellen Preise, was mit dem Auslaufen der Milchquote im März 2015 zusammenhängt. Dieser Preistrend wurde am Ökomarkt nicht im gleichen Maße nachvollzogen, so dass die Preise nur leicht fielen und der Preisabstand hier für einen sehr viel längeren Zeitraum größer wurde. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich der Preis nach Auslaufen der Quote sowohl im konventionellen als auch auf dem Ökomarkt entwickelt. Die folgende Abbildung zeigt die Entwicklungen Milchpreise seit 2012:

Entwicklung Preises für ökologische und konventionelle Milch 2012-2015

Abb. 4: Entwicklung Preises für ökologische und konventionelle Milch 2012-2015 (Quelle: eigene Darstellung basierend auf Preisen der AMI)

Die Preisentwicklung im Jahr 2014 belegt auch die These, dass die Ertrags- und Preissituation auf dem Ökomarkt in manchen Jahren von der Marktsituation auf den Märkten für konventionelle Produkte deutlich abweicht. Die Bestimmungsfaktoren können voneinander abweichen, so dass es zu einer asymmetrischen Preisanpassung kommt, so belegt in einem Artikel von uns, der letztes Jahr in Agricultural Economics erschienen ist: Würriehausen, N., R. Ihle and S. Lakner (2014): Price relationships between qualitatively differentiated agricultural products: organic and conventional wheat in Germany, Agricultural Economics 24, 2, S.195–209.

2014 als Jahr des „Krisengeredes“

Wie bereits 2009 war das Jahr 2014 gekennzeichnet von „Krisengerede“: In zahlreichen Artikeln in der Tagespresse wurde über eine angebliche Krise der ökologischen Landwirtschaft berichtet. Viele Berichte und Artikel stellen sich im Nachhinein als übertrieben heraus. Den Auftakt bildeten die Taz, und die Welt mit Artikeln zur Biofach, die stark die angebliche Krise des Ökolandbaus in den Vordergrund stellten. Die Süddeutsche und die FAZ zogen im April und Juni nach. Der Spiegel legte am 3.November 2014 eine schippe drauf und titelte „Bio Betrug“. Der Artikel konnte allerdings nichts Substanzielles zu angeblichen Betrugsfällen im Ökolandbau beitragen. Auch hier kam der Ökolandbau nicht besonders gut weg. Zugespitzt könnte man sagen, dass in den Artikeln folgende Thesen vertreten wurde:

  • Der Ökolandbau ist nicht mehr wirtschaftlich
  • Der Ökolandbau ist auf den Pachtmärkten nicht mehr wettbewerbsfähig und
  • Viele Betriebe stehen vor der Rückumstellung
  • Die Marktentwicklung ist für den Ökolandbau ungünstig, was sich an ungünstigen Preisen zeigt.

Wie oben gezeigt treffen die Thesen nicht zu, da sie entweder auf falschen oder unvollständigen Fakten beruhen oder aber an Stellen stark zuspitzten, an denen eine umfassende Betrachtung notwendig gewesen wäre. Die „Krise 2014“ war kurz gesagt eine Ente! Die tatsächliche Entwicklung auf dem Markt für Ökoprodukte war in 2014 erneut insgesamt stabil bis positiv und auch für die Betriebe stellt sich die Einkommenssituation stabil dar. Mir ist im Moment noch etwas unklar, womit die seit 2 Jahren etwas niedrigeren Gewinne auf Ökobetrieben zusammenhängen. Allerdings muss auch hier wieder betont werden, dass die Gewinne auf Ökobetrieben angestiegen sind, nur eben nicht so stark wie auf den konventionellen Vergleichsbetrieben.

Ausblick auf 2015

Für 2015 wäre meine Erwartung (bei aller Vorsicht) zunächst positiv: Alle Bundesländer haben in den Jahren 2013 und 2014 ihre Programme für ländliche Entwicklung neu gestaltet und hierbei die Prämien für den Ökolandbau leicht bis deutlich erhöht. Eine detailliertere Übersicht über die neuen Prämien bietet eine Publikation des Thünen-Institut: Bericht über die flächenbezogene Förderung der ökologischen Wirtschaftsweise 2015. Die Erhöhung der Ökoprämien in vielen Bundesländern wird sich mit Sicherheit positiv auf die Einkommen vieler Betriebe auswirken. Des weiteren würde ich eine leicht höhere Umstellungsrate erwarten, da jetzt die Programme für Ländlichen Raum in den Bundesländern fertig gestellt wurden und jetzt klar ist, wie der Förderrahmen bis 2020 aussieht. Des weiteren müssen die konventionellen Betriebe aufgrund der GAP-Reform 2013 ggf. sogar leichte Einbußen in der 1.Säule hinnehmen, können Ökobetriebe diese Einbußen durch höhere Ökoprämien evtl. ausgleichen.

In 2015 könnte auch die Neufassung der EU-Rahmenverordnung für den Ökolandbau beschlossen werden. Im Moment bezieht das EU-Parlament Stellung zu dem Entwurf, der vor allem in Deutschland auf Kritik der Anbauverbände getroffen ist. Vermutlich werden viele Vorschläge der Kommission kassiert werden und es wird uz einer moderaten Überarbeitung kommen, aber dies ist zum jetzigen Zeitpunkt nur Spekulation. Insgesamt stellt sich immer wieder die Frage, wie sich das Anbausystem Ökolandbau weiterentwickelt. Vor wenigen Wochen fand in Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (FNE) die 13. Wissenschaftstagung ökologische Landwirtschaft statt, auf der die Weiterentwicklung des Systems Ökolandbau von Wissenschaftlern und Beratern diskutiert wurde. Eine eher qualitative Einschätzung zur Weiterentwicklung des Systems Ökolandbau folgt demnächst auf diesem Blog.

Fragen, Kritik und Anregung jederzeit gerne!