Archive for the ‘Allgemeines’ Category

Ernte 2018: Wie reagiert die Agrarpolitik und wie sind die Beihilfen zu bewerten (Repost)

27. September 2018

Nach der Bestandsaufnahme der Auswirkungen der Dürre auf die Landwirtschaft, habe ich gemeinsam mit Carsten Holst die Reaktion des BMEL auf die Dürre sowie die versprochenen Beihilfen analysiert. Politisch gesehen gibt es also normative Argumente für einen staatlichen Eingriff, die allerdings gesamtwirtschaftlich eine Entschädigung keineswegs objektiv rechtfertigen. Des weiteren lässt sich ein „richtiges Maß“ an Entschädigung analytisch nicht bestimmen, insofern ist es aus wissenschaftlicher Sicht auch schwer, eine eindeutige Aussage zu den Beihilfen zu treffen.

Politisch wurde die von Julia Klöckner initiierten Maßnahmen zunächst positiv aufgenommen, es scheint (aus Sicht politischer Beobachter) hier ein Kompromiss zwischen einer Förderung der Gießkanne und einem Nicht-Eingreifen gelungen. Uns sind allerdings bei genauem Hinsehen einige offene Fragen aufgefallen: Es ist unklar, ob die Beihilfen auf eine Existenzgefährdung abzielen oder eher als sozialpolitische Maßnahme zu verstehen sind. Dies hat Implikationen für die Gewährung der Beihilfen. Des weiteren ist unklar, wie das BMEL auf ca. 10.000 geschädigte Betriebe kommt und wie die Gelder verteilt werden, wenn mehr Schäden geltend gemacht werden. Und schließlich dürfte das Prüfverfahren nach aller Wahrscheinlichkeit sehr kompliziert ausfallen. Mehr auf Agrardebatten.blog…

Ernte 2018: Wie reagiert die Agrarpolitik und wie sind die Beihilfen zu bewerten

GAP-Papier der Österreichischen Ratspräsidentschaft: Ein Plädoyer für den Ländlichen Raum

20. September 2018

Die österreichische Ratspräsidentschaft (II. Jahreshälfte 2018) hat ein neues Papier über die GAP-Reform 2020 vorbereitet, das demnächst auf der inoffiziellen Ratssitzung in Österreich diskutiert wird. Ich werde im folgenden Text das Papier einordnen und zeigen, warum dieses Papier politisch betrachtet ein Gegenentwurf zu den Vorstellungen der EU Agrarkommissar Phil Hogan ist. Das Papier gibt ein anderes Leitbild vor, das sehr viel stärker auf öffentliche Güter fokussiert. Allerdings es ist unklar, ob dieses Papier politisch geeignet ist, die so dringend benötigte Einigung zur GAP noch vor der Europawahl zu befördern.

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Die Allgäuer Alpen bei Nesselwang: Vitaler Ländlicher Raum als Raum zum Leben, als Erholungsgebiet, als Identifikationsraum und als Räume für Umwelt und Landschaft.

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GAP-Reform 2020: Renationalisierung und Business as usual?

20. September 2018

Die Diskussion um die Zukunft der GAP nach 2021 nimmt gerade Fahrt auf. Bevor ich auf Kritikpunkte anderer agrarpolitischer Akteure eingehe, erscheint es zunächst wichtig, die Probleme des aktuellen Vorschlags darzustellen. Der folgende Text enthält eine kurze Analyse der wesentlichen Kritikpunkte am Reformvorschlag von Phil Hogan sowie einen kurzen Ausblick auf die GAP-Reformprozess vor und nach der Europawahl.

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Artenreiches Grünland bei Eksö, in Småland, Schweden

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Dürre 2018: Welche Schäden können wir in der Landwirtschaft feststellen?

15. September 2018

Zusammen mit meinem Kollegen Carsten Holst haben wir zusammengefasst, welche Dürreschäden sich lt. Erntebericht 2018 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) feststellen lassen. Des weiteren haben wir uns die Entwicklung der Schlachtzahlen über den Sommer angesehen, die zeigen, dass Tierhalter bereits in größerem Umfang Schlachtungen vorgezogen haben. Die Details finden sich auf Agrardebatten.blog, dem neuen Debatten-Blog der Fakultät für Agrarwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen.

Nächste Woche werden wir dort auch die Dürrebeihilfen von Landwirtschaftsministerin Juli Klöckner (CDU) bewerten.

AgrarDebatten

Ein Beitrag von Dr. Sebastian Lakner und Dr. Carsten Holst der Abteilung Agrarpolitik der Universität Göttingen.

Einleitung

An den deutschen Sommer 2018 werden wir uns lange als einen der heißesten und trockensten erinnern. Ein langanhaltendes Hochdruckgebiet brachte hohe Temperaturen in Kombination mit extrem niedrigen Regenfällen. Die Durchschnittstemperatur über den Sommer lag mit 19,3 Grad Celsius um 2,2 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010, lediglich im Rekordsommer 2003 war es heißer. Über den Sommer fielen im nationalen Durchschnitt 130 l/m², was nur 54% des langjährigen Durchschnitts von 239 l/m2 darstellt. Nur der Sommer 1911 war trockener (siehe Deutscher Wetterdienst). Vor allem in Norddeutschland hatten die Monate Juni, Juli und August deutlich geringere Niederschläge und bei genauem Beobachten der Wetterlage muss man feststellen, dass die Dürre selbst Anfang September noch nicht richtig vorbei ist.

Getreidefeld Getreidefeld in Südniedersachsen: Die Dürreschäden sind deutlich erkennbar              …

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Auf Agrarpolitik-blog: Chancen und Herausforderungen der Paralandwirtschaft in der Alpen-Region

13. August 2018

Heute erschienen auf Agrarpolitik-blog.com: Chancen und Herausforderungen der Paralandwirtschaft in der Alpen-Region

Landwirtschaftliche Betriebe suchen in zunehmenden Maße ihre Chancen in neuen landwirtschaftsnahen Betriebszweigen wie z.B. der Direktvermarktung, der Gastronomie, dem ländlichen Tourismus, der Forstwirtschaft, der Landschaftspflege oder der Vermietung/Verpachtung von Gebäuden und Maschinen. In der Schweiz ist dieser Bereich unter dem Begriff Paralandwirtschaft gut bekannt. Mit den Kollegen Stefan Kirchweger und Jochen Kantelhardt (Universität für Bodenkultur in Wien), Daniel Hoop (Agroscope Tänikon, Schweiz) und Bernhard Brümmer (Universität Göttingen) habe ich in den letzten Jahren an einer Studie zum Thema Auswirkungen der Diversifizierung auf Ökobetrieben in der Schweiz, Österreich, Baden-Württemberg und Bayern gearbeitet, die im April im Journal Sustainability erschienen ist*. Der Beitrag auf https://agrarpolitik-blog.com beschreibt die Kernergebnisse unserer Studie und diskutiert mögliche Schlussfolgerungen für die Landwirtschaft.

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Diversifizierter Bio-Betrieb mit Käserei, Bäckerei, Hofladen und Gastronomie

Die Originalstudie in Journal Sustainability kann man hier nachlesen:

*Lakner, S., S. Kirchweger, D. Hoop, B. Brümmer, und J. Kantelhardt (2018): The Effects of Diversification Activities on the Technical Efficiency of Organic Farms in Switzerland, Austria, and Southern Germany, Sustainability 2018, 10, 1304; doi:10.3390/su10041304. Frei zugänglich verfügbar: http://www.mdpi.com/2071-1050/10/4/1304

Sind Beihilfen für die Landwirtschaft gerechtfertigt? Ein Überblick

6. August 2018

Seit Mitte Juli fordert der Deutsche Bauernverband eine Milliarde Nothilfe für die Landwirtschaft, die aufgrund der Hitzeperiode und der geringen Niederschlagsmenge seit Mai mit deutlichen Ertragseinbrüchen rechnen muss. Einige Betriebe sind vermutlich in ihrer Existenz gefährdet, insofern erscheint es naheliegend, dass der Staat schnell und großzügig Beihilfen gewährt. Aber wieviel wissen wir schon und welche Betriebe sind betroffen? Ich werde einige Argumente nennen, weshalb das Ministerium gut beraten ist, zunächst abzuwarten und zu überlegen, mit welchen Instrumenten man eine Beihilfe gewährt. Kurzfristige Hilfen lassen sich politisch vermutlich nicht vermeiden, allerdings sollte die Politik bereits jetzt die Weichen für zukünftige Extremwetterlagen stellen. Es gibt genügend Optionen, keine ist optimal, allerdings läuft die aktuelle Debatte nach dem Chaosprinzip, was zunächst dem Bauernverband nutzt, aber nur bedingt den Mitgliedern und schon gar nicht dem Steuerzahler.

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Trockenes Grünland in Schleswig-Holstein führt zu Futterknappheit (Foto: Kirsten Wosnitza)

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Greening 2017: A lighter shade of green

23. April 2018

Neue Zahlen der Bundesregierung zur Umsetzung des Greenings 2017, veröffentlicht am 05.März 2018, zeigen, dass dieses umweltpolitische Instrument weiterhin nur geringe Umwelteffekte erzielt. Ich werde im folgenden Text über einige interessante Details der Anfrage berichten. Insgesamt erfüllt das Greening nicht die umweltpolitischen Erwartungen.

Die Abgeordnete der Linken, Dr. Kirsten Tackmann hat (wie bereits in den Vorjahren) die Bundesregierung nach der Umsetzung des Greenings 2017 gefragt und die Zahlen sind zunächst ein wichtiges Ergebnis der Anfrage – eigentlich sollte deren Publikation eine Selbstverständlichkeit sein, aber offenbar muss das Parlament erst fragen, damit das BMEL informiert. Die Anfrage von Frau Tackmann hat zusätzlich einige interessante Details hervorgebracht, die ein vollständigeren Überblick über die Wirkungsweise des Greenings verschafft. Das Gesamtbild ändert sich hierdurch nicht: Greening und die ökologische Vorrangfläche (ÖVF) sind eine teure umweltpolitische Maßnahme, die nur geringe Effekte auf die Umwelt und kaum Effekte für die Biodiversität erzielt. Und hierfür werden in substanziellem Umfang Mittel der Steuerzahler eingesetzt.

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Brache im Juni 2017 bei Bad Düben im Landkreis Nordachsen

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ZDF Weizen-Doku und die Agrarpolitik: Die Story bestimmt die Fakten?

21. März 2018

Ende Februar 2018 lief auf ZDF Zoom eine Dokumentation mit dem Titel „Der Wahnsinn mit dem Weizen –  Die Folgen unserer Agrarpolitik“. Das Thema des Films war der Import von europäischen Agrarprodukten in den Senegal. Die Autorin des Films, Katarina Schickling vertritt hierin die These, dass durch die agrarpolitische Förderung der EU die Märkte in Afrika mit Weizen „überschwemmt“ und damit in Unordnung gebracht werden. Der Film zeigt, dass die Importe aus der EU die heimischen Produkte wie Hirse, Sorghum oder Maniok verdrängt, aber wie hängt das mit der EU Agrarpolitik zusammen? Meiner Ansicht nach stellt Frau Schickling zwar einige interessante Fragen und zeigt Entwicklungsprobleme im Senegal auf, insofern ist der Film interessant. Allerdings ist die Analyse dieses Problems völlig falsch.

1) Ist die Agrarpolitik an Exporten in Entwicklungsländer Schuld?

Betriebsprämien: Die sogenannte Betriebsprämie wird pro Hektar bezahlt und zusätzlich gibt es Geld für Umweltschutz“ (Min.2). Das ist zwar richtig, allerdings stellt sich die Frage, inwieweit die Betriebsprämie zu Exporten nach Afrika führt und inwieweit diese Prämie den Preis für Agrarprodukte beeinflusst. Der Stand der Wissenschaft zeigt, dass die Betriebsprämie die Produktion und das Exportpotenzial von Weizen in Entwicklungsländer nicht (mehr) beeinflusst. Die EU Direktzahlungen wurden 2005 „entkoppelt“ und werden seither unabhängig von den Produktionsverfahren eines Betriebes gezahlt. Eine Landwirtin oder ein Landwirt kann frei entscheiden, was auf dem Boden produziert wird, da diese Prämie ohnehin gezahlt wird.

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Getreide kurz vor der Ernte im Leinetal, August 2016

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GAP-Reform 2020: Warum das Kommissionspapier Future of Food and Farming nicht ausreicht!

19. Februar 2018

Im folgenden Text werde ich darstellen, warum ich das Kommissionspapier „Future of Food and Farming“ für unzureichend für eine substanzielle GAP-Reform 2020 halte und wo ich Probleme und Schwächen in diesem Papier sehe. Seit 1992 wird die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) recht regelmäßig in etwa siebenjährigem Abstand reformiert, jeweils parallel zu dem siebenjährigen EU-Finanzrahmen. Die letzte GAP-Reform wurde im Dezember 2013 von Rat und EU-Parlament entschieden, insofern laufen aktuell bereits die Vorbereitungen für die nächste Reform: Am 29. November 2017 hat die EU Kommission (unter Federführung von Phil Hogan) ihr Kommunikations-Papier „Landwirtschaft und Ernährung der Zukunft“ („The Future of Food and Farming“) veröffentlicht. Aktuell finden bereits (unterhalb der öffentlichen Wahrnehmung) die ersten Diskussionen mit den Vertretern der Mitgliedsstaaten und des EU Parlamentes über die Zukunft der GAP statt, der GAP-Legislativvorschlag, der im Sommer erscheinen soll, wird vorbereitet und am 19.02.2018 werden Mitgliedsstaaten im Rat über die Zukunft der GAP und der Direktzahlungen diskutieren.

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Sondierungspapier von CDU/CSU und SPD: Nichts Neues in der Agrarpolitik?

3. Februar 2018

Im folgenden Text werde ich mich mit dem Sondierungspapier zwischen CDU/CSU und SPD im Bereich Landwirtschaft beschäftigen. Sondierungspapiere haben die Eigenschaft, dass sie unvollständig sind, insofern kann man hieraus noch keine sicheren Schlüsse ziehen. Allerdings eine grobe Richtung lässt sich schon erkennen und die zeigt, dass eine große Koalition im Bereich Agrarpolitik allenfalls geringe Änderungen vornehmen wird. Das Papier des Jamaika-Bündnisses, das bis 20.11.2017 verhandelt wurde, war im Bereich Agrarpolitik detaillierter und enthielt mehr Ideen, auch wenn dieses Papier ebenfalls Inkonsistenzen enthielt. (Hier meine Analyse zum Jamaika-Papier vom 6.11.2017.) Angesichts fehlender Ideen im Agrar-Kapitel wird vermutlich viel von der personellen Besetzung des Agrarministeriums abhängen.

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