Entwicklung des Ökolandbaus – Trends und Themen 2014

Die Berichtssaison im Ökolandbau beginnt üblicherweise zur Biofach in Nürnberg, d.h. im Februar eines Jahres. Auch zur Biofach 2014 konnte wieder ein Zuwachs des Ökolandbaus in Deutschland zu vermeldet werden: Der Markt ist 2013 erneut um 0,5 Mrd. EUR (+7%) gewachsen, so dass jährlich ein Umsatz von etwa 7,55 Mrd. EUR mit ökologischen Lebensmitteln gemacht wird (BÖLW 2014). Damit ist der deutsche Biomarkt in absoluten Zahlen nach den USA (22,5 Mrd. EUR) weiterhin der zweitgrößte Biomarkt weltweit. In Europa werden in Frankreich (4,0 Mrd. EUR), Großbritannien (1,95 Mrd. EUR), Italien (1,84 Mrd. EUR) und der Schweiz (1,5 Mrd. EUR) viele Bioprodukte abgesetzt, wobei die Umsätze in Großbritannien im vierten Jahr in Folge zurück gegangen sind. Da der Gesamtmarkt für Lebensmittel in Deutschland in 2013 ebenfalls gewachsen ist, hat sich der Marktanteil der Biolebensmittel nur leicht erhöht auf ca. 3,9% des Gesamtumsatzes.

Wenn man sich die Details des Marktwachstums ansieht, so unterscheidet sich das Wachstum je nach Warengruppe: Kartoffeln, Obst und Gemüse hatten starke Zuwächse, die auf deutlich höhere Preise zurück zu führen waren. Trinkmilch, Fleischwaren/Wurst erzielten ebenfalls Zuwächse. Bei Fleisch, Eiern, Brot und Käse gingen dagegen sowohl die Preise wie auch abgesetzte Menge etwas stärker zurück. Betrachtet man die Kaufintensität für Bioprodukte, so zeigt sich, dass von den Flächenstaaten die Schweiz (189 EUR/Person), Dänemark (159), Österreich (127) und Schweden (95) europaweit die höchste Kaufintensität haben, während Deutschland mit 86 EUR/Person Europaweit nur den siebten Platz belegt (AMI 2014). Einen sehr detaillierten Überblick über die Marktentwicklung findet sich in der kostenpflichtigen AMI Marktbilanz Ökolandbau 2014, Auszüge davon finden sich jedoch auch in der Broschüre des BÖLW (Zahlen Daten Fakten 2013).

Die Ökologisch bewirtschaftete Fläche wuchs 2013 in einem eher schwierigen Umfeld um weitere 1% auf 1,04 Mio. ha. Auch die Zahl der Ökobetriebe nahm in 2013 um 2% auf 23.484 zu. In Deutschland werden aktuell 6,3% der Fläche ökologisch bewirtschaftet und 8,2% der landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften ökologisch. D.h. es zeichnet sich weiterhin ab, dass der Markt stärker wächst als die Produktion. Die folgende Abbildung zeigt die Zuwachsraten bei Markt und Produktion in Deutschland von 1994-2013:
Entwicklung Ökolandbau 94-2013

 

Der Umsatz mit Ökoprodukten wird erst seit 2000 erfasst. Es zeigt sich, dass mit Ausnahme der Jahre 2003, 2009 und 2010 das Marktwachstum größer war als der Zuwachs an Bioproduktion. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass ein Teil dieses Marktzuwachses durch einen Zuwachs an ökologischen Convenience-Produkten (Tiefkühl-Pizza etc.), d.h. durch einen höheren Verarbeitungsgrad erzielt wird. Andererseits zeigt eine aktuelle Studie der Agrarmarktinformation mbH aus Bonn, dass Bio-Importe in Deutschland eine wichtige Rolle spielt. Dies ist zunächst nicht überraschend, da Produkte wie Bananen oder Kaffee nicht hier produziert werden können. Allerdings liegt auch bei Getreide, einem Produkt das klassischerweise in Deutschland angebaut wird, der Importanteil bei etwa 18% und ist seit 2010 leicht gestiegen (Schaack 2014).

In den letzten Jahren bewegte sich der Ökolandbau in einem „schwierigen Umfeld“: Die starke Förderung von Biogas führte zu einem Preisdruck an den Pachtmärkten, bei dem Biobetriebe häufig nicht mithalten konnten. Auch die hohen Weltmarktpreise machten die Umstellung auf Ökolandbau (aufgrund höherer Opportunitätskosten) schwieriger. Nachdem die Flächen-Prämien für den Ökolandbau nach der sog. Fischler-Reform 2005 und dem Beginn der letzten Förderperiode von ELER 2006/07 teilweise drastisch gesenkt worden waren, wurden sie in den letzten Jahren in einigen Bundesländern wieder erhöht. Häufig war dies verbunden mit einem Regierungswechsel zu Rotgrün, wobei sich in Baden-Württemberg durch den Regierungswechsel keine Änderungen für den Ökolandbau ergaben.

Im Bereich der Förderung könnten sich im Jahr 2014 in einigen Bundesländern zahlreiche Änderungen ergeben, da die ELER-Förderperiode 2007-2013 letztes Jahr zu Ende ging und die Bundesländer aktuell an den neuen Programmen für die ländliche Entwicklung 2014-2020 arbeiten. Im Zuge dessen haben die Minister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) in Niedersachsen (erneut nach 2013), Hermann Onko Aeikens (CDU) in Sachsen-Anhalt und Till Backhaus (SPD) in Mecklenburg-Vorpommern angekündigt die Prämien zur Förderung des Ökolandbaus zu erhöhen. Auch in Hessen und Bayern wurden Änderungen für den Ökosektor sowie Wachstumsziele ausgegeben, allerdings ohne eine konkrete Aussage zur Prämienhöhe. Auch in anderen Bundesländern könnte es Änderungen geben, andererseits wird in Thüringen und Brandenburg seit einigen Jahren regelmäßig über einen Ausstieg aus der Ökoförderung diskutiert, der dann idR. schnell wieder zurückgenommen wird. Dies hat in beiden Ländern zunächst mit Sparauflagen in den Länderhaushalten zu tun, jedoch ein wenig auch mit politischen Prioritäten, die offensichtlich in der Landespolitik so nicht gesehen werden (so auch die Kritik von Frank Augusten, Bündnis 90/Die Grünen).

Übersicht über die Änderung der Prämien in den Bundesländern 2012-2014

Bundesland Prämie für Beibehaltung Ackerflächen Anlass der Änderung
Prämie vor 2011
(EUR/ha)
Erhöhte Prämie
(EUR/ha)
Niedersachsen 137 € 200 € Mai 2013, Amtsantritt Rot-Grün
weitere Erhöhung 2014 angekündigt
Schleswig-Holstein 137 € 180 € Juni 2012, Amtsantritt Rot-Grün
Nordrhein-Westfalen 180 € 180 € Umstellungsprämie erhöht ab 2011, Amtsantritt Rot-Grün
Rheinland-Pfalz 140 € 175 € Umstellungsprämie höher ab 2011, Amtsantritt Rot-Grün
Hamburg 137 € 170 € 2012, Amtsantritt SPD
Sachsen-Anhalt 200 € 230 € Erhöhung der Prämie 2014 angekündigt Geänderte politische Priorität
Meck-Pomm 150 € 180 € Backhaus kündigt Erhöhung an, geänderte politische Priorität
Bayern 210 € 200 € angehoben in 2009, aktuell abgesenkt, möglicherweise Änderungen 2014
Hessen 170 € 170 € Amtsantritt Schwarz-Grün 2014
möglicherweise Änderungen 2014
Baden-Württemberg 190 € 190 € keine Änderung mit Grün-Rot
Saarland 145 € 145 € keine Änderung
Sachsen 204 € 204 € keine Änderung
Thüringen 170 € 170 € im Mai 2013 Diskussion über Fortsetzung?
Brandenburg 150 € –   € Streichung U-Prämie 2011,
ab Juni 2013 keine Neuverträge?

Quelle: Eigene Erhebung, Kenntnisstand 17.April 2014
(ggf. Ergänzungen erwünscht!)

Schließlich wird seit Anfang des Jahres die Revision der EU Ökoverordnung sehr intensiv diskutiert. Die Abschaffung der Teilbetriebs-Umstellung erscheint mir persönlich dabei zunächst extrem sinnvoll, auch das Auslaufen der Ausnahmen bei der Anbinde-Haltung von Kühen erscheint wohl unausweichlich. Wer als Landwirt das Auslaufen dieser Sondergenehmigung als Grund für eine Rückumstellung nennt (wie am 3.März 2014 in der Süddeutschen Zeitung, S.6), muss sich fragen lassen, wie wichtig ihm das Tierwohl ist. In einigen Bereichen sieht die Revision eine strengere Auslegung von Regeln sowie weniger Flexibilität der EU-Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung der Verordnung vor. Teilweise werden die neuen Regeln von Prinz Felix zu Löwenstein vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) kritisiert, da hier neue Hürden geschaffen werden. Andere Vorschläge hält der BÖLW dagegen für sinnvoll. Auch Jan Plagge, Präsident von Bioland äußert sich z.B. zu den neuen Regeln zur Abdrift sehr kritisch, da hier das Verursacherprinzip auf den Kopf gestellt werde.

Auch die Frage, ob nur noch betriebseigenes oder mehr regionales Futter verwendet werden darf, ist eine Wertefrage, die evtl. in einem etwas breiter angelegten politischen Prozess unter Einbeziehung der Ökoverbände entschieden werden sollte. Objektiv ist dies schwer zu bewerten. Andererseits zeigt der aktuelle Betrug um Neuland-Fleisch (auch wenn dies lt. BUND ein Einzelfall ist), dass Kontrollen weiterhin extrem wichtig sind und zur hohen Glaubwürdigkeit des Ökolandbaus beitragen. Statistiken über die Öko-Kontrollen zeigen, dass unangekündigte Kontrollen eine größere Wirkung entfalten, als angekündigte, dass jedoch die Kontrollen in Deutschland insgesamt relativ selten sehr schwere Verstöße finden (vgl. Gambelli et al. 2012).

Insgesamt dürfte 2014 ein interessantes Jahr werden, weil die Programme für Ländliche Entwicklung neu genehmigt werden und im positiven Sinne Änderungen für den Ökolandbau bedeuten können. Andererseits wird das Thema Revision der EU Ökoverordnung eine wichtige Rolle spielen. Und das Thema Gentechnik ist ein weiteres Thema, das die Vertreter des Ökolandbaus 2014 beschäftigen wird.

Zu dem Thema siehe auch: Perspektiven der Förderung des Ökolandbaus nach der GAP- Reform 2013

Nachtrag am 26.04: Ein Interessanter Beitrag von der ARD Plusminus zeigt die schwierige Situation am Ökomarkt: Steigende Kosten einerseits und stagnierende bis rückläufige Preise andererseits machen den Öko-Betrieben zu schaffen. Die im Beitrag beschriebenen Trends sind nicht neu (wie im Beitrag suggeriert), diese grundlegenden Entwicklungen zeichnen sich schon seit längeren ab. Allerdings scheinen sich die Preise gerade dieses Jahr nachteilig zu entwickeln, weshalb Plusminus jetzt darüber berichtet.

Eine Bewertung der Revision der EU-Richtlinie von Martin Häusling (Bündnis 90 / Die Grünen) gibt es hier: http://www.martin-haeusling.eu/images/140402_Briefing_Martin_Häusling_Reform_ÖkoVo_April_14.pdf

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