Weltklasse in Göttingen: das Belcea Quartett

Am Sonntag, dem 23.02.2014 spielte das Belcea Quartet im Göttinger Aula-Konzert, das regelmäßig von der Göttinger Kammermusikgesellschaft e.V. organisiert wird. An dieser Stelle müssen zunächst die Organisatoren ausdrücklich gelobt werden, die es immer wieder schaffen, dass Ensembles der absoluten kammermusikalischen Weltklasse wie z.B. das Belcea-Quartet (immerhin Residenz-Quartett in Wien und London), das tschechische Guarneri-Trio (am 10. März 2013) oder das finnische Tempera Quartett (12.02.2012) die Göttinger Universitäts-Aula in ihre Europa-Tourneen integrieren und hier ein künstlerisches Angebot machen, das selbst für eine Universitätsstadt ungewöhnlich ist. Die Kammermusikgesellschaft tut dies mit ehrenamtlichem Engagement und in einer unaufgeregten Art, die so gar in den aktuellen Zeitgeist zu passen scheint.

Belcea Quartett

Belcea Quartett

Das Belcea-Quartett gehört (ähnlich wie das bereits im November gelobte Artemis Quartett) zur jüngeren Generation von Quartetten, die die klassische Literatur (am Sonntag Beethovens Streichquartett Nr. 7) neu interpretiert. Auch das am Sonntag dargebotenen Quartett Nr. 2 in C-Dur von Benjamin Britten von 1945 und die ursprünglich für Gambe geschrieben vierstimmigen Fantasias Nr. 4, 6, 10 und 11 von Henry Purcell wurden absolut überzeugend dargeboten. Hervorstechend war bereits in den vier Stücken von Purcell die technische Brillanz, mit der die Stücke vorgetragen wurden. Allerdings ist technische Brillanz nicht alles. Zunächst fiel beim Purcell auf, dass hier die historische Spielweise ohne Vibrato perfekt adaptiert wurde. Das Belcea-Quartett zeigt schon bei diesem Stück eine feinsinnige Interpretation, die einerseits einen homogenen Ensemble-Klang und andererseits sehr viel Kommunikation der Stimmen in den sehr polyphon aufgebauten Stücken von Purcell.

Dazu passte das Quartett von Britten: auch hier fiel die enorme Präzision auf und es wurde nicht immer mit Vibrato gearbeitet. Auffällig, und dabei dem Artemis-Quartett nicht unähnlich, war das starke herausarbeiten von dynamischen Unterschieden. Und auch hier fällt der homogene Ensembleklang auf: Ein C-Dur der vier Instrumente erinnert teilweise an Orgelklänge. Eine solche im 2.Satz „attacca“ vorgetragene Akkordfolge führte dann dazu, dass dem Bratscher Krzysztof Chorzelski eine Saite riss und das Konzert vor dem 3. Satz unterbrochen werden musste. Im Vortrag des Beethoven-Quartettes fiel auf, dass auch hier teilweise sehr sparsam mit Vibrato gearbeitet wurde, was für Beethoven vielleicht doch etwas ungewöhnlich ist, musikalisch jedoch sehr überzeugt und interessanterweise einen Bezug zum sehr transparent gespielten Purcell herstellt. Eine weitere Eigenschaft kam hier zum Tragen, nämlich das leise Spiel: Für Laien stellt dies idR. die größte Herausforderung dar und es war beeindruckend, wie das Belcea Quartett selbst im Flüsterton alle Nuancen in höchster Präzision herausarbeiten kann. Ein wichtiger Unterschied zum Artemis-Quartett besteht jedoch: Beim Belcea Quartett führen die 1.Violine, Corina Belcea und der Bratscher etwas mehr Regie, während das in Lübeck gegründete Artemis-Quartett stark von der Persönlichkeit des Cellisten, Eckart Runge als „Taktgeber“ bestimmt wird.

Das Belcea Quartett hat einige CDs, u.a. mit Werken von Britten, Schubert oder Beethoven veröffentlicht, das ist wirklich gute Musik. Michael Schäfer beendet seine Konzert-Kritik im Göttinger Tageblatt (24.02.2014, S.13) zu Recht mit den Worten: Wer das gehört hat, der weiß, was Glück ist.

http://www.belceaquartet.com

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