Großes Kino über Homosexuelle, Christen und Präsidentschaftskandidaten

Da tritt Rick Perry, Gouverneur von Texas und bekennender Christ auf einer Wiese vor die Kamera und beklagt bedeutungsschwer und kulturpessimistisch die „verrückte Welt“, in der Homosexuelle offen im Militär dienen dürfen und seine Kinder sich dafür schämen müssen, Weihnachten offen zu feiern (http://www.youtube.com/watch?v=V78ReJbjdxohttp://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,802974,00.html). Und man hat das Gefühl, dass es in den Vereinigten Staaten tatsächlich Menschen gibt, die einer solchen Aussage zustimmen würden. Naja, ist ja auch schlimm, wenn die Homosexuellen in Afghanistan im Kugelhagel der Taliban Weihnachten offen feiern dürfen, während die Kinder in Texas… Ja, was eigentlich?

Rick Perry's verrückte Welt

Auf jeden Fall will er als Präsident den „crazy war“ der Demokraten gegen die Religion beenden, die eine versteht sich. Welchen Krieg? Barack Obama ist seit 2009 eigentlich nur damit beschäftigt, die Kriege von George W. Bush in Irak und Afghanistan zu beenden und das beschädigte Bild der USA in der Welt etwas zu korrigieren. Schwer genug! Dieser Tage denkt man in Europa zuweilen, dass die Briten schwer zu verstehen sind, aber Perry’s Spot ist nun wirklich weit entfernt von jeder Art der Zivilisation.

Und auch für die sonst so Fox-lastige US-Öffentlichkeit war das dann wohl doch zu dick aufgetragen von Perry. Das schönste an diesem Perry-Werbespot sind die Persiflagen auf Youtube. Wenn die Republikaner solche Kandidaten ins Rennen schicken, hilft dies nur Obama bei seiner Wiederwahl, denn angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Probleme hat er nur eine durchwachsene Bilanz. Aber die Republikaner können daraus kein Kapital schlagen: Herman Cain weiß nicht so genau, was in Libyen passiert ist und was er an Obamas Handeln kritisieren will. Nach Vorwürfen der sexuellen Nötigung kam vor ein paar Wochen sein Rückzug. Und Perry kann in einer Talkshow die drei Ministerien, die er abschaffen wollte, nicht benennen. Und jetzt versucht er mit Weihnachten zu punkten, das ist ganz großes Kino, aber so wird man nicht Präsident. Michele Bachmann und Sarah Palin von der Tea-Party haben schon im Vorfeld nicht gepunktet, bleiben als ernst zu nehmende Kandidaten Mitt Romney und Newt Gingrich. Romney kommt seriös rüber, ist aber bei der Basis unbeliebt und konnte sich bisher weder bei einer Wahl zum Senat 1994, noch bei den letzten Primaries der Republikaner 2008 durchsetzen. Aber er hat bisher wenigstens keine Fehlleistung produziert, gleiches gilt bedingt für Gingrich. Gingrich war nach 1994 Hauptgegenspieler von Bill Clinton, hat jedoch einige Angriffspunkte in seiner Karriere. Aber er ist ein politisches Tier, d.h. er übersteht selbst für ihn brenzliche Debatten. Dies scheint auch der Grund, warum er die Umfragen anführt, denn bei den Republikanern scheint inzwischen jeder Tag ohne rhetorische Fehlleistung und Skandal ein guter Tag.

Und aus europäischer und internationaler Perspektive hofft man auf Obamas Wiederwahl 2012, denn die Satiriker hatten bereits 2001-2009 ihren Präsidenten. Also bitte, liebe Republikaner, weiter so, so zerlegt man sich!

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