Technische Effizienz von ökologischen Futterbau-Betrieben in Deutschland: Regionale Unterschiede belegt

Untersucht wurden ökologische Futterbau-Betriebe zwischen 1994/1995 und 2005/2006 in Deutschland (außer Schleswig-Holstein). Futterbau-Betriebe sind dabei spezialisierte Futterbau-Betriebe (d.h. mit mehr als 66% des Umsatzes aus Milchvieh-, Mutterkuh-, Schaf- oder Ziegen-Haltung) und Verbund-Betriebe mit einem Schwerpunkt im Bereich Futterbau (33-66% des Umsatzes). Fünf Input- und eine Output-Variable wurde mit Hilfe einer sog. Stochastic Frontier Funktion (SFA) analysiert. Die technische Effizienz wird dabei als Verhältnis von aggregierten Inputs zu Outputs geschätzt.

Durchschnittliche Technische Effizienz in 15 Produktionsclustern von ökologischen Futterbau-Betrieben in Deutschland (Quelle: eigene Berechnung)

Durchschnittliche Technische Effizienz in 15 Produktionsclustern von ökologischen Futterbau-Betrieben in Deutschland (Quelle: eigene Berechnung)

Daneben wurden auch die Bestimmungsgründe der technischen Effizienz ermittelt, die in fünf Kategorien unterteilt werden: 1. Betriebsstruktur und Ressourcen-Ausstattung, 2. Human-Kapital und Management-Kapazitäten, 3. Institutionelle Wahl und 4. politische Förderung.

Diese Bestimmungsgründe werden in vielen ähnlichen Analysen standardmäßig verwendet, in der vorliegenden Analyse wurden allerdings eine weitere Variablen Gruppe eingeführt, die regionale Einflussfaktoren abbilden. Hierbei geht es darum „regionale Verstärkungseffekte“ darzustellen. So ist bei einer hohen Zahl von Öko-Betrieben in einer Region anzunehmen, dass z.B. Neu-Umsteller schneller einen Ansprechpartner, Beratung oder Hilfe von Kollegen für ein technisches Problem finden. Daneben ist auch die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich vor- und nachgelagerte Unternehmen ansiedeln. Diese sog. „Agglomerationseffekte“ wurden mit Hilfe von verschiedenen Variablen abgebildet und es wurde zusätzlich versucht, das regionale sozio-ökonomische Umfeld mit Hilfe des Wahlergebnisses der Grünen zu schätzen. Es konnte gezeigt werden, dass diese Faktoren die technische Effizienz bei Futterbau-Betrieben signifikant beeinflussen. Mit Hilfe eine Cluster-Analyse wurde untersucht, wie sich regionale Unterschiede in der technischen Effizienz darstellen. Es konnte gezeigt werden, dass sich vor allem süddeutsche Produktionscluster besonders effizient darstellen.

Daneben wurde auch die Effizienz von Umstellungsbetrieben untersucht. Hierbei zeigt sich, dass Umstellungsbetriebe eine signifikant niedrigere technische Effizienz erzielen. Dies ist nicht nur mit niedrigeren Erträgen, sondern vor allem mit Lernkosten in der Umstellungsphase zu erklären. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Länge der Umstellungsphase mit mindestens 5 Jahren zu veranschlagen ist, erst nach 6 Jahren steigt die Effizienz-Kurve deutlich an und nähert sich den Durchschnittswert aller Öko-Betriebe. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Umstellungsförderung im Hinblick auf Lernkosten sinnvoll ist, allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass die Flächenförderung das günstigste Instrument für eine Umstellungsförderung ist. Auch andere Förderinstrumente sollten für die Umstellungsphase in Betracht gezogen werden.

Quelle: S. Lakner, S. von Cramon-Taubadel and B. Brümmer (2011): Technical efficiency of organic pasture farming in Germany: The role of location economics and of specific knowledge,
Renewable Agriculture and Food Systems,
FirstView Articles ,
http://journals.cambridge.org/abstract_S1742170511000330,
Copyright © Cambridge University Press 2011

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